„Die Bundeswehr hat ein Gender-Problem“


Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels (SPD) im Gespräch mit Soldaten Quelle: DBT / Ute Grabowsky / photothek.net
Laut Wehrbeauftragtem Hans-Peter Bartels (SPD) werden in der Truppe Fälle von sexueller Belästigung und Mobbing zu oft verharmlost. Wegen Einsparungen mangele es häufig an der Kontrolle durch Vorgesetzte.

Von Thorsten Jungholt | DIE WELT

Die Welt: Herr Bartels, nach den jüngst bekannt gewordenen Skandalen in den Kasernen Pfullendorf und Bad Reichenhall drängt sich die Frage auf: Hat die Bundeswehr ein systemisches Problem mit sexuellen Übergriffen unter Soldaten?

Hans-Peter Bartels: Die Bundeswehr hat gewiss noch ein Gender-Problem, bei der Gleichstellung ist manches aufzuholen. Über Jahrhunderte war ja Militär eine reine Männerveranstaltung. Systemisch an dem Problem ist, dass Streitkräfte keine Arbeitgeber sind wie jeder andere, sondern es eine viel verbindlichere Art des Aufeinander-angewiesen-Seins und des Einander-nicht-ausweichen-Könnens gibt.

Zudem hat die Bundeswehr mit rund 250.000 Soldatinnen und Soldaten und zivilen Beschäftigten die Dimension einer mittleren Großstadt. Da gibt es Gewalt, Drogenmissbrauch, Rechtsextremismus. Dagegen wird, wenn es bekannt wird, überwiegend hart durchgegriffen. Und es gibt Mobbing und sexuelle Belästigung. In solchen Fällen wird manchmal noch nicht entschlossen genug reagiert, sondern teilweise verharmlost.

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