Wer gegen Erdogan stimmt, sagt nur seinen Vornamen


Bild: FB
Ab jetzt können in Deutschland lebende Türken über die Verfassungsreform abstimmen. Viel steht auf dem Spiel. Das Generalkonsulat in Hamburg setzt in der Zeit einen speziellen Sicherheitsdienst ein.

Von Philipp Woldin | DIE WELT

Und der Nachname? „Wenn der in der Zeitung steht, bekomme ich Probleme.“ So bleibt es bei Ilkay, der Vorname muss reichen. Die 40-jährige Frau hat gerade mit „hayir“ gestimmt, Nein zum Ultrapräsidialsystem von Staatschef Recep Tayyip Erdogan, jetzt steht Ilkay vor dem türkischen Generalkonsulat, blinzelt in die Frühlingssonne und erklärt sich. Sie sei unzufrieden, wie sich die Türkei politisch entwickle, und nun, fürchtet Ilkay, drohe ein Rückfall in alte Zeiten, ein neues Osmanisches Reich.

Deswegen ist sie zum Mittelweg gekommen, um zum ersten Mal in ihrem Leben bei einer türkischen Wahl abzustimmen. Den ganzen Tag strömen die Menschen hierhin, oft kommen ganze Familien gemeinsam, Söhne stützen ihre Mütter und Omas, Männer mit Gebetsketten reihen sich in die Schlange ein. Ilkay ist alleine da, sie ist in Hamburg geboren, neben der türkischen Staatsbürgerschaft besitzt sie auch den deutschen Pass. Ob ihre Stimme etwas ausrichten wird? Ilkay ist skeptisch: „Ich glaube, Erdogan wird gewinnen.“

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