Wer hat das Sorgerecht für eine befruchtete Eizelle?


Image of the embryos having developed to the blastocyst stage 80 hours after launch. Image: Enkui Duan. prep.: bb
Die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin führen zu absurd anmutenden rechtlichen Streitereien. Auch weil der Gesetzgeber keinen verlässlichen Rahmen schafft.

Von Viktoria Bolmer | Süddeutsche.de

Ein homosexueller Mann hätte gerne leibliche Kinder. Kein leicht zu erfüllender Wunsch in Deutschland. Hier existiert eigentlich kaum ein legaler Weg für homosexuelle Männer, ein Kind zu zeugen – obwohl die Reproduktionsmedizin dies durchaus ermöglichen könnte. Zum Beispiel mit einer Eizellspende und einer Leihmutter. Beides ist in Deutschland allerdings nicht erlaubt.

Im konkreten Fall lässt der Mann zunächst ein Kind von einer Leihmutter in Indien austragen, zwei Jahre später dann zwei Töchter von einer Leihmutter in Kalifornien. Die Eizellen wurden von einer dritten Person gespendet und mit seinem Sperma befruchtet. Dabei sind neun weitere Embryonen entstanden, die kryokonserviert, also eingefroren werden. Die Befruchtung ist mittlerweile vier Jahre her, die Embryonen liegen noch immer in einer Fortpflanzungsklinik in Kalifornien, als der Mann vor Gericht zieht. Für ihn ist der Fall klar: Er ist der Vater dieser Embryonen. Das möchte er in Deutschland anerkennen lasse, schließlich wolle er die Embryonen „zur Geburt zu führen“, wie er sagt. Er beansprucht nicht nur die Vaterschaft des tiefgefrorenen Gewebes, er möchte auch das Sorgerecht, zumindest aber eine Pflegschaft für die Embryonen.

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