Inuit-Kinder in Kanada: 1600 Kilometer von den Eltern entfernt


foto: reuters/chris wattie Die Pflegekinder, die aus indigenen Gemeinden in Familien nach Neufundland kommen, sind für die lokale Bevölkerung auch eine willkommene Einkommensquelle.
Viele indigene Kinder aus der Provinz Labrador wachsen in weißen Pflegefamilien auf. Der Grund ist eine Verschärfung des Kinderschutzgesetzes

Von Bernadette Calonego | derStandard.at

Ein fünfjähriger Inuit-Junge ist der Stolz eines weißen Ehepaars in Ship Cove, einem Dorf im Norden der kanadischen Insel Neufundland. Sie sind Pflegeeltern, beide Anfang sechzig, und sie ziehen das Kind liebevoll auf. Die Namen des Burschen und der Pflegeeltern können in diesem Artikel nicht genannt werden. „Wir dürfen nicht einmal sagen, woher das Kind stammt“, sagt die Pflegemutter. Das sei die Anweisung der Behörden. Aber alle Leute in der Gegend wissen, dass der Inuit-Bub aus Labrador stammt, der östlichen Provinz Kanadas.

Er ist eines von vielen Pflegekindern, das die Sozialbehörden den Inuit-Familien in Labrador wegnahmen. Jetzt werden sie von weißen Eltern im Norden Neufundlands aufgezogen. In den indianischen Innu-Siedlungen und den Inuit-Dörfern Labradors finden sich zu wenige Pflegefamilien. Alkoholismus, Drogensucht, Verwahrlosung oder häusliche Gewalt gefährden dort das Leben von Kindern. Sie müssen zeitweise von dieser Gefahr entfernt werden, so die Behörden.

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