Blaue AfD wird immer brauner

Strahlender Rechtsextremist: Björn Höcke Foto: dpa
Nicht obwohl, sondern weil Björn Höcke Rechtsextremist ist, hat er in seiner Partei – und auf dem Parteitag in Köln – einen Platz. Ein Kommentar.

Von Christian Bommarius | Frankfurter Rundschau

Die Behauptung ist falsch, die AfD Thüringen schicke ihren Landesvorsitzenden Björn Höcke zum Bundesparteitag, obwohl der Rechtsextremist im Tagungshotel ein Hausverbot habe, obwohl der AfD-Bundesvorstand Höcke wegen rechtsextremer Äußerungen, in denen er sich als Bruder im Geiste der Nationalsozialisten zu erkennen gegeben hatte, aus der Partei werfen will. Die Behauptung ist falsch, weil das Ergebnis der Wahl Höckes – 91 Prozent der Delegiertenstimmen – zeigt, dass der Mann nicht gewählt wurde, obwohl, sondern weil er Rechtsextremist ist, auf den die Mitglieder der AfD Thüringen so stolz sind, dass sie sich hinter ihn stellen.

Höcke weiß, dass er mit seinem Extremismus nicht allein ist. Nicht nur sein Landesverband stützt ihn. Zwar wurde Frauke Petry, die Chefin der Bundes-AfD, jüngst zur Spitzenkandidatin des Landesverbands Sachsen gewählt.

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IOC vertuschte positive Dopingproben

Jamaikas Sprintstaffel aus Peking: Asafa Powell, Nesta Carter, Usain Bolt und Michael Frater (Foto: Xinhua/Imago )
  • Ein Bericht der ARD offenbart, dass es bei Nachtests der Olympischen Spiele 2008 in Peking positive Dopingproben jamaikanischer Sportler gegeben hat, unter anderem von den Sprintern, die fünf Goldmedaillen gewannen.
  • Als das IOC vor Rio von den positiven Dopingtests erfuhr, legte es die Ermittlungen allerdings geräuschlos zu den Akten.
  • Die Tester fanden Spuren von Clenbuterol, ein Klassiker des Pharmabetrugs.

Von Thomas Kistner, Johannes Knuth | Süddeutsche.de

Es war im vergangenen Mai, die Sommerspiele von Rio krochen näher, als der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees ein paar grundsätzliche Worte an die Öffentlichkeit richtete. Thomas Bach berichtete von rund 454 Dopingproben der Peking-Spiele von 2008, die sein IOC in den Wochen zuvor noch einmal getestet hatte. Auf dem Radar seien vor allem Athleten gewesen, die nun auch wieder in Rio starten wollten, und, tolle Neuigkeit: Man habe viele Betrüger enttarnt, bevor sie womöglich wieder betrügen; 31 von ihnen hätten die Fahnder bereits im olympischen Anreiseverkehr ausgemacht. Und damit nicht genug.

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Islam-Experte: Deutscher Staat muss Imame mitbezahlen

Themenbild
Deutsche Moschee-Gemeinden sollen ihre Imame angemessen bezahlen. Das Geld dafür soll laut einem Islamexperten aus Deutschland kommen.

DERWESTEN

Der Islamexperte Rauf Ceylan hält es auch vor dem Hintergrund der Diskussion um den Islamverband Ditib für dringend notwendig, den Moschee-Gemeinden in Deutschland eine angemessene Bezahlung ihrer Imame zu ermöglichen.

Mit der Gründung der Zentren für Islamische Theologie vor sechs Jahren habe die Politik zwar das Fundament für die Ausbildung von Imamen in Deutschland gelegt, sagte der stellvertretende Direktor des Instituts für Islamische Theologie in Osnabrück im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Aber sie hat nicht daran gedacht, eine Einnahmequelle für Imame zu schaffen.“

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Vince Ebert extrapoliert: Was wäre, wenn es keine Religion gäbe?

Vince Ebert 2007. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 2.0 de/Frank Eidel

Religion ist ein allgegenwärtiges Thema. Sie wird für vieles herangezogen, verantwortlich gemacht oder als Lösung vorgeschlagen. Vince Ebert wagt ein Gedankenspiel …

Von Vince Ebert | Spektrum.de

Unterhält man sich mit tiefreligiösen Menschen, so sind viele der Meinung, dass es vor allem der Glaube ist, der uns zu moralischen Wesen macht. Demnach würde durch den Wegfall jeglicher Religion unter den Menschen das reinste Chaos ausbrechen.

Die Wissenschaft ist da ganz anderer Ansicht. Vor einigen Jahren haben Verhaltensbiologen beobachtet, dass Vampirfledermäuse ihre Nahrung – das Blut von Rindern – mit ihren hungrigen Artgenossen teilen, indem sie es wieder hervorwürgen. Interessanterweise teilen sie aber nur mit denen, die ihnen vorher ebenfalls etwas abgegeben haben. Diejenigen Tiere, die fair teilen, verhungern nicht. Die unfairen dagegen bleiben blutleer auf der Strecke. Da man nicht davon ausgehen kann, dass die kleinen Blutsauger irgendeiner Art von Religion angehören, bleibt nur eine einzige Schlussfolgerung: Fairness und Moral sind eindeutig biologisch und ganz und gar nicht religiös angelegt.

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Serdar Somuncu: „Erdogan tut alles dafür, im Knast zu landen“

Harte Witze für harte Zeiten: Serdar Somuncu, fotografiert in Köln © Christoph Voy
Der Kabarettist Serdar Somuncu testet aus, wo Schluss ist mit lustig. Das kann schmerzen – sein Publikum und auch ihn. Ein Gespräch über wütende Türken, seine Obdachlosigkeit und Hitler als Karriereförderer.

Von Stephan Maus, Hannes Roß | stern.de

Herr Somuncu, erklären Sie uns Recep Tayyip Erdoğan.

Beginnen wir mit einer Allegorie. Ich mähe gleich Rasen.

Elektrischer Sitzrasenmäher?

Nein, Benzin-Motor. Es muss laut sein und stinken.

Öl, Benzin, Krach: Das muss das proletarische Erbe des Gastarbeiterkindes sein. 

Ich liebe Rasenmähen. Bin ich da nicht urdeutsch? Mein größter Feind ist der Maulwurf. Der Maulwurf symbolisiert Erdoğan. Er gräbt sich von unten in den deutschen Rasen. Der Rasen ist die Demokratie. Die gewachsene Demokratie. Und er baut sich so einen Gang unter dem Rasen. Zwischendurch kommt er raus, weil er keine Luft mehr bekommt. Ist aber so ein Schisser, dass er sich sofort wieder versteckt.

Ist Erdoğan verrückter Diktator oder kluger Stratege?

Erdoğan denkt nicht, dass er Diktator ist. Er denkt, er kämpft gegen eine unsichtbare Staatsmacht. Er ist Revolutionär. Er denkt, er sei gerade aus dem Knast rausgekommen und müsste verhindern, wieder reinzukommen. Aber er tut letztendlich alles dafür, dass er irgendwann wieder dort landet. Auch Erdoğans Außenpolitik ist so. Er legt sich an mit Putin, er legt sich an mit den Amerikanern, er legt sich an mit Europa. Und in dem Moment, da er merkt, dass er zu weit gegangen ist, zieht er sich zurück und wartet ab.

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Warum Erdogans irre Spionage-Liste leider keine Überraschung ist

© Picture-Alliance Leider gehen ausländische Geheimdienste meistens geschickter vor als dieser Mann, der für ein Symbolfoto posiert.
Ausländische Spione observieren Cafés, Kindergärten und Oppositionelle. Das ist kriminell und wahnhaft – aber Alltag in Deutschland.

Von Peter Carstens | Frankfurter Allgemeine

Die türkische Liste mit Namen und Adressen angeblicher Terrorunterstützer und Gülen-Sympathisanten hat die Politik in Aufregung versetzt. Es hagelte Proteste und Beschwerden. Innenminister Thomas de Maizière drohte mit dem Gesetz, der Generalbundesanwalt leitete Ermittlungen ein. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius gab eine Pressekonferenz zu den Geheimpapieren. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir beklagte mangelnden Schutz hier lebender Türken vor der Geheimarmee Erdogans. Justizminister Maas stellte klar: „Spionage ist strafbar, dem werden wir nicht tatenlos zusehen.“

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Jesuit Zollner: Kirchliche Missbrauchsprozesse dauern zu lang

Leiter des Kinderschutzzentrums an der Universität Gregoriana: Vatikan braucht mehr geschultes Personal für sachgerechte Beantwortung von Briefen an Missbrauchsopfer

kath.net

Der Kinderschutzexperte P. Hans Zollner SJ hat sich für eine schnellere Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche ausgesprochen. „Der ganze Prozessweg dauert für alle viel zu lange“, sagte der Jesuit „Kathpress“ gegenüber am Mittwoch in Rom. Teilweise zögen sich Verfahren über mehr als fünf Jahre hin. Zudem forderte Zollner, dass vatikanische Behörden Missbrauchsopfern zügig und persönlich antworteten. Zollner ist Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission und Leiter des Kinderschutzzentrums an der Universität Gregoriana.

Die päpstliche Kinderschutzkommission hatte die Einrichtung einer zentralen Stelle im Vatikan oder bei verschiedenen Behörden zur Beantwortung von Briefen vorgeschlagen. Dies solle dem Papst zeitnah präsentiert werden, so Zollner. Er gehe davon aus, dass gemessen an vatikanischen Verhältnissen rasch etwas geschehen werde.

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Was die Monsanto-Mails verraten

Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
  • Der US-Prozess gegen den Glyphosat-Hersteller Monsanto wird international mit großem Interesse verfolgt: Im Verfahren werden brisante firmeninterne E-Mails publik.
  • Möglicherweise zeigen die Dokumente, wie der Konzern die wissenschaftliche Einschätzung des Unkrautvernichtungsmittels beeinflusste.
  • Monsanto erklärt, die E-Mails seien aus dem Zusammenhang gerissen, um ein falsches Bild zu zeichnen.

Von Silvia Liebrich | Süddeutsche.de

Darf der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat in Europa weiterhin eingesetzt werden? Darüber müssen die EU-Länder in den nächsten Monaten entscheiden. Viele Landwirte wollen das Mittel nutzen, kein anderes Pestizid wird weltweit so häufig eingesetzt. Behörden in Europa, den USA, Japan und Kanada halten den Wirkstoff für relativ sicher.

Doch nun wirft ein Zivilprozess in den Vereinigten Staaten neue Fragen über die Sicherheit von Glyphosat und das daraus hergestellte Produkt Roundup auf. Der amerikanische Konzern Monsanto, der das Mittel in den Siebzigerjahren auf den Markt brachte, muss sie beantworten. Es steht der Vorwurf im Raum, die Firma habe mögliche Risiken verschwiegen und heimlich Einfluss auf Behörden, Forscher und Studien genommen. Monsanto weist dies alles zurück. Die Süddeutsche Zeitung erklärt, welche Bedeutung das Verfahren hat, worum es geht und was in den Dokumenten steht, die ein US-Gericht Mitte März veröffentlicht hat:

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Warum die Schmähgedicht-Aufregung vermeidbar gewesen wäre

Screenshot: youtube
Majestätsbeleidigung? Mit dem Fall Böhmermann begann das Ende der guten deutsch-türkischen Beziehungen. Dabei hätte die Affäre vermieden werden können.

Von Jost Müller-Neuhof | DER TAGESSPIEGEL

Der Anfang vom Ende der guten Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei lässt sich recht genau datieren, es ist der 31. März des vergangenen Jahres. Der Fernsehunterhalter und Satiriker Jan Böhmermann geht am späten Abend mit seinem „Neo Magazin Royale“ auf Sendung. Rund 370 000 Zuschauer schalten ein. Böhmermann trägt seine „Schmähkritik“ vor, ein satirisches Arrangement, das in Spottversen gipfelt: „Sackdoof, feige und verklemmt ist Erdogan, der Präsident …“

Danach ist nichts mehr, wie es war im deutsch-türkischen Verhältnis. Angela Merkel rügt den Auftritt als „bewusst verletzend“ und liefert den Künstler damit internationalen Proteststürmen aus. Ein Fehler, sagt sie später, um darauf den nächsten zu begehen. Dessen Folgen noch schwerer wiegen. Aber den sie bis heute verteidigt.

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Gefesseltes Genie – Stephen Hawking

Rüdiger Vaas
Einfach Hawking!
Verlag: Kosmos, Stuttgart 2016
ISBN: 9783440156247
14,99 €

Hätte Stephen Hawking einen Wunsch frei, dann würde er wahrscheinlich an den Rand des Universums fliegen, um zu sehen, wie es dahinter weitergeht. Hawking, der wohl berühmteste lebende Physiker, genialer Geist und gefangen in einem reglosen Körper, gibt nicht auf, die gewaltige Natur des Universums zu ergründen und die Grenzen der Erkenntnis zu sprengen.

Von Thorsten Naeser | Spektrum.de

Wenig ist ihm geblieben, um mit seiner Außenwelt zu kommunizieren. Seit 1963 an amyotropher Lateralsklerose erkrankt, ist er an den Rollstuhl gefesselt und kann maximal noch zwei bis drei Worte pro Minute mit Hilfe eines Sprachcomputers artikulieren, den er über die Augen steuert. Trotzdem hat er viele populärwissenschaftliche Bücher verfasst, sein wohl berühmtestes „Eine kurze Geschichte der Zeit“ wurde millionenfach verkauft.

Wissenschaftsjournalist und Buchautor Rüdiger Vaas widmet sein neues Werk dem genialen Physiker. Darin erklärt er die Grundlagen der Kosmologie, beschreibt die Entstehung des Universums, erläutert das Konzept der Schwarzen Löcher und das Phänomen Zeit. Immer wieder geht Vaas darauf ein, welche Überlegungen sich Hawking dazu gemacht hat, wo er geniale Einfälle hatte – und wo er irrte.

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Politisch korrekte Weltkarten an Schulen sollen verzerrtes Weltbild glätten

Peters-Projektion: Eine gerechte Weltkarte, die eine von universellem Humanismus geprägte Ära einläutet – oder ein Zerrbild, das Betroffenheit vermarktet? Bild: Strebe/CC BY-SA-3.0
US-Schulen wollen den Lehrplan entkolonialisieren – und fangen bei der Mercator-Projektion an

Von Bernd Schröder | TELEPOLIS

Im Bostoner Schuldistrikt werden seit März 2017 Weltkarten ersetzt, die mithilfe der Mercator-Projektion erstellt wurden – durch Karten, denen die Gall-Peters-Projektion zugrunde liegt. Die soll nun zum neuen Standard werden.

Begründung: Die Mercator-Projektion verzerrt die relativen Größen und Positionen der Kontinente, wodurch Europa und Nordamerika zu absurden Größen anschwellen und gleichzeitig Südamerika und Afrika schrumpften. Entwicklungsländer würden so abgewertet, während die entwickelten Nationen in ihrer Bedeutung übermässig betont würden. Peters-Projektion: Eine gerechte Weltkarte, die eine von universellem Humanismus geprägte Ära einläutet – oder ein Zerrbild, das Betroffenheit vermarktet?

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Und das nun Mercator ankreiden zu wollen, schießt wenigstens etwas über das Ziel hinaus. Denn seine Projektion diente vorrangig der Navigation. Ihr großer Vorteil: Auf den Karten ließen sich erstmals Routen mit festem Kompasskurs als Geraden eintragen.

Seit Jahrhunderten hatten sich Mathematiker bemüht, Punkte auf einer gekrümmten Kugeloberfläche auf eine nichtgekrümmte Ebene zu übertragen, und zwar so, dass Entfernungen und Richtungen von den so entstehenden Karten abgelesen werden konnten und dabei gleichzeitig die Flächenverhältnisse gewahrt blieben.

Erst 1827 zeigte Carl Friedrich Gauß, dass es prinzipiell unmöglich ist, Karten der Erdoberfläche zu erstellen, die gleichzeitig längen-, flächen- und winkeltreu sind. Es gilt: der Zweck der Karte bestimmt die Wahl der Projektion, die, wie auch geartet, immer ein Kompromiss sein wird.

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Wird die Atombombe verboten?


Ab Montag wollen 123 Staaten der Vereinten Nationen in New York über das Verbot von Atomwaffen verhandeln. Foto: picture alliance/Pacific Press Agency
Ja, sagen 123 Staaten der vereinten Nationen. Nein, sagen die Atommächte und ihre Verbündeten in der Nato – darunter auch Deutschland. Am Montag sollen die UN-Verhandlungen in New York beginnen. Auch wenn die eigentlichen Verantwortlichen für die nukleare Aufrüstung daran nicht teilnehmen, könnte das Ergebnis sie zwingen, ihre Strategie zu überdenken.

Von Julia Huber | greenpeace magazin

Es kann einem bange werden, wenn man sich ansieht, welches Duo derzeit an den Hebeln der größten Atomwaffenarsenale der Erde sitzt: US-Präsident Donald Trump und Kreml-Chef Wladimir Putin haben sich bereits Ende Dezember einen hitzigen Schlagabtausch über nukleare Waffen geliefert. „Wir müssen die strategischen Atomwaffen stärken“, sagte Putin damals vor seinen Militärs. Trump reagierte prompt per Twitter: „Die USA müssen ihre nuklearen Fähigkeiten erheblich verstärken und ausbauen, bis die Welt in Sachen Atomwaffen zur Vernunft kommt.“

Dass die Welt in Sachen Kernwaffen zur Vernunft kommt, wollen auch 123 Staaten der Vereinten Nationen erreichen – allerdings mit einer weniger paradoxen Strategie als Trump. Die UN-Mitglieder treffen sich ab kommenden Montag in New York, um darüber zu verhandeln, wie Atomraketen und -bomben geächtet werden können.

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Hyam Maccoby und seine Antisemitismus-Kritik

Bild: Jüdische Rundschau

In den USA und Großbritannien ist Hyam Maccoby (1924-2004) vor allem durch sein Theaterstück „The Disputation“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Hier geht es um eines der im Mittelalter öffentlich ausgetragenen Streitgespräche zwischen einem Rabbi und einem katholischen Geistlichen mit dem Zweck, die jüdische Bevölkerung zur Konversion zum Christentum zu bewegen.

Von Peter Gorenflos unter Mitwirkung von Emanuel Rund | Jüdische Rundschau

In der historisch belegten Disputation von 1263 in Barcelona zwischen Rabbi Moses ben Nachman und dem katholischen Priester Pablo Christiani unter der liberalen Regentschaft des Königs Jakob von Aragon, hatte der Priester keine Chance gegen die logisch stringente Argumentation des Rabbis. Die Dominikaner verbreiteten daraufhin eine Verdrehung des wahren Ablaufes und zwangen Moses ben Nachman damit zur Gegendarstellung. Trotz gegenteiliger Versprechungen musste er daraufhin auf Druck des Papstes ins Exil. Andere, ähnliche Disputationen endeten oft mit einem Blutbad an der jüdischen Bevölkerung und der öffentlichen Verbrennung des Talmuds. Die Inquisition stand in ihren Startlöchern, gestützt vom Papst, der in Europa bald erheblich an politischem Einfluss gewinnen sollte.

Das Theaterstück war unter der Leitung von Bob Kalfin und mit dem bekannten Theodore Bikel als Rabbi ein großer Erfolg und wurde von der BBC mit dem berühmten Christopher Lee als König Jakob sogar verfilmt.
Nur auf dem überwiegend katholischen, europäischen Festland, dem „continent“, ist der Altertumsgelehrte, Talmud-Philologe und ehemalige Bibliothekar des Leo Baeck College in London, Hyam Maccoby, fast unbekannt. Zuletzt hatte er einen Lehrstuhl für Judaistik an der Universität in Leeds inne.

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Aiman Mazyek neuer Sprecher des Koordinationrats der Muslime

Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD), Aiman Mazyek, vertritt den Koordinationsrat der Muslime in Deutschland in den kommenden sechs Monaten in der Öffentlichkeit.

evangelisch.de

Als Sprecher des Dachverbands löste er am Samstag turnusgemäß den Dialogbeauftragten des Verbands der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), Erol Pürlü, ab. Im Koordinationsrat der Muslime sind seit 2007 die vier größten deutschen Moscheeverbände zusammengeschlossen.

Neben dem Zentralrat und dem VIKZ sind dies die eng mit dem türkischen Staat verbundene Türkisch-Islamische Union (Ditib) und der Islamrat. Die Verbände mit Sitz in Köln stellen reihum jeweils für ein halbes Jahr den Sprecher.

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Türken werben in Berlin für ein Nein zum Präsidialsystem

Bild: Timuçin, Twitter
Gegner des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan haben mit einer friedlichen Aktion am Brandenburger Tor in Berlin für ein Nein zur geplanten Verfassungsänderung in der Türkei geworben.

Frankfurter Rundschau

Mehrere Dutzend Menschen, die einem Aufruf der Initiative „Bewegung Berlin“ gefolgt waren, hielten Sonnenschirme mit einem Nein in die Höhe. Auf einem Transparent war auf Deutsch und Türkisch zu lesen: „Nein zur Diktatur in der Türkei“. In Deutschland lebende türkische Staatsbürger können seit vergangenem Montag über das Referendum zur Einführung eines Präsidialsystems abstimmen.

Völkermord-Klage der Herero: „Für Deutschland ein Desaster“

Prof. Dr. Jürgen Zimmerer, Bild: Universität Hamburg

Eine Völkermord-Klage der Herero-Gruppe aus Namibia könnte eine Prozessflut gegen Deutschland auslösen. Kolonialismusforscher Jürgen Zimmerer wirft der Bundesregierung vor, schlecht verhandelt zu haben.

Interview von Christoph Titz | SpON

Vor einem New Yorker Bezirksgericht läuft seit Mitte März ein besonderes Verfahren: Der Herero-Führer Vekuii Rukoro verklagt Deutschland wegen des Völkermords an seinen Vorfahren im heutigen Namibia. Im Jahr 1904 hatten deutsche Schutztruppen in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika den Widerstand der Herero blutig niedergeschlagen. Die Soldaten trieben Tausende Angehörige des Volkes in die Wüste Omahek, wo sie verdursteten.

Beobachter des New Yorker Verfahrens hatten damit gerechnet, dass sich das Gericht für nicht zuständig erklären würde. Doch Bundesrichterin Laura Taylor Swain überraschte: Sie bemängelte, dass kein Vertreter der Bundesrepublik Deutschland anwesend war und setzte einen neuen Gerichtstermin für Juli an.

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Künftig mehr Feiertage für Norddeutschland?

Die Bremer SPD-Initiative für einen zusätzlichen arbeitsfreien Feiertag findet in der eigenen Partei kaum Nachahmer. Das ergab eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) bei den Landesverbänden. Ähnliche Pläne signalisierte nur die SPD Niedersachsen, in Berlin und Schleswig-Holstein gibt es bereits vergleichbare Initiativen. Die Bundes-SPD verwies darauf, dass zusätzliche Feiertage Ländersache seien.

evangelisch.de

Am vergangenen Wochenende hatte sich die Landes-SPD in Bremen für einen zusätzlichen arbeitsfreien Feiertag ausgesprochen. Als mögliche Tage werden in dem Beschluss des Landesparteitags der Reformationstag am 31. Oktober, der 8. Mai als Tag der Befreiung von der NS-Diktatur und der Internationale Frauentag am 8. März genannt. Der Feiertag „sollte möglichst breit gesellschaftlich getragen sein“, heißt es darin.

Die Regierungsparteien SPD und Grüne in Niedersachsen zeigten sich grundsätzlich offen für die Einführung eines neuen gesetzlichen Feiertags im Land. „Am liebsten würden wir uns in eine norddeutsche Phalanx einreihen“, sagte SPD-Landesgeschäftsführer Georg Brockmeyer dem epd: „Damit es einen Ausgleich gegenüber den südlichen Bundesländern gibt.“

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Jüdischer Junge verlässt Schule nach Antisemitismus-Vorfällen

Bild: bb
Weil ihn Mitschüler bedrohen und rassistisch beschimpfen, nehmen die Eltern ihren 14-jährigen Sohn von der Schule. Das sorgt im Ausland für Aufsehen, nun wendet sich die Schulleitung an die Öffentlichkeit.

DIE WELT

In einem offenen Brief hat sich die Leitung der Friedenauer Gemeinschaftsschule in Berlin entsetzt über einen antisemitischen Vorfall an ihrer Schule gezeigt. Ein 14-jähriger jüdischer Mitschüler hat die Gesamtschule Friedenau verlassen, nachdem ihn Mitschüler wegen seiner Religionszugehörigkeit mehrfach beleidigt und schließlich angegriffen haben sollen.

„Wir verlieren hier einen besonders engagierten und leistungsorientierten Schüler, der sich mit Freude für unsere Schule entschieden hat und diese als Chance für sich selbst und seine Entwicklung sah“, heißt es in dem Brief weiter.

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Dobrindt wirft Österreich „Maut-Schizophrenie“ vor

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) – APA/dpa/Kay Nietfeld
Er habe „nullkommanull Verständnis“ dafür, dass Österreich selbst Maut kassiere, aber in Deutschland nicht zur Infrastrukturfinanzierung beitragen wolle, sagt der deutsche Verkehrsminister.

Die Presse.com

Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat verärgert auf die Ankündigung Österreichs reagiert, gegen die deutsche Pkw-Maut zu klagen. „Es scheint sich bei den Österreichern um einen schweren Fall von Maut-Schizophrenie zu handeln“, sagte Dobrindt dem „Münchner Merkur“ vom Samstag.

Er habe „nullkommanull Verständnis“ dafür, dass Österreich selbst Maut kassiere, aber in Deutschland nicht zur Infrastrukturfinanzierung beitragen wolle. Die seit Jahren umstrittene Pkw-Maut hatte am Freitag im deutschen Bundesrat die letzte Hürde genommen.

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New Research Says Dark Energy Doesn’t Need to Exist

LIGO/Aurore Simonnet/Sonoma State University
On Thursday, a team of researchers from Hungary’s Eötvös Loránd University published research in which they claim that dark energy—the elusive substance thought to make up about two-thirds of the universe—may not exist at all.

By Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

In 1925, the astronomer Edward Hubble fundamentally changed our understanding of the cosmos when he proved that the universe is expanding. By the 1990s, astrophysicists were „fairly certain“ that the expansion of the universe would have to slow as time went on and gravity worked its magic on matter. But then in 1998, observations of ten supernovae provided strong evidence that the universe was not only expanding, but it was accelerating.

This discovery flipped cosmology on its head and physicists rushed to try to explain what was being observed, which went against all intuition. Dark energy was put forth as a way to explain this entirely unexpected acceleration, and based on recent data from the Planck telescope, it’s estimated to account for roughly 68 percent of the mass of the universe.

„We have quite a bit of information that indicates that dark energy is there and about how it behaves,“ Sean Carroll, a cosmologist at Caltech, told me. „The question is why is there the amount of dark energy we see? From the point of view of fundamental physics, that’s a big mystery.“

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