Hyam Maccoby und seine Antisemitismus-Kritik


Bild: Jüdische Rundschau

In den USA und Großbritannien ist Hyam Maccoby (1924-2004) vor allem durch sein Theaterstück „The Disputation“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Hier geht es um eines der im Mittelalter öffentlich ausgetragenen Streitgespräche zwischen einem Rabbi und einem katholischen Geistlichen mit dem Zweck, die jüdische Bevölkerung zur Konversion zum Christentum zu bewegen.

Von Peter Gorenflos unter Mitwirkung von Emanuel Rund | Jüdische Rundschau

In der historisch belegten Disputation von 1263 in Barcelona zwischen Rabbi Moses ben Nachman und dem katholischen Priester Pablo Christiani unter der liberalen Regentschaft des Königs Jakob von Aragon, hatte der Priester keine Chance gegen die logisch stringente Argumentation des Rabbis. Die Dominikaner verbreiteten daraufhin eine Verdrehung des wahren Ablaufes und zwangen Moses ben Nachman damit zur Gegendarstellung. Trotz gegenteiliger Versprechungen musste er daraufhin auf Druck des Papstes ins Exil. Andere, ähnliche Disputationen endeten oft mit einem Blutbad an der jüdischen Bevölkerung und der öffentlichen Verbrennung des Talmuds. Die Inquisition stand in ihren Startlöchern, gestützt vom Papst, der in Europa bald erheblich an politischem Einfluss gewinnen sollte.

Das Theaterstück war unter der Leitung von Bob Kalfin und mit dem bekannten Theodore Bikel als Rabbi ein großer Erfolg und wurde von der BBC mit dem berühmten Christopher Lee als König Jakob sogar verfilmt.
Nur auf dem überwiegend katholischen, europäischen Festland, dem „continent“, ist der Altertumsgelehrte, Talmud-Philologe und ehemalige Bibliothekar des Leo Baeck College in London, Hyam Maccoby, fast unbekannt. Zuletzt hatte er einen Lehrstuhl für Judaistik an der Universität in Leeds inne.

weiterlesen