Politisch korrekte Weltkarten an Schulen sollen verzerrtes Weltbild glätten


Peters-Projektion: Eine gerechte Weltkarte, die eine von universellem Humanismus geprägte Ära einläutet – oder ein Zerrbild, das Betroffenheit vermarktet? Bild: Strebe/CC BY-SA-3.0
US-Schulen wollen den Lehrplan entkolonialisieren – und fangen bei der Mercator-Projektion an

Von Bernd Schröder | TELEPOLIS

Im Bostoner Schuldistrikt werden seit März 2017 Weltkarten ersetzt, die mithilfe der Mercator-Projektion erstellt wurden – durch Karten, denen die Gall-Peters-Projektion zugrunde liegt. Die soll nun zum neuen Standard werden.

Begründung: Die Mercator-Projektion verzerrt die relativen Größen und Positionen der Kontinente, wodurch Europa und Nordamerika zu absurden Größen anschwellen und gleichzeitig Südamerika und Afrika schrumpften. Entwicklungsländer würden so abgewertet, während die entwickelten Nationen in ihrer Bedeutung übermässig betont würden. Peters-Projektion: Eine gerechte Weltkarte, die eine von universellem Humanismus geprägte Ära einläutet – oder ein Zerrbild, das Betroffenheit vermarktet?

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Und das nun Mercator ankreiden zu wollen, schießt wenigstens etwas über das Ziel hinaus. Denn seine Projektion diente vorrangig der Navigation. Ihr großer Vorteil: Auf den Karten ließen sich erstmals Routen mit festem Kompasskurs als Geraden eintragen.

Seit Jahrhunderten hatten sich Mathematiker bemüht, Punkte auf einer gekrümmten Kugeloberfläche auf eine nichtgekrümmte Ebene zu übertragen, und zwar so, dass Entfernungen und Richtungen von den so entstehenden Karten abgelesen werden konnten und dabei gleichzeitig die Flächenverhältnisse gewahrt blieben.

Erst 1827 zeigte Carl Friedrich Gauß, dass es prinzipiell unmöglich ist, Karten der Erdoberfläche zu erstellen, die gleichzeitig längen-, flächen- und winkeltreu sind. Es gilt: der Zweck der Karte bestimmt die Wahl der Projektion, die, wie auch geartet, immer ein Kompromiss sein wird.

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