Harry Potter und Religion – Bei Merlins Bart

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20 Jahre Harry Potter: Zum Jubiläum setzte sich eine Studentenkonferenz an der Uni Bonn mit den Büchern um den Zauberlehrling auseinander. Dabei ging es auch um Religion – mit erstaunlichen Erkenntnissen.

Von Agathe Lukassek | katholisch.de

Es ist unbestreitbar, dass Joanne K. Rowlings Fantasy-Buchreihe Harry Potter die Welt verändert hat – vor allem den jüngeren Teil der Welt. Das zeigte sich am Dienstag und Mittwoch an der Universität Bonn: Trotz vorlesungsfreier Zeit und Vorträgen auf Englisch war der Festsaal der Uni von morgens bis am späten Nachmittag gefüllt. Auf den Stühlen und auf dem Boden saßen die Studierenden und Fans der Zauberwelt, die zur Studentenkonferenz „Happy Birthday, Harry“ anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des ersten Bands in die Bundesstadt gekommen waren. Teilweise trugen sie Umhänge, Pullover oder T-Shirts aus dem Fan-Shop – in den Farben der einzelnen Häuser der Zaubereischule Hogwarts.

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Kinderrechtler wollen Beschneidungs-Verbot

Die Organisation Pro Kinderrechte fordert das Verbot der Beschneidung von Knaben. Es sei eine Verletzung des Rechts des Kind auf Unversehrtheit. Man schneide ein gesundes Körperteil ohne Zustimmung der Person ab. Bild: epa/Vassil Donev
Die Organisation Pro Kinderrechte fordert das Verbot der Beschneidung von Knaben. Muslime und Juden wehren sich.

20min.ch

n der jüdischen und islamischen Religion ist die Beschneidung Tradition und eine weit verbreitete religiöse Praxis – auch in der Schweiz. Das bedeutet, dass die Vorhaut des Penis bei Knaben entfernt wird. Nun aber fordert die Organisation Pro Kinderrechte das Verbot der Beschneidung. «Die Beschneidung des Genitals ist nicht, wie manchmal behauptet, eine Bagatelle», schreibt die Organisation in ihrer Broschüre. «Eine Beschneidung ist ein irreversibler Eingriff mit langfristigen Nachteilen, besonders im urologischen, psychologischen und sexuellen Bereich.» Sie schätzt, dass in der Schweiz knapp 6000 Knaben im Jahr beschnitten werden, meist aus religiösen Gründen.

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Staat und Religion: Neutralität bleibt bei Glaube Pflicht

Streit um staatliche Neutralität: Müssen muslimische Lehrerinnen das Kopftuch wirklich ablegen? Foto: dpa
Berlin hat in seinem „Neutralitätsgesetz“ die Trennung von Staat und Religion klar geregelt. Nur bei der Umsetzung hakt es bisweilen – Grund genug, das Gesetz zu ändern? Die Kolumne.

Von Klaus Staeck | Frankfurter Rundschau

Das „Gesetz zu Artikel 29 der Verfassung von Berlin vom 27. Januar 2005“ – genannt Neutralitätsgesetz – hat nur sechs Paragrafen. Schon in der Präambel ist der Regelungsbedarf präzise beschrieben: „Alle Beschäftigten genießen Glaubens- und Gewissensfreiheit und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses“. Nach dem Diskriminierungsverbot folgt die Feststellung, dass das Land Berlin „zu weltanschaulich-religiöser Neutralität verpflichtet“ ist und sich die Landesbeschäftigten „in den Bereichen, in denen die Bürgerin oder der Bürger in besonderer Weise dem staatlichen Einfluss unterworfen sind, in ihrem religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis zurückhalten“.

Diese allgemeinen Betrachtungen werden für Beamte und Beamtinnen in Justiz und Polizei sowie Lehrer an öffentlichen Schulen präzisiert. In Anbetracht der Tatsache, dass die Bundesrepublik gemäß ihrem Selbstverständnis kein laizistischer Staat ist, sondern sich zu religiöser und weltanschaulicher Neutralität verpflichtet fühlt, lässt das Berliner Gesetz an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Dass es dennoch in Frage gestellt wird, scheint einem gewissen Zeitgeist und der neuesten Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts geschuldet zu sein. Dabei geht es nicht um die Kruzifixe im Klassenzimmer. Gegenstand der Auseinandersetzung ist die leidige Kopftuchdebatte.

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Vom Glauben der Ungläubigen

Eine Gläubige in Colombo wartet auf Papst Franziskus bei dessen Besuch in Sri Lanka. (Bild: Alessandra Tarantino / AP)
Die Kirchen schrumpfen, die Zahl der Nicht-Religiösen wächst, die Atheisten organisieren sich. Und doch geht das Gespenst des Christentums um. Oder war es gar nie weg?

Von Urs Hafner | Neue Zürcher Zeitung

An Weihnachten jubiliert der Christ und leidet der Atheist. Auf Schritt und Tritt stösst er auf den Gottessohn in der Krippe. Ostern sind besser: Da geht auch die Atheistin Eier suchen, isst Schokoladenhasen und freut sich an Fruchtbarkeit und Frühlingserwachen. Das heidnische Kirchenfest bietet allen einen spirituellen Mehrwert. Und der Atheist bemerkt einmal mehr, dass auch die Christin die komplexe Bibelgeschichte nicht kapiert, die in die pfingstliche «Ausgiessung des Heiligen Geistes» mündet.

Ist die westliche Kultur noch christlich geprägt oder nicht mehr, steuern wir auf einen gottlosen Zustand zu? Dies vermutet die sogenannte Säkularisierungstheorie der Religionssoziologie: Seit dem Mittelalter emanzipiere sich die Gesellschaft zunehmend von der Kontrolle durch die Kirchen und von der Religion. In der Tat ist die christliche Religion, die noch vor ein paar hundert Jahren die europäische Welt fast lückenlos umspannte und das Denken durchdrang, in der Moderne in einen Sonderbereich abgedrängt worden – neben den Bereichen Recht, Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft.

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NSU Abschlussbericht in NRW: Ausschuss kritisiert Rassismus bei Ermittlern

Die NSU Rechtsterroristen oder Zwickauer Zelle – Beate Z., Uwe B. und Uwe M. (v.l.n.r.)
Nach zwei Jahren Ermittlungen hat der nordrhein-westfälische NSU-Untersuchungsausschuss seinen Abschlussbericht vorgestellt. Darin wird eine Reformen im Sicherheitsapparat angemahnt sowie eine stärkere Bekämpfung des Rechtsextremismus.

MiGAZIN

Mit scharfer Kritik an der Arbeit der nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden hat der parlamentarische NSU-Untersuchungsausschuss am Donnerstag im Düsseldorfer Landtag seinen Abschlussbericht vorgestellt. Bei den Ermittlungen gegen die rechtsextreme Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) habe es „Fehleinschätzungen“, eine „Vielzahl von Unzulänglichkeiten“ sowie eine „unprofessionelle Zusammenarbeit“ gegeben, so die parteiübergreifende Bilanz der Ausschuss-Mitglieder.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren befasste sich der Ausschuss mit den Ermittlungen zu drei Gewaltverbrechen, die dem NSU zugerechnet werden. Dabei handelt es sich um den Bombenanschlag im Jahr 2001 in der Kölner Probsteigasse, den Nagelbombenanschlag im Jahr 2004 in der Kölner Keupstraße und den Mord an dem Dortmunder Kioskbesitzer Mehmet Kubasik im Jahr 2006. Der Bericht legt auf 1.150 Seiten dar, dass Hinweise auf rechtsextreme Täter weitgehend ignorierten wurden. Stattdessen seien die betroffenen Familien der Opfer kriminalisiert worden.

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Gender Studies sind mehr Ideologie als Wissenschaft

Foto: Ruhr-Universität Bochum
Die erste Ausgabe des amerikanischen Magazins „National Geographic“ anno domini 2017 handelt nicht von exotischen Tieren, Ländern oder Völkern, wie es der naturverbundene Leser dieses Magazins erwarten würde. Nein, diesmal geht es nicht um Natur, sondern um die Verabschiedung aus derselben, um, so wird von den Vertreterinnen der Genderstudies behauptet, lupenreine Kultur: nämlich Gender.

Von Axel Meyer | Richard-Dawkins-Foundation

US-Cover zeigt ein neunjähriges Transgender-Mädchen, das “Gender Revolution” symbolisieren soll. Gender? In National Geographic? Chefredakteurin Susan Goldberg schreibt, sie wolle zeigen, „wie Menschen sich auf dem inzwischen breiten Gender-Spektrum einordnen”. Ein Kontinuum von Geschlechtlichkeit? Wirklich?

Die Ansichten über das Geschlecht, also das kulturelle, eben Gender genannt (und zu unterscheiden vom biologischen Geschlecht, Sex genannt), verschieben sich zurzeit schnell und radikal. Es gibt den Genderstudies zufolge nicht nur zwei Geschlechter, es gibt viele. Sie werden mittlerweile in über 50 verschiedene Kategorien eingeteilt, so viele bietet Facebook zumindest seinen Usern zur Selbstbeschreibung an.

Das Thema ist genau darum so heiß, weil es eben um Selbstwahrnehmung, also ums Selbstverständnis, also um Identität geht, versus objektiven naturwissenschaftlichen Kriterien. Die Genderlehre stützt sich auf die Selbstzuschreibung von Menschen: Wirklich ist das, was der einzelne für wirklich erklärt. Darüber hinaus verfügt sie – so die Meinung vieler Biologen – über kaum eine wissenschaftliche Evidenz. Von einer Ideologie zu sprechen, scheint daher legitim. Wer ihre Prämissen in Frage stellt, muss sich vorwerfen lassen, er nehme die Selbstzuschreibung der Menschen und also die Menschen selbst nicht ernst. Nun, er (meist der „Chauvinist“) wird wahlweise des Sexismus, des Rassismus oder der Ignoranz bezichtigt.

Der Genderismus wird seit zwanzig Jahren immer extensiver an westlichen Universitäten gelehrt, dem vermeintlichen Zentrum freien Denkens und Forschens. Der Anspruch ist ein offen normativer, sprich: die Eliten sollen den Gender-Diskurs verinnerlichen und so andere durch ihren Sprachgebrauch bekehren. Spätestens wenn alle Menschen genderlike reden, hat sich die Triftigkeit der Gender-Studies erwiesen: M2F, Polygender, Tman, Twoman, Two*person, Two-split person. Verstehen wir den Menschen wirklich besser, wenn wir ihm mehr als zwei Geschlechter zuordnen?

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33 humanistische Thesen

Frieder Otto Wolf, Präsident des HVD. Bild: FB
Die Kirchen feiern groß das Reformationsjubiläum. Doch die Zahl der Christen wird in Deutschland immer kleiner. Da stimmt etwas nicht, findet der Humanistische Verband.

domradio.de

Einen Hammer braucht Frieder Otto Wolf nicht, um seine Thesen publik zu machen. Vor dem Berliner Abgeordnetenhaus entrollt der Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschland ein Plakat, gemeinsam mit Präsidiumsmitglied Ines Scheibe hält er es an die Wand des Landesparlaments, direkt unter das Schild mit dem Wappenbär. „#Reformation 2017“ steht oben auf dem Plakat und darunter „33 Thesen gegen die Benachteiligung konfessionsfreier Menschen in Deutschland“.

Mit einem Hammer soll der Reformator Martin Luther der Überlieferung nach 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg genagelt haben. Die im Humanistischen Verband organisierten Atheisten und Agnostiker nutzen 500 Jahre später lieber das Internet, um zum Reformationsjubiläum auf sich aufmerksam zu machen. Seit Jahresbeginn haben sie in rund einem Dutzend deutscher Städte ihre „33 Thesen“ öffentlich präsentiert, die Fotos davon stellen sie anschließend ins Netz.

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Der Staat muss gegen Spitzel-Imame durchgreifen

Moschee im Bezirk Neukölln in Berlin: Gegen 20 Ditib-Imane laufen derzeit Ermittlungsverfahren. Foto: imago
20 Ermittlungsverfahren laufen gegen Imame der Organisation Ditib in Deutschland. Doch die Ermittlungen verlaufen schleppend. Das muss sich ändern. Ein Kommentar.

Von Markus Decker | Frankfurter Rundschau

Die Zahl ist nicht mehr überraschend. Und doch ist sie wichtig. Wenn es 20 Ermittlungsverfahren gegen Ditib-Imame wegen mutmaßlicher Bespitzelung mutmaßlicher Oppositioneller gibt, dann bedeutet dies, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern eine Systematik vorliegt.

Nicht die Imame sind das Problem. Das Problem ist die dahinter stehende Organisation und ihre Steuerung durch die türkische Religionsbehörde Diyanet – und damit letztlich das Regime von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Sie mochte noch angehen, als am Bosporus demokratische Verhältnisse herrschten. In dem Moment, in dem Ditib zum Instrument einer Diktatur wird, ist der Rubikon überschritten.

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Gotteswahn: Landesbischof Meister gegen Fußball-Derbys an Ostertagen

Jeder ein Kreuz. Screenshot: Youtube
Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat die geplanten Fußballspiele der ersten und zweiten Bundesliga an den Ostertagen kritisiert. „Auch wenn das seit langem schon üblich ist und bei aller Sympathie für spannenden Fußball: Ich finde ich es irritierend, dass am Karsamstag und am Ostersonntag, dem höchsten christlichen Feiertag, Fußballspiele stattfinden“, sagte der evangelische Theologe am Donnerstag in Hannover.

evangelisch.de

Meister nahm vor allem den großen Polizeieinsatz zur Absicherung der Spiele mit großen Sicherheitsrisiko in den Blick. „Durch meine Gespräche mit der Polizei weiß ich von den hohen Belastungen der niedersächsischen Polizistinnen und Polizisten und finde es deshalb völlig unverständlich, dass sie an diesem zentralen christlichen Feiertag für ein Fußballspiel Dienst tun müssen.“

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Vorwürfe gegen Piusbruderschaft: Vertuschung von Missbrauch

Drei Priester und ein ehemaliger Seminarist sollen über Jahre hinweg Jugendliche sexuell missbraucht haben. Zwei der drei Priester haben die Piusbruderschaft mittlerweile verlassen.

kath.net

Das schwedische Fernsehen erhebt schwere Vorwürfe gegenüber der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX). Die Gemeinschaft habe Fälle sexuellen Missbrauchs von vier Klerikern vertuscht, behauptet eine Dokumentation der Sendung „Uppdrag Granskning“.

Die drei Priester und ein früherer Seminarist sollen mindestens zwölf Jugendliche in verschiedenen Ländern sexuell missbraucht haben. Die Fälle reichen bis in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Die Piusbruderschaft habe Beweise gegen die vier für sich behalten und den Priestern gestattet, weiterhin in der Seelsorge tätig zu sein, berichtet der Sender.

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Trumps Erklärung für den US-Luftschlag in Syrien im Wortlaut

Image: NBCNews/YouTube
Als Reaktion auf einen Giftgasangriff in Syrien schießt das US-Militär Raketen auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt. Von seinem Privatdomizil aus erklärte Trump, warum er sich zu diesem Schritt entschloss.

DIE WELT

US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstagabend einen Luftangriff auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat angeordnet. In einer kurzen Ansprache in seinem Privatklub Mar-a-Lago in Florida wandte er sich an die US-Bürger. Der Wortlaut der Rede:

„Meine lieben amerikanischen Mitbürger: Am Dienstag hat der syrische Diktator Baschar al-Assad einen schrecklichen Chemiewaffenangriff auf unschuldige Zivilisten verübt.

Indem er ein tödliches Nervengas verwendete, hat Assad das Leben hilfloser Männer, Frauen und Kinder ausgelöscht. Es war ein langsamer und brutaler Tod für so viele. Sogar wunderschöne Babys wurden brutal ermordet bei dieser sehr barbarischen Attacke. Kein Kind Gottes sollte jemals so einen Horror erleben.

Heute Abend habe ich einen Militärangriff auf den Luftwaffenstützpunkt in Syrien angeordnet, von dem aus der Chemiewaffenangriff gestartet wurde. Es liegt im grundlegenden nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten, die Verbreitung und Verwendung von Chemiewaffen zu verhindern.

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NSU-Mord: Modernste Methoden werfen neue Fragen auf

Auch den Klang einer Pistole, wie sie bei dem NSU-Mordfall verwendet wurde, haben die Forscher untersucht. (Foto: Forensic Architecture)
Die Forschergruppe Forensic Architecture aus London kommt bei ihrem jüngsten Projekt zu dem Schluss: Der frühere Verfassungsschützer Andreas Temme muss den NSU-Mord 2006 in Kassel wohl mitbekommen haben.

Von Jörg Häntzschel | Süddeutsche.de

Der Gerichtsprozess um die Taten, die allen Erkenntnissen nach der Gruppe um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe zuzuschreiben sind, neigt sich vor dem Oberlandesgericht München dem Ende zu. Bei dem merkwürdigen Umständen rund um den Mord an Halit Yozgat 2006 in einem Internetcafé in Kassel bissen sich jedoch alle die Zähne aus: die Ermittler, das Münchner Oberlandesgericht und die Politiker in den diversen Untersuchungsausschüssen. Denn am Tatort war offenbar ein Verfassungsschützer, der den Mord mit großer Wahrscheinlichkeit miterlebt hat.

Andreas Temme, der Mann vom Verfassungsschutz, saß – davon geht das Gericht aus – im Hinterzimmer des Kasseler Internetcafés, als im Eingangsraum der 21-jährige Halit Yozgat erschossen wurde. Doch Temme behauptet, er habe davon nichts mitbekommen. Er habe die zwei Schüsse nicht gehört; nicht das Opfer gesehen, das hinter dem Tresen lag; und auch den Pulvergeruch will er nicht wahrgenommen haben. Das Gericht hat ihn öfter vernommen als alle anderen Zeugen, am Ende hat man ihm geglaubt.

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Europäische Justiz weist Klagen gegen Kirchensteuer zurück

Bild: tilly
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat mehrere Klagen gegen die Kirchensteuer in Deutschland abgewiesen.

evangelisch.de

Die Religionsfreiheit sei zwar eingeschränkt, aber nicht verletzt worden, urteilte der Gerichtshof im Fall eines konfessionslosen Mannes, der wegen der Kirchenzugehörigkeit seiner Frau eine höhere Steuerschuld hatte. Mehrere weitere Klagen erklärte das Gericht für unzulässig und argumentierte dabei, dass die Betroffenen aus der Kirche austreten könnten. Das Urteil kann in den kommenden drei Monaten noch angefochten werden. (AZ: 10138/11, 16687/11, 25359/11 und 28919/11.)

In dem Verfahren ging es um vier Paare aus Deutschland, von denen jeweils nur ein Partner der katholischen oder evangelischen Kirche angehörte und damit grundsätzlich kirchensteuerpflichtig war. Weil der kirchenangehörige Partner in drei Fällen nichts oder nur wenig verdiente, wurde von ihm das sogenannte besondere Kirchgeld erhoben.

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Robert Mercer: Der Mann, dem ein Stück Trump gehört

Der Milliardär und Hedgefonds-Manager Robert Mercer (Foto: The Washington Post/Getty Images)
  • Der Hedgefonds-Manager Robert Mercer war der größte Privatspender von Donald Trump im Wahlkampf.
  • Der 70-Jährige gilt als brillanter Kopf, aber auch als Anhänger von Verschwörungstheorien. Er soll der Überzeugung sein, dass die Clintons politische Gegner ermorden ließen.
  • Die politische Agenda, die Mercer und seine Tochter Rebekah verfolgen, ist unklar.
  • Kritiker halten es für möglich, dass Mercer das politische System der USA zu Fall bringen will – und dass er nur deswegen Trump unterstützt hat.

Von Johanna Bruckner | Süddeutsche.de

Als Donald Trump einige Wochen nach seiner Wahl zum US-Präsidenten eine Weihnachtsfeier besuchte, war das Motto der Party: „Heroes and Villains“, also „Helden und Schurken“. Trump trug bei der Veranstaltung im 1000-Einwohner-Ort Head of the Harbor im US-Bundesstaat New York einen dunklen Anzug und eine Krawatte mit schlichtem Muster. Auf die Frage der anwesenden Reporter, als was er gehe, sagte Trump: „Me.“ Der 70-Jährige dürfte sich mit dieser knappen Antwort nach eigenem Verständnis wohl in die Helden-Kategorie eingeordnet haben.

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3D-Drucker auf acht Beinen

Die Spinnenroboter können dank eines ausgefeilten Algorithmus autonom in einer Gruppe zusammenarbeiten. © Siemens
Mechanische Spinnen am Werk: Krabbelnde Roboter mit Druckerdüsen könnten die Konstruktion von Bauteilen für Autos oder Flugzeuge erleichtern. Die High-Tech-Maschinen arbeiten wie mobile 3D-Drucker. Schicht für Schicht können sie selbst Oberflächen komplexer Gebilde wie Schiffskörper gestalten. Dabei arbeiten mehrere Roboter in einer Gruppe arbeitsteilig zusammen – vollständig autonom.

scinexx

In der Robotik werden gerne Tiere als Vorbild für Funktion und Design neuer Maschinen genommen. Dabei bedienen sich die Ingenieure über alle Tiergruppen hinweg und entwickelten bereits Roboter-Bienen, –Rochen, –Affen und vieles mehr. Das Unternehmen Siemens hat nun die nächste Schöpfung in der Reihe der Robo-Tiere vorgestellt: Spinnen-Roboter, die statt Seide ein schnell-härtendes Polymer absondern und damit Industriewerkstücke beschichten können.

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Türkische Medien: „Fehlen nur die Gaskammern. Die gibt es bald bestimmt auch“

Die türkische Tageszeitung „Günes“ veröffentlicht im März 2017 eine Fotomontage auf der Titelseite, die Bundeskanzlerin Merkel mit Hitlerbart und Nazigruß zeigt Quelle: dpa
Erdogan-nahe Zeitungen behaupten, dass türkische Wähler in Deutschland massiv von Politik und Medien unter Druck gesetzt würden. Dabei schrecken sie auch vor absurden Anschuldigungen nicht zurück.

Von Ricarda Breyton | DIE WELT

Seit knapp zwei Wochen sind rund 1,4 Millionen Türken in Deutschland aufgerufen, über die geplante Verfassungsänderung in der Türkei abzustimmen. Die Stimmabgabe ist in 13 deutschen Städten möglich – und ist offiziell geheim, gleich und frei. Gerade an letztem Punkt zweifeln türkische Zeitungen offenbar massiv. In Erdogan-freundlichen Medien wird einer Studie der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung zufolge behauptet, dass die im Exil lebenden Türken beträchtlich durch die deutsche Politik und die Medien unter Druck gesetzt würden, mit Nein zu stimmen. Die angeführten Beispiele strotzen nur so vor absurden Anschuldigungen gegen deutsche Behörden und Medien.

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Giftgasangriff in Syrien: Täter sind noch unbekannt

„Stop Chemical Assad!“ Aufruf des Chefs von Ahrar al-Sham für „auswärtige politische Beziehungen“. Twitter
Die Beschuldigungen gegen Assad al-Baschar sind deutlich. Weniger dagegen, aus welchem Interesse heraus er eine solch‘ verheerende Wirkung riskiert haben soll

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Täter sind noch unbekannt. Niemand kann im Augenblick mit Gewissheit sagen, wer für die Giftgas-Opfer in Chan Schaichun verantwortlich ist. Auch die Institutionen nicht, deren Funktion und Glaubwürdigkeit stets als essentiell für ein nicht von Willkür geprägtes Miteinander herausgestrichen werden. Im Fall des Giftgas-Angriffs ist die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) eine erste wichtige Adresse.

Laut einem Briefing vor dem UN-Sicherheitsrat vom Mittwoch, den 05. März, das also noch am selben Tag des Angriffs abgehalten wurde, ist die OPCW erst dabei, „Informationen von allen zur Verfügung stehenden Quellen zu sammeln und zu analysieren“. Man werde bei der ersten Gelegenheit ein Untersuchungsteam an Ort und Stelle schicken.

Das Briefing übernahm Kim Won-Soo, Chef des UN-Büros für Abrüstungsfragen, der den Stand der Erkenntnisse beim OPCW übermittelte. Der lässt sich kurz so zusammenfassen: Was man weiß, weiß man hauptsächlich aus Medienberichten und Videos aus sozialen Netzwerken, die nahelegen, dass es sich um einen Giftgasangriff gehandelt hat. Kim Won-Soo zitiert den Generaldirektor des OPCW wird folgendermaßen:

Er sagte der Angriff wurde laut Berichten über einen Luftangriff auf ein Wohngebiet ausgeführt, aber über die Art der Freisetzung (des Giftgases oder des chemischen Kampfstoffes, Einf. d. A.) konnte nichts Verlässliches gesagt werden.

UN-Bericht

Im Original:

(…) the attack had reportedly been carried out through an air strike on a residential area. However, the means of delivery could not be confirmed.

UN-Bericht

Erwähnenswert ist, dass Kim Won-Soo in seinem Briefing ausdrücklich davon spricht, dass „viele Details des Angriffs nicht vollständig bekannt sind“, dass er bei „Reports“ auf Medienberichte Bezug nimmt und bei der Schilderung der Symptome der Opfer des Angriffes ausdrücklich die Videos anführt, die im Netz kursierten: „included respiratory problems, vomiting, fainting and foaming at the mouth, as well as miosis (pupillary constriction), as seen in videos on social media, said to have been taken at the scene“.

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Mexikos Kirche gesteht Schutz von Missbrauchstätern ein

Generalsekretär der Bischofskonferenz, Miranda Guardiola: Betroffene Kinder „Märtyrer“, die „Verfolgung innerhalb der Kirche“ erlitten haben – Kirche will Straflosigkeit aufbrechen

kath.net

Erstmals hat die katholische Kirche in Mexiko öffentlich wiederholtes Fehlverhalten von Bischöfen im Umgang mit sexuellem Missbrauch von Minderjährigen durch Priester eingestanden. Betroffene Kinder seien „Märtyrer unserer Zeit“, die Verfolgung innerhalb der Kirche erlitten hätten, sagte Alfonso Miranda Guardiola, der Generalsekretär der Mexikanischen Bischofskonferenz, laut Angaben der Tageszeitung „Milenio“ bei einer nationalen Gebetsaktion für Missbrauchsopfer am Mittwoch (Ortszeit). Die Kirche entschuldige sich für die Verbrechen, nehme die volle Verantwortung dafür auf sich und fordere eine Bestrafung der Täter.

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Is It Ethical to Source Dank Memes From Nazi Mines?

Image: MOTHERBOARD
Many of the best memes are created by and shared on the worst parts of the internet. Is it OK to reshare them?

By Jason Koebler | MOTHERBOARD

There’s a meme about memes that frames the ongoing philosophical discussion I’ve been having with academics, colleagues, friends, and meme economists:

he idea is that many of the internet’s funniest memes come from the less savory parts of the web, in this case 4chan’s /b/ board, which gave us LOLcats, Rickrolling, and Anonymous but also normalized and perfected harassment, trolling, and other internet-afflicted diseases. Though I’ve reported on and dabbled with 4chan a bit, I’ve generally spent most of my internet career as the woman on the right—enjoying the harvest of those in the meme mines without ever getting dirty myself. This changed a month ago, as I realized I had run out of dank memes; I had to get in the shit. The search led me to the new fountain of memes on the deep recesses of Discord, a voice and chat app that is popular with gamers, the alt-right, and memelords.

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