Religiotie: Ohne Religion wären wir arme Teufel

Nicht nur wegen des islamistischen Terrors ist die Skepsis gegenüber dem Islam groß. Auch das Christen- und das Judentum werden als rückwärtsgewandt gesehen. Woher rührt diese Angst vorm Glauben?

Von Claudia Becker | DIE WELT

Es gibt wohl kaum etwas Angenehmeres als eine einfache Antwort auf eine komplizierte Frage. Was ist gut? Was ist böse? Wer ist schuld? Dass sich das in Märchen so klar zuordnen lässt, gehört zu den wesentlichen Gründen für die Faszination, die sie auf Kinder ausüben. Und dass totalitäre Systeme die Welt in Freund und Feind aufteilen, bedingt ihre starke Anziehungskraft auf denkträge Massen.

Mit unserem aufgeklärten Denken aber sind Pauschalurteile eigentlich unvereinbar. Und mit dem postmodernen Leitmotiv, nie eindimensional, sondern stets aus mehreren Perspektiven auf die Ereignisse zu schauen, schon gar nicht. Wir probieren aus, wir wägen ab. Wir halten es nicht für richtig, Menschen wegen ihrer besonderen Lebensweise voreilig zu verurteilen oder gar abzuwerten.

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„Dass sich keiner hinter uns stellte, tat am meisten weh“

Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
Ein jüdischer Junge wird massiv gemobbt und muss die Schule verlassen. Kein Einzelfall. Antisemitismus ist in Deutschland ein Problem. Vier Juden berichten über Ressentiments und Beleidigungen im Alltag.

Von Ibrahim Naber | DIE WELT

Millionen Menschen in Deutschland haben feindliche Einstellungen gegenüber Juden. Das zeigen mehrere Studien. Über das konkrete Ausmaß von Antisemitismus existieren verschiedene Angaben. Laut der Bertelsmann-Studie von 2015 stimmt jeder vierte Bundesbürger der Aussage zu, „Juden haben auf der Welt zu viel Einfluss“.

In einer von der Bundesregierung beauftragten Studie kamen Experten im Jahr 2012 zu dem Ergebnis, dass 20 Prozent der Bevölkerung latente antisemitische Einstellungen aufweisen. Die Autoren der Studie „Die enthemmte Mitte“ der Universität Leipzig sprachen zwar 2016 von einer rückläufigen Entwicklung. Demnach seien nur noch 4,8 Prozent der deutschen Bevölkerung Antisemiten, gleichzeitig glaubten aber noch zehn Prozent, dass Juden mehr als andere Menschen mit üblen Tricks arbeiten, um ihre Ziele zu erreichen.

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Todesstoß für die NPD

Der Staat könnte der NPD die Mittel streichen. Foto: Jens Büttner (dpa-Zentralbild)
Der Staat macht ernst und will der NPD Zuschüsse streichen. Es ist ein Instrument zur Herstellung politischer Hygiene. Ein Kommentar.

Von Markus Decker | Frankfurter Rundschau

Dass der Staat zweimal bei dem Versuch gescheitert ist, die NPD verbieten zu lassen, ist alles andere als ein Ruhmesblatt. Freilich war die Blamage 2003 größer als 2017. Damals blieb das Verfahren wegen der intransparenten und vermeidbaren Verwicklung von V-Leuten schon in den Anfängen stecken. Nun scheint sich zumindest der finanzielle Aspekt zum Guten zu wenden.

Wenn der Staat der erklärtermaßen rechtsextremistischen Partei die staatlichen Zuwendungen von zuletzt 1,4 Millionen Euro in einem Jahr streicht, könnte dies der ohnehin wankenden NPD den Todesstoß versetzen. Im Übrigen bliebe die Letztentscheidung richtigerweise in Karlsruhe. Es käme also nicht der Verdacht auf, die etablierten Parteien würden sich so unangenehme Konkurrenz vom Leib halten.

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Neutralitätsgesetz: Berliner Lehrerin darf kein Halskreuz tragen

Das Kreuz mit den Religionen
In Berlin dürfen Lehrer keine religiöse Kleidung tragen. Das gilt nicht nur für das Kopftuch, sondern auch für christliche Symbole. Kritik daran kommt von der Kirche.

ZEIT ONLINE

Einer evangelischen Lehrerin ist an einer staatlichen Schule offenbar per Dienstanweisung verboten worden, ein Kreuz um den Hals zu tragen. Das sagte Jörg Antoine, Präsident des Evangelischen Konsistoriums. Das ist die oberste Verwaltungsbehörde der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Hintergrund ist das Berliner Neutralitätsgesetz, dass Polizisten, Lehrern und Justizmitarbeitern verbietet, religiös geprägte Kleidungsstücke tragen zu dürfen.

Antoine forderte, dass das Land Berlin gelassener mit dem Tragen von religiösen Symbolen umgehen solle. Die EKBO halte die Regel für verfassungswidrig, seit das Bundesverfassungsgericht im März 2015 ein pauschales Kopftuchverbot abgelehnt hatte, sagte Antoine.

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Bewaffnete Drohnen für US-Polizisten

Bild: Lima Pix/CC By-2.0
Ein Gesetzentwurf in Connecticut stellt zwar die Bewaffnung von Drohnen unter Strafe, würde aber das Tor für eine Aufrüstung der Sicherheitskräfte öffnen

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Ein neues Gesetz im US-Bundesstaat Connecticut reguliert auf interessante Weise die Verwendung von Drohnen. Aufgenommen wurde, dass auch Mini-Drohnen nicht nur selbst als Waffen dienen können, um mit ihnen Personen, Fahr- oder Flugzeuge anzugreifen, sondern dass sie auch bewaffnet werden können. Das hatte letztes Jahr der Islamische Staat begonnen (Der IS stattet Drohnen mit Sprengsätzen aus) und ab Beginn dieses Jahres Drohnen auch mit Sprengstoff und mit Bomben aufgerüstet, um so gezielt vor allem Fahrzeuge in Gebieten anzugreifen, die jenseits des von ihm kontrollierten Territorium liegen (Mini-Drohnen verbreiten Angst. Seitdem ist die Nachfrage nach effektiven Antidrohnen-Waffen bei Militärs gestiegen und haben die irakischen Truppen begonnen, ihrerseits Mini-Drohnen zu bewaffnen (Wettrüsten: Irakische Streitkräfte „drohnen“ in Mosul zurück).

Bislang haben die Amerikaner – und andere Menschen im Westen – dem Drohnenkrieg eher gelangweilt zugeschaut, fand er doch weit entfernt in Afghanistan, Pakistan, Somalia, Syrien, Libyen, im Irak oder Jemen statt. Obgleich seit Jahren von vielen zivilen Opfern berichtet wurde, fanden die Angriffe mit Kampfrobotern in Gebieten statt, in denen Menschenleben wenig wert ist und sich keine staatliche Macht um diese kümmert. Und es handelte sich um große Drohnen, während sich die Menschen Zuhause massenweise auf den ersten Blick harmlose Mini-Drohnen kauften und man erst einmal nur die Gefahr sah, dass sie unvorsichtig benutzt werden oder mit den Kameras weitere Breschen in die Privatsphäre schlagen oder etwas ausspähen können. Man hätte es schon lange wissen können, doch erst seit der Islamische Staat vorgeführt hat, wie leicht sich überall zu kaufende Drohnen zu Mordmaschinen umbauen lassen, beginnt auch die Angst zu wachsen, dass der Drohnenkrieg nun auch in die westlichen Staaten einzieht, die sich angeblich am Hindukusch oder im Nahen Osten verteidigen müssen.

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Streit um zu viele Wildschweine: Ist nun jedes Mittel recht?

Auf der Suche nach Wurzeln, Würmern und Maden durchwühlen Wildschweine das Erdreich – und können dabei in Feldern oder Gärten Schaden anrichten. Foto: Fritz Pölking/OKAPIA
Der Klimawandel und ein verbessertes Nahrungsangebot in der Landwirtschaft führen zu einer sprunghaften Vermehrung des Schwarzwilds. Jäger versuchen mit teils umstrittenen Methoden, die Population zu begrenzen – und heizen deren Wachstum selber an.

Von Matthias Lambrecht | greenpeace magazin

Sie haben großen Hunger, sind mobil, anpassungsfähig und schlau. Und sie sind inzwischen fast überall: Ob in Sachsen, Brandenburg oder Nordrhein-Westfalen, ob am Stadtrand von Hamburg oder in den Parks von Berlin – eine stark angewachsene Wildschweinpopulation macht Landwirten und Hausbesitzern zu schaffen, weil die Tiere auf der Suche nach Futter Äcker, Wiesen und Gärten durchwühlen. Doch auch Umweltschützer sind in Sorge, weil sie um das ökologische Gleichgewicht im Wald fürchten.

In einigen Regionen ist die Zahl der Tiere in den vergangenen Jahren förmlich explodiert, denn die Lebensbedingungen für das Schwarzwild sind immer besser geworden. Dazu trägt nicht zuletzt die Landwirtschaft selbst bei, die den Maisanbau zur Biogasproduktion beinahe verdreifacht hat. In den oft ausgedehnten Äckern können die Schweine tagelang unbemerkt schlemmen. Aber auch im Wald ist der Tisch immer reicher gedeckt – dank des Klimawandels produzieren Kastanien, Eichen oder Buchen mehr Früchte. So gibt es kaum mehr Gebiete, in die die intelligenten Allesfresser nicht vorgedrungen sind. Selbst im Alpenvorland, wo es mangels Nahrung seit Jahrhunderten keine Wildschweine gab, fühlen sie sich inzwischen heimisch.

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Enttäuscht von Trump: Hacker verraten NSA-Schadsoftware

NSA headquarters in Fort Meade (credit: Trevor Paglen)The//INTERCEPT
Dubiose „Shadow Brokers“-Gruppe meldet sich zurück und publiziert zahlreiche geheime NSA-Programme

derStandard.at

Das Hackerkollektiv „Shadow Brokers“ ist wieder aufgetaucht. Vergangenes Jahr publizierte die Gruppe NSA-interne Schadprogramme und versuchte, noch mehr Malware zu versteigern. Wer genug Bitcoins bot, konnte das Passwort für ein verschlüsseltes File erwerben, das zahlreiche NSA-Tools beinhalten sollte. Jetzt haben die „Shadow Brokers“ das Passwort ins Netz gestellt. Als Grund dafür geben sie an, enttäuscht von US-Präsidenten Donald Trump zu sein.

Grotesker Beitrag

„Die ‚Shadow Brokers‘ haben dich gewählt. Die ‚Shadow Brokers‘ unterstützen dich. Die ‚Shadow Brokers‘ verlieren den Glauben an dich“, hieß es in einem insgesamt grotesken Beitrag auf Medium, in dem das Passwort für die Sammlung an Schadsoftware verraten wurde. Das Kollektiv dementiert darin auch, russisch zu sein. Es sei „kein Fan von Russland oder Putin“, aber „der Feind meines Feindes ist mein Freund.“

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13 Tote bei Explosion in Kirche

Bei einer Explosion in einer Kirche in der nordägyptischen Stadt Tanta sind dem Staatsfernsehen zufolge 13 Menschen getötet worden. 42 Menschen seien verletzt worden, berichtete der Sender am Palmsonntag. Sicherheitskräfte hätten den Tatort weitgehend abgesperrt.

Frankfurter Rundschau

Christen machen in Ägypten zehn Prozent der etwa 94 Millionen Einwohner aus. Sie können ihre Religion weitgehend frei ausüben und leben größtenteils friedlich mit der muslimischen Bevölkerungsmehrheit zusammen. Es gibt allerdings vereinzelte Spannungen, vor allem in den ländlichen Gebieten.

Bei einem schweren Bombenanschlag auf eine Kirche im Dezember waren fast 30 Menschen getötet worden. Damals bekannte sich die Terrormiliz IS zu der Tat. Ein Ableger des Islamischen Staates treibt im Nordsinai in Ägypten sein Unwesen und kündigte in Propagandavideos Angriffe auf Christen an.

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In Deutschland endet Abstimmung über Präsidialsystem in der Türkei

Eine Woche vor dem Verfassungsreferendum in der Türkei endet heute Abend die Abstimmung der in Deutschland registrierten türkischen Wähler.

Frankfurter Rundschau

Sie können bereits seit zwei Wochen über das von Staatschef Recep Tayyip Erdogan angestrebte Präsidialsystem abstimmen. Der Urnengang in Deutschland wird von den türkischen Generalkonsulaten organisiert. Das Präsidialsystem würde Erdogan deutlich mehr Macht verleihen. In Deutschland sind mehr als 1,4 Millionen türkische Wähler registriert.

Viele Verdachtsfälle rechtsextremer Delikte bei der Bundeswehr

Symbolbild.
In 275 Fällen wird bei der Bundeswehr wegen des Verdachts rechtsextremer Handlungen ermittelt. Viele der Beschuldigten haben immer noch Zugang zu Waffen.

SpON

Nach Angaben der Bundesregierung geht der Militärische Abschirmdienst (MAD) derzeit 275 Verdachtsfällen rechtsextremer Delikte in der Bundeswehr nach. 143 Fälle stammten aus dem Jahr 2016, im laufenden Jahr seien bereits 53 neue Fälle verzeichnet worden. Die übrigen Fälle stammen aus früheren Jahren. Das schreiben die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf eine Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Parlamentsanfrage.

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Vier Kandidaten für neunten Planeten im Sonnensystem lokalisiert

Planet IX, Bild: Credit California Institute of Techonology
Bisherige Untersuchungen machen Existenz von großem Objekt im fernen Kuipergürtel sehr plausibel

derStandard.at

Seit zwei Jahren wächst der Stapel an wissenschaftlichen Studien, die darauf hinweisen, dass unser Sonnensystem einen bisher unbekannten Planeten weit jenseits der Plutobahn besitzt. Das Bild, das man sich über diesen hypothetischen Himmelskörper macht, gewinnt von Monat zu Monat an Klarheit: Planet Neun soll demnach entweder ein Gasplanet oder ein sehr großer Felsplanet von bis zu zehnfacher Erdmasse und vierfachem Erddurchmesser sein. Seine Umlaufbahn liegt in einer Distanz von 300 bis 600 Astronomischen Einheiten (eine AE entspricht der Entfernung zwischen Erde und Sonne), für eine vollständige Runde benötigt der Geisterplanet zwischen 10.000 und 20.000 Jahre.

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Gnadenlose Gottheit

Heinz-Werner Kubitza:
Der Glaubenswahn
Verlag: Tectum, Marburg 2017
ISBN: 9783828838499
19,95 €

Heinz-Werner Kubitza, Beiratsmitglied der humanistischen Giordano-Bruno-Stiftung und bekannter Religionskritiker, zieht in seinem neuen Buch ein düsteres Fazit der biblischen Überlieferung. Er hinterfragt das Wesen von JHWH, dem Gott Israels, und geht auf dessen Rolle im Alten Testament ein.

Von Julia Schulz | Spektrum.de

Die biblischen Texte, belegt Kubitza, stellen JHWH vielfach als einen Gott des Kriegs und der Gewalt dar, mit ausländerfeindlichen, rachsüchtigen und gnadenlosen Zügen. Als einen, der Freude an Zerstörung hat und massenhaft mordet. Zudem prüft der Autor die Bibel auf ihre literarischen Qualitäten und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis.

Seine polarisierenden Thesen belegt Kubitza stets mit Bibelzitaten. „Ich verfolge meine Feinde und hole sie ein, ich kehre nicht um, bis sie vernichtet sind. Ich schlage sie nieder; sie können sich nicht mehr erheben, sie fallen und liegen unter meinen Füßen.“ (Ps 18,38-39) etwa ist nur eine von vielen Textstellen – und längst nicht die expliziteste –, die die mythische Aggressivität des Gottes belegen. Als Grund dafür vermutet Kubitza unter anderem, dass im frühen Israel ein Konflikt zwischen Poly- und Monotheisten tobte und Priester wie Gelehrte dabei versuchten, JHWH zum Hauptgott in einer ursprünglich polytheistischen Götterwelt zu erheben.

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Erdogan: Opposition ins Museum

Kaum eine Woche vor der Wahl erreicht der Wahlkampf in der Türkei täglich neue Eskalationsstufen. Während die größte Oppositionspartei CHP der Regierung vorwirft, ihre E-Mails auszuspionieren und den Putschversuch vom Sommer „kontrolliert“ habe geschehen lassen, kündigt Staatspräsident Erdogan an, die Opposition nach der Wahl „ins Museum“ zu schicken.

Von Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Den Anhängern von Fethullah Gülen spricht er gar „das Recht zu Leben“ ab, man werde sie bis zum Schluss bekämpfen. Nach neuen Zahlen des türkischen Innenministeriums wurden seit dem Putschversuch am 15. Juli 2016 135.000 Personen entlassen, 113.000 Personen festgenommen und mehr als 47.000 Personen inhaftiert. Weitere 41.500 Personen sind nur vorläufig und unter Auflagen auf freiem Fuß, sie dürfen das Land nicht verlassen.

Einen üblen Aprilscherz erlebten am 1. April 21 Journalisten, die freigelassen werden sollten. Noch bevor es dazu kam, wurden neue Haftbefehle ausgestellt. Die drei für die Freisprüche verantwortlichen Richter wurden umgehend suspendiert. Am 6. April löste die Polizei im Justizpalast von Istanbul gewaltsam eine Demonstration von Anwälten auf, die die Freilassung ihrer rund 400 inhaftierten Kollegen forderten.

Auch Medienverbote schreiten voran. Vergangene Woche wurde der vor allem von der oppositionellen HDP genutzte Live-Streaming-Dienst Periscope gesperrt, kurz darauf folgten die Webseiten der Nachrichtenmedien Sendika, Dihaber, ANF Türkce sowie der Online-Auftritt der kurdischen Tageszeitung Özgürlükcü Demokrasi, einem Nachfolgeprojekt der verbotenen Özgür Gündem.

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Keime: „Die Bakterien geben das Tempo vor – nicht wir“

„Wir müssen an neuen Medikamenten forschen“: Prof. Christian Drosten ist Direktor des Instituts für Virologe an der Berliner Charité © picture alliance/AP Photo/privat
Nur wenige Viren und Bakterien können dem Menschen tatsächlich gefährlich werden. Der Epidemieforscher Christian Drosten mahnt dennoch davor, die Winzlinge zu unterschätzen – und warnt unter anderem vor den Folgen von Impfmüdigkeit.

stern.de

Herr Prof. Drosten – die großen Seuchen der Menschheit scheinen besiegt. Die Pest wütet kaum noch. Gegen die meisten gefährlichen Viren gibt es Impfungen. Sieht so aus, also wären wir in Sicherheit. Ist dem so?

Es ist leider nicht ganz richtig, dass es für die meisten Viren Impfungen gibt. Ein aktuelles Beispiel ist das Ebola-Virus. Ein Impfstoff wurde zwar getestet, dieser ist aber nur gegen eine einzige Art des Virus wirksam. Auch bei Medikamenten sieht es übrigens nicht gut aus. Es ist sehr schwer, für jedes Virus ein spezifisches Medikament zu entwickeln. Pandemien – also sich weiträumig ausbreitende Seuchen – bleiben ein unwägbares Risiko für die Gesellschaft, gegen das die Alltagsmedizin machtlos ist. Hier müssen Forschung und Gesundheitsbehörden zusammenarbeiten.

Von welchen Erregern geht für Menschen derzeit die größte Gefahr aus?

Allgemein kann man sagen: Viren, die über die Luft übertragen werden. Sie passen sich im Sinne einer besseren Übertragbarkeit an. Dadurch wird ein Virus jedoch nicht unbedingt gefährlicher. Bessere Übertragbarkeit kann ein Virus beispielsweise auch dadurch gewinnen, dass es durch Mutationsvorgänge eher den Nasen-Rachenraum als die Lunge befällt. Der relativ lange Weg von Lunge zu Lunge kann dann abgekürzt werden. Für den Menschen ist das gut, denn dadurch wird aus einer schweren Lungenentzündung vielleicht eine harmlose Erkältung. Ob die nächste Pandemie nun durch ein Influenzavirus, ein Coronavirus oder etwas ganz Unerwartetes verursacht wird, kann man nicht vorhersagen.

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«Moderne Gesellschaften brauchen keine Religion mehr»

Der Religionssoziologe Jörg Stolz glaubt, dass es Gott dann nicht mehr gibt, wenn niemand mehr glaubt, dass es ihn gibt. Dieser Tag könnte dereinst kommen.

Interview von Urs Hafner | Neue Zürcher Zeitung

Herr Stolz, interessieren Sie sich als Religionssoziologe auch für Nichtreligiöse, für Agnostiker, für Atheistinnen?

Natürlich. Momentan untersuche ich nichtreligiöse Personen, die sich in Gruppen organisieren wie etwa die Freidenker und die Skeptiker, aber auch gewöhnliche religiös Indifferente.

Wieso interessieren Sie diese Leute?

Das Phänomen der Nichtreligiosität sagt uns etwas über die Religiosität, und die Gründe, warum jemand nicht gläubig ist, geben Aufschluss, warum jemand glaubt.

Wie charakterisieren Sie die Gruppe der Nichtreligiösen?

Der prototypische Nichtreligiöse ist ein gut gebildeter, politisch links stehender, jüngerer Städter, der Neurowissenschaften studiert und mit dem Velo und einer Freitag-Tasche durch die Stadt fährt.

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Kirche fordert Familiennachzug für Flüchtlinge

Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz fordert, die Aussetzung des Familiennachzugs für Flüchtlinge mit eingeschränktem Aufenthaltsrecht müsse zurückgenommen werden.

evangelisch.de

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat einen besseren Schutz für Flüchtlinge gefordert. Die Aussetzung des Familiennachzugs für Flüchtlinge, die in Deutschland nur ein eingeschränktes Aufenthaltsrecht aus humanitären Gründen haben, müsse zurückgenommen werden, heißt es in einem Beschluss der Synode vom Samstag zum Abschluss der Frühjahrstagung in Berlin. Der Familiennachzug müsse auch bei den sogenannten subsidiär Schutzberechtigten völkerrechtskonform möglich gemacht werden.

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Merkels Politik: Alles Gute kommt nach oben

Deutschland geht es gut? Von wegen. Angela Merkels Politik hat unser Land ungerechter und auf Dauer krisenanfälliger gemacht

Von Stephan Hebel | TELEPOLIS

Für Angela Merkel ist die Sache klar: „Zu dem, was mir Mut für unser Deutschland macht, gehört auch unsere soziale Marktwirtschaft. Sie lässt uns Krisen und Veränderungsprozesse besser meistern als jedes andere Wirtschaftssystem auf der Welt. Noch nie hatten so viele Menschen Arbeit wie heute. Unsere Unternehmen stehen überwiegend gut da. Unser wirtschaftlicher Erfolg gibt uns die Möglichkeit, unser Sozialsystem zu stärken und all denen zu helfen, die Hilfe brauchen“, sagte sie in ihrer Ansprache zum Jahreswechsel 2016/2017. Will sagen: „Unser“ Deutschland, „unsere“ soziale Marktwirtschaft, „unsere“ Unternehmen, „unser“ wirtschaftlicher Erfolg und noch dazu „unser“ Sozialsystem: Das große „Wir“ läuft wie geschmiert, der Kanzlerin sei Dank.

Das Problem ist nur: Das schöne, harmonische Deutschland-Bild, das Angela Merkel da malt, hat mit der Wirklichkeit nur sehr begrenzt zu tun. In Wahrheit prägt das neoliberale Denken ihre Politik nicht nur in der Euro- und Bankenkrise. Dass der Markt die Bühne zu beherrschen habe; dass der Staat nicht etwa aktiv einzugreifen habe als Wächter über die gerechte Verteilung von Reichtümern und Risiken, sondern möglichst kleingespart werden müsse – dieser Ideologie folgt Merkels Regierung auch auf den unterschiedlichen Feldern der ökonomischen und sozialen Daseinsvorsorge.

Punktuelle Ausnahmen wie die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns oder der Ausbau der Kinderbetreuung sind natürlich zu begrüßen. Aber die verbreitete Ansicht, sie hätten etwas mit einem grundlegenden Politikwechsel zu tun, geht in die Irre. Es bleibt vielmehr dabei: Unternehmen werden systematisch entlastet, während die Politik sich durch den Verzicht auf Steuerungsmöglichkeiten selbst entmachtet. Kosten und Risiken werden zunehmend der solidarischen Verteilung entzogen und dem Einzelnen auferlegt – mit der Folge, dass es die Ärmeren immer härter trifft und die Reichen immer weniger beitragen müssen.

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Postfaktisch in Sachen Palästina

Screenshot „Even though my land is burning“. Bild: heise.de/tp
Der israelische Filmemacher Dror Dayan über die Ein-Staaten-Lösung, politischen Widerstand der Israelis und Antisemitismus

Von Emran Feroz | TELEPOLIS

In diesen Tagen hört man kaum etwas zur Lage in Israel und Palästina. Und wenn, dann ist die Berichterstattung – vor allem in Deutschland – mehr als nur einseitig. Dabei gibt es zahlreiche Menschen, die die Mainstream-Narrative des Konflikts regelmäßig herausfordern und zu durchbrechen versuchen. Einer von ihnen ist der israelische Filmemacher Dror Dayan, der seit einigen Jahren in Berlin lebt. Dessen jüngster Film „Even Though My Land is Burning“ macht sehr deutlich, dass Israelis und Palästinenser in der Lage sind, gemeinsam für eine friedliche Zukunft zu kämpfen.

Hatten Sie persönliche Gründe für den Dreh Ihres Films?
Dror Dayan: Ich hatte einige Gründe. Während meines Filmstudiums in Deutschland fiel mir immer wieder auf, dass deutsche Filmstudenten ungern politische Themen in ihren Projekten behandeln. Selbst „deutsche“ Themen blieben meistens unangetastet. Nach einigen Jahren traf ich die Entscheidung, einen Film zu drehen, der tatsächliche Probleme behandelt.
Der Hauptgrund war allerdings die Art und Weise wie der politische Kampf der Palästinenser in Deutschland negiert und diffamiert wird. Antizionismus wird etwa in vielen Kreisen, auch in vielen linken, als etwas Negatives betrachtet. Mit meinem Film wollte ich den Zuschauern deutlich machen, dass man gegen Zionismus sein kann und dass das nichts mit der eigenen Konfession oder Ethnie zu tun hat.

Berlin könnte Zahl ausreisepflichtiger Asylwerber dramatisiert haben

Ein aus Deutschland abgeschobener Asylwerber in Afghanistan. – REUTERS
Auch Reisende mit abgelaufenen Visa seien zu der Zahl ausreisepflichtiger Asylwerber gezählt worden, berichtet der „Spiegel“.

Die Presse.com

Die von der deutschen Bundesregierung genannten Zahlen ausreisepflichtiger Asylbewerber müssen möglicherweise deutlich nach unten korrigiert werden. Es gebe eine bedeutsame Anzahl „unplausibel erscheinender Datensätze“, zitierte das Magazin „Spiegel“ aus einem Schreiben des Beauftragten für Flüchtlingsmanagement, Frank-Jürgen Weise. So seien auch rund 40.000 Flüchtlinge erfasst worden, deren Asylverfahren noch gar nicht abgeschlossen waren.

Laut Ausländerzentralregister (AZR) waren Ende 2016 rund 207.000 Menschen als ausreisepflichtig registriert. Auf Fragen der Linksfraktion hatte das deutsche Innenministerium allerdings Anfang des Jahres dazu mitgeteilt, dabei gehe es nur knapp zur Hälfte um abgelehnte Asylbewerber, die anderen seien etwa Reisende mit abgelaufenen Visa oder Menschen, die aus anderen Gründen Deutschland wieder verlassen müssten. Zuvor hatten einige Unionspolitiker teilweise noch höhere Zahlen angeblich ausreisepflichtiger Asylbewerber genannt.

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Humanity Will ‚Touch the Sun‘ with the Fastest Spacecraft Ever Made

Image: MOTHERBOARD
Sun worship is a popular theme in human history, for good reason. Our local yellow dwarf star is the head of our solar family, the most influential body in our cosmic vicinity, and the midwife of all life on Earth. It’s the biggest cheese for light years around, and it’s earned its share of reverence.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

Yet our Sun remains one of the most unexplored bodies in the solar system. After all, it is tough to study a massive fusion reactor that will burn out your retinas if you even look at it the wrong way, let alone send a spacecraft to brave the inferno up close.

Enter: Solar Probe Plus (SPP), a NASA mission in development at the Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory. This robotic explorer will venture closer to the Sun than any other probe before it, flying through its corona—the searing atmosphere surrounding the star—for the first time in history. It will brave both fiery and freezing temperatures, travel faster than anything ever made by humans, and deliver the most intimate glimpse of our star—and the forceful solar wind it emits—in spaceflight history.

Scheduled for launch in the summer of 2018, the mission has been a major goal in space science since before NASA was even formed, according to SPP project scientist Nicola Fox.

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