«Es gibt keine direkte Linie von Luther zu Hitler»


Dass manche hofften, Luther werde gar zum Judentum konvertieren, entspricht nicht dem gängigen Klischee. (Bild: Stefan Sauer / Keystone)
Für viele Juden war Luther nicht einfach Antijudaist, sondern Antisemit. Hitlers Wüten wollen sie ihm dennoch nicht anlasten. Sie sehen viel Verbindendes zwischen Protestantismus und Judentum.

Von Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Der durchschnittliche Israeli hat keine Ahnung, wer Martin Luther war, und denen, die es wissen, ist er in der Regel egal. Das Eigene, der Judaismus, ist wichtiger, die Politik dominiert, und man hat genug andere Sorgen. Die Wissenschaft allerdings beschäftigt sich intensiv mit Martin Luther und der Reformation. Im Februar erst fand in Jerusalem eine grosse Konferenz über «500 Jahre Reformation – Juden und Protestanten, Judaismus und Protestantismus» statt, ein faszinierender Anlass mit über vierzig Wissenschaftern, vor allem Religionsspezialisten, aus aller Welt.

Begriffliche Untrennbarkeit

Geschichtsbewussten Juden ist Luther selbstverständlich ein Begriff. Es gibt einen regen akademischen Streit darüber, ob der Reformator Antisemit war oder einfach nur Herold einer antijudaistischen, nicht primär rassistisch, sondern religiös geprägten Haltung. Und in diesem Kontext interessiert dann nicht weniger die Frage, ob eine direkte Entwicklungslinie von Luther zu Hitler führe, ob es Luther gewesen sei, der «den Boden bereitet habe» für jenen urdeutschen, mörderischen Antisemitismus, den etwa Daniel Goldhagen diagnostiziert hat und der in dessen Analyse den Holocaust erst möglich machte.

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