Holocaustleugner vor Gericht: Ein Prozess wie im Stummfilm


© AP Wer ein Vernichtungslager Industriegebiet nennt, kann auch in Luxemburg wegen der Leugnung des Holocaust vor Gericht gestellt werden: Jugendliche Besucher aus Israel in Auschwitz-Birkenau im Juni 2015.
In seinem Buch spricht er von Auschwitz als „Industriegebiet“ und von „manipulierter Holocaustgeschichte“: In Luxemburg muss sich ein Lehrer vor Gericht verantworten. Doch das Gericht ist nicht zu hören.

Von Jochen Zenthöfer | Frankfurter Allgemeine

Vor einigen Tagen wurde im großen Saal des luxemburgischen Strafgerichts über das Buch eines Verschwörungstheoretikers verhandelt. Der Autor, ein ehemaliger Lehrer für katholische Religion, hatte darin den Holocaust verharmlost, was auch im Großherzogtum strafbar ist. Von den 676 während der deutschen Besatzung deportierten Juden überlebten nur vierzig die Konzentrationslager, viele kamen nach Auschwitz. Über ebendiesen Ort hatte der Autor behauptet, es sei ein „Industriegebiet“ gewesen. Wohlweislich im Konjunktiv und in Frageform folgten dann Ausführungen über eine „manipulierte Holocaustgeschichte“.

Im Gerichtssaal forderte die Staatsanwältin achtzehn Monate Haft – allein, man verstand sie nicht. Denn anders als der Angeklagte, der deutlich in das bereitgestellte Mikrofon sprach, verzichteten Richterin und Staatsanwältin die meiste Zeit auf die Unterstützung der Beschallungsanlage. Die Pressevertreter hörten am Ende des Saales ebenso wenig wie die noch weiter hinten sitzenden Bürger und Nebenkläger. Das verstößt gegen das Prinzip der Öffentlichkeit in Gerichtsverfahren, das in Artikel 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention festgelegt ist.

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