Heinrich Bedford-Strohm zum Karfreitag 2017


Am Karfreitag gedenken Christinnen und Christen in aller Welt des Leidens und Sterbens Jesu Christi. Sie öffnen damit den Raum für etwas, was für eine Gesellschaft insgesamt, weit jenseits der christlichen Tradition, von zentraler Bedeutung ist. Der Karfreitag lehrt uns sehen. Auch da, wo das Wegschauen einfacher wäre. Ein stiller Feiertag lehrt uns, gegenüber dem Leiden der Menschen in der Welt nicht abzustumpfen. Sondern dem Horror von Sterben und Gewalt an viel zu vielen Orten dieser Erde ins Gesicht zu schauen. Das Leid von Menschen hier, die in Armut leben und von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen sind, zu sehen – dazu ist der Karfreitag ein besonderer Ort.

Es ist manchmal schwer, das Leiden auszuhalten, im persönlichen Lebensumfeld genauso wie in der Welt. Die Versuchung ist groß, über das Leiden durch billigen Optimismus hinwegzugehen. Dem hat Martin Luther widersprochen: „Der Theologe der Herrlichkeit“ – so sagt er in seiner Heidelberger Disputation von 1518 kritisch – „nennt das Schlechte gut und das Gute schlecht.“ Und fügt dann hinzu: „Der Theologe des Kreuzes nennt die Dinge, wie sie wirklich sind.“

Die Dinge nennen, wie sie wirklich sind – das lehrt uns der Karfreitag. Das Leiden der Menschen im persönlichen Umfeld wahrnehmen, es auszuhalten und mitzutragen.

Deswegen ist der Karfreitag als stiller Feiertag für unser ganzes Land so wichtig. Daran können auch Provokationen, die diesen Tag zum Partytag machen wollen, nichts ändern.

Wir Christen glauben an einen Gott, der den Menschen gerade im Leiden nah ist, weil er das Leiden in seinem Sohn Jesus Christus am Kreuz selbst erfahren hat. Einen größeren Trost kann es im Leiden nicht geben.

Hannover, 12. April 2017

Pressestelle der EKD
Michael Brinkmann

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