Die türkische Schicksalswahl

Aus einem Werbefilm der türkischen Präsidentschaft für ein Ja, das suggerieren soll, dass ein Ja für Erdogan ein Ja für die Türkei ist. Screenshot aus dem YouTube-Video
Am Sonntag wird in der Türkei gewählt. Es ist die bedeutendste Richtungswahl seit der Gründung der Republik durch Mustafa Kemal Atatürk im Jahr 1923. Es geht um nichts weniger als die Frage, ob das Land auf lange Sicht zur Diktatur wird, oder ob es noch eine Chance auf demokratischen Wandel gibt.

Von Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Bis zum vergangenen Sonntag konnten türkische Wahlberechtigte im Ausland ihre Stimme abgeben. In Deutschland lag die Wahlbeteiligung bei rund 48 Prozent. Das ist zwar mehr als bei den Parlamentswahlen 2015, wo nur rund 44 Prozent zur Urne gingen. Aber gemessen an dem Aufwand, den vor allem die regierende AKP im Wahlkampf betrieben hat, ist die Mobilisierung hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die spannende Frage ist nun, wer mehr Wähler überzeugen konnte: Das Nein-Lager oder das Ja-Lager um den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der sich mit der Verfassungsänderung zum Alleinherrscher küren lassen will.

Das letzte Jahr war in der Türkei geprägt von Chaos und Repression. Zahlreiche Terroranschläge mit Hunderten Toten haben das Sicherheitsgefühl der Bürger erschüttert. Einen gescheiterten Putschversuch vom Sommer 2016 nutzte Erdogan als Anlass für eine beispiellose Säuberungsaktion, bei der mehr als hunderttausend Regimegegner entlassen, mehr als hunderttausend festgenommen und fast 50.000 inhaftiert wurden. Unternehmen wurden enteignet, mehr als 150 Medienhäuser geschlossen, rund 160 Journalisten verhaftet, ebenso tausende Mitglieder und dreizehn Parlamentarier der Oppositionspartei HDP. Die türkische Wirtschaft steht am Abgrund, das Land ist so gespalten wie nie zuvor. Egal, wie das Referendum ausgeht – die Zukunft des NATO-Staates ist ungewiss. Seit Wochen drohen Erdogan-Anhänger mit Bürgerkrieg.

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Wahhabismus – saudi-arabischer Exportschlager

Der saudi-arabische König Salman hat unlängst Malaysia und Indonesien besucht. Im Gepäck hatte er neben arabischen Spezialitäten auch viel Geld für islamische Seminare und Schulen zur Verbreitung des ultrakonservativen Islam saudi-arabischer Prägung.

Von Michael Lenz | Qantara.de

Mit einer Entourage von 1500 Begleitern und 500 Tonnen Gepäck tourte König Salman Faisal in der ersten Märzhälfte durch die mehrheitlich islamischen Länder Malaysia und Indonesien. Mit im Gepäck: milliardenschwere Verträge über Investitionen und die Entschlossenheit, zusammen den islamistischen Terrorismus zu bekämpfen.

Für Wohlfühlnachrichten sorgte der König auch mit dem Empfang für Vertreter der sechs offiziellen Religionen Indonesiens – darunter drei katholische Bischöfe und der Jesuit und Philosoph Franz Magnis-Suseno Pater SJ. Auffallend war, dass Salman Faisal die Zusammenarbeit zwischen den Religionen als wichtig für den Kampf gegen Extremismus und Terrorismus bezeichnete, berichtet der deutschstämmige Jesuit. „Genüsslich“ sei von „moderaten Muslimen“ zudem festgestellt worden, dass Habib Rizieq Shihab, der „neue Stern der konservativen Muslime“, nicht eingeladen war.

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Österreich: Ex-Schüler klagt Orden wegen Missbrauchs

Ein ehemaliger Schüler klagt das Dachsberger Gymnasium der Oblaten des hl. Franz von Sales in Oberösterreich wegen Missbrauchs auf Schadenersatz. An der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft wird ebenfalls Kritik geübt.

religion.ORF.at

Der Mann habe in dem 1970er Jahren das Dachsberger Gymnasium besucht und sei in den Jahren 1976 bis 1978 „Opfer regelmäßiger körperlicher und sexueller Gewalt zweier Pädagogen der Schule“ geworden, so eine Aussendung der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt am Mittwoch.

Im Alter zwischen neun und zwölf Jahren habe er sexuelle Übergriffe sowie Schläge durch zwei Patres über sich ergehen lassen müssen. Beide seien als Lehrer und Erzieher an der Schule tätig gewesen, Letzterer sogar als Rektor. Sie seien äußerst brutal vorgegangen und hätten einander bezüglich der Vorwürfe gedeckt, so die Aussendung. Er sei gezwungen worden, an „privaten Religions-Nachhilfestunden“ teilzunehmen, während derer es zu Missbrauch und oralen Vergewaltigungen gekommen sei.

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Atheisten verspotten Christen mit „Heidenspaß-Partys“

Ausnahmen vom Tanzverbot sind nach dem Gerichtsentscheid möglich, wenn eine Veranstaltung Ausdruck einer Abgrenzung gegenüber dem Christentum ist. Foto: picture-alliance/dpa
Atheisten in Bayern veranstalten am Karfreitag – an diesem Tag gedenken Christen der Kreuzigung Jesu – „Heidenspaß-Partys“ mit Tanz in München und Regensburg.

idea.de

Im Freistaat gilt zwar ein Tanzverbot an „stillen Tagen“ – darunter Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag –, aber das Bundesverfassungsgericht hatte im November entschieden, dass es in Bayern insbesondere am Karfreitag Ausnahmen von der Pflicht zur Stille geben muss. Das Gericht gab damit einer Beschwerde des „Bundes für Geistesfreiheit München“ statt. Ausnahmen vom Tanzverbot sind demnach möglich, wenn eine Veranstaltung Ausdruck einer Abgrenzung gegenüber dem Christentum ist.

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300.000 Visa für „besonders problematische Staaten“

Im vergangenen Jahr erteilte die Bundesrepublik 301.802 Visa an Antragsteller aus 17 besonders problematischen Staaten.

Von Marcel Leubecher | DIE WELT

  • Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses plädiert für Visa-Beschränkungen für rücknahmeunwillige Staaten.
  • Damit könne die Motivation zur Rücknahme eigener Staatsbürger sehr schnell zunehmen, glaubt Ansgar Heveling (CDU).

Die Bundesregierung möchte zwar deutlich mehr abgelehnte Asylbewerber und andere Ausreisepflichtige zurückbringen, lässt aber viele Möglichkeiten ungenutzt. Eine wichtige Ursache für den Verbleib dieser Ausländer in Deutschland stellen Herkunftsstaaten dar, die ihre Bürger nicht zurücknehmen. Dabei hält die Bundesrepublik einen ziemlich langen Hebel in der Hand: Die politische und wirtschaftliche Elite dieser unkooperativen Staaten reist nämlich gerne in die Bundesrepublik, arbeitet eine Zeit lang hier oder schickt ihre Kinder an deutsche Universitäten.

Ohne Visum klappt das alles nicht, weswegen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) beim jüngsten Treffen der EU-Innenminister in Brüssel viel Zustimmung für einen Vorschlag erhielt, den er danach so formulierte: „Wenn ein Staat nicht bereit ist, seine eigenen Staatsbürger zurückzunehmen, dann muss er damit rechnen, dass die Visumspolitik … vielleicht auch für das Führungspersonal dieses Landes nicht mehr so großzügig erfolgt wie bisher.“

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CIA-Chef bezeichnet Wikileaks als feindlichen Geheimdienst

© AP Geheimdienst-Chef Mike Pompeo
Den Wikileaks-Gründer Julian Assange nennt Mike Pompeo einen Betrüger und Feigling: Der Chef der CIA greift die Enthüllungsplattform scharf an – sie würde für die Russen arbeiten.

Frankfurter Allgemeine

CIA-Direktor Mike Pompeo hat die Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks als nicht-staatlichen „feindlichen Geheimdienst“ bezeichnet. Dieser Geheimdienst werde oftmals von staatlichen Akteuren etwa aus Russland unterstützt, sagte der Chef des amerikanischen Geheimdienstes am Donnerstag in seiner ersten Rede im neuen Amt vor dem Center for Strategic and International Sudies.

So habe der russische Militärgeheimdienst Wikileaks benutzt, um Material zu verbreiten, das durch Hackerangriffe auf die Demokratische Partei bei der amerikanischen Präsidentenwahl gewonnen worden sei. Zudem ermuntere Wikileaks seine Anhänger, sich um Anstellung bei der CIA zu bemühen, um an Geheiminformationen zu gelangen.

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Karfreitag: Ohnmacht als Alleinstellungsmerkmal

Das Kreuz hat sich als Symbol des Christentums durchgesetzt, obwohl es für Ohmacht und Verlassenheit steht / picture alliance
Der Osterglaube an die Auferstehung hat die Botschaft des Karfreitags versüßlicht. Umso wichtiger, dass sich das Kreuz als Symbol des Christentums durchgesetzt hat

Von Alexander Grau | Cicero

Es macht das Christentum zum Christentum und begründet dessen singuläre Stellung unter den Religion: das Karfreitaggeschehen, der Tod Christi. Denn keine andere Religion liefert ein vergleichbar starkes Bild: den gekreuzigten Gott, der zugleich – und insbesondere hier – ganz Mensch ist.

Götter, das waren und sind in den meisten bekannten Religionen entweder unberechenbare Wesen, launisch, selbstgefällig und allzu menschlich. Oder sie sind wahre Himmelsfürsten, Inkarnationen des Absoluten, herrliche Schöpfer, allmächtig und allwissend.

Kleine jüdische Sekte wurde zur römischen Staatsreligion

Auch das Christentum konnte den Verlockungen dieses triumphalistischen Gottesbildes nicht lange widerstehen. Und so ist sein Aufstieg von einer kleinen jüdischen Sekte zur römischen Staatsreligion zugleich die Geschichte der Erhebung und Ästhetisierung Gottes zum antiken Himmels-Cäsaren.

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Türkei verweigert rund 100 Deutschen die Einreise

„Faktisches Einreiseverbot für Deutsche“: Ein Plakat Erdogans in Istanbul Quelle: REUTERS
Laut Anfrage der Linksfraktion ist seit Anfang 2017 rund 100 Deutschen die Einreise in die Türkei verweigert worden.

DIE WELT

  • Oftmals sei dies „unter Verweis auf eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“ geschehen.
  • Bei wie vielen der Betroffenen es sich um Doppelstaatler mit türkischem Pass handelt lässt das Schreiben offen.

Seit Anfang des Jahres ist rund 100 Deutschen an Flughäfen in der Türkei die Einreise verweigert worden. Oftmals sei dies „unter Verweis auf eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“ geschehen, heißt es in einer Antwort des Auswärtigen Amts auf eine Anfrage der Linksfraktion, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Für Aufenthalte bis zu 90 Tagen benötigen Deutsche für die Türkei kein Visum. Bei wie vielen der Betroffenen es sich um Doppelstaatler handelt, die auch einen türkischen Pass haben, geht aus dem Schreiben nicht hervor.

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Umweltbundesamt fordert Tempo 30 als Standard in Städten

Ein Schild weist auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometer pro Stunde hin. Foto: Markus Scholz/dpa
In Wohngebieten ist Tempo 30 längst nichts Besonderes mehr. Dem Umweltbundesamt reicht das nicht: Tempo 30 überall in der Stadt hätte viele Vorteile – sogar für die Autofahrer.

Frankfurter Rundschau

Tempo 30 in der Stadt – und zwar auf allen Straßen: Das fordert das Umweltbundesamt. „Tempo 30 sollte auf allen Straßen in der Stadt gelten“, sagte Präsidentin Maria Krautzberger der Deutschen Presse-Agentur. „Tempo 30 bringt bessere Luft, flüssigeren Verkehr und weniger Unfälle – und man ist in der Regel genauso schnell unterwegs.“ Zwar könnten auf bestimmten Straßen auch höhere Geschwindigkeiten erlaubt werden, aber 30 Stundenkilometer solle die Regel sein.

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Künstliche Intelligenz übernimmt Vorurteile

Image: FUTURISM M.A
Rassistische Maschine: Wenn Künstliche Intelligenz anhand von Text-Datensätzen Sprache lernt, übernimmt sie auch die darin enthaltenen Stereotypen. Ein Assoziationstest offenbart: Solche Computerprogramme zeigen dann dieselben rassistischen Vorurteile oder Geschlechter-Klischees wie viele Menschen in unserer Gesellschaft. In Zukunft könnte das zu einem echten Problem werden – nämlich dann, wenn Künstliche Intelligenzen vermehrt Aufgaben in unserem Alltag übernehmen.

scinexx

Computersysteme, die menschliche Intelligenz nachahmen, beherrschen inzwischen erstaunliche Fähigkeiten: Die Maschinengehirne werten selbständig Sprache, Bilder und Texte aus oder schreiben sie sogar. Zudem haben sie gelernt, sich gegenseitig etwas beizubringen und kommen auch mit komplexen Aufgaben mühelos zurecht. Für Aufsehen sorgten jüngst etwa Siege von KI-Programmen gegen menschliche Gegenspieler bei Poker, Go und im Fragespiel Jeopardy.

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Yücel ist Erdoğans Geisel

Yücel 2016 bei einem Auftritt in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“. (Foto: dpa)
„Auf keinen Fall, solange ich in diesem Amt bin niemals“, sagte der türkische Präsident in einem Interview. Der deutsch-türkische Journalist sitzt seit Februar in Untersuchungshaft.

Süddeutsche.de

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat eine Auslieferung des inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel an die Bundesrepublik ausgeschlossen. Deutschland verweigere die Auslieferung türkischer Staatsbürger, sagte Erdoğan dem Sender TGRT in Istanbul. Daher würden Deutsche wie Yücel auch nicht überstellt. „Wenn einer von denen uns in die Hände fällt, werden sie dieselbe Behandlung erfahren.“ Zu einer möglichen Auslieferung von Inhaftierten wie Yücel sagte er: „Auf keinen Fall, solange ich in diesem Amt bin niemals.“

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Ulrich Kutschera über Meinungs-Unfreiheit und fehlende Debattenkultur

Ulrich Kutschera, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/ U. Kutschera

Evolutionsforscher und Physiologe Prof. Ulrich Kutschera im KATH.NET-Interview: „Eine Meinungsfreiheit, wie sie im Grundgesetz verankert ist, kann ich derzeit in Deutschland kaum mehr erkennen.“

Von Petra Lorleberg | kath.net

Vor einem Jahr (April 2016) wurde ein angekündigter öffentlicher Vortrag des in Kassel und Stanford (USA) tätigen Evolutionsbiologen Professor Dr. Ulrich Kutschera von der Frauenbeauftragten der Universität Marburg verhindert. Die geplante Präsentation zum Thema „Evolutionstheorien heute“ musste storniert werden, da der streitbare Biologe damals in seinem Fachbuch, „Das Gender-Paradoxon (2016)“ die Geschlechterstudien als universitäre Pseudowissenschaft gekennzeichnet hat. KATH.NET befragte jetzt den Evolutionsforscher zu den Themengebieten „Meinungsfreiheit und deutsche Debattenkultur“ mit Bezug zur Flüchtlingskrise und Gender-Ideologie.

kath.net: Herr Prof. Kutschera, liegt die Diskussionskultur bei uns im Argen?

Prof. Kutschera: Das ist leider der Fall. Offene, faire Diskussionen, wie sie z. B. in den USA üblich sind, gibt es in Deutschland selten. Wir leben hier in einer kleinkarierten Neid-Gesellschaft, in der unabhängige Freidenker mit eigenen Ansichten und konstruktiven Ideen unerwünscht sind. Angepasste, unterwürfige Mitläufer ohne eigenes Profil werden hofiert und vom Staat bedient. Kreative Naturwissenschaftler (insbesondere Biologen) haben keine politische Lobby und sind, als Fachkräfte, auf dem Arbeitsmarkt kaum vermittelbar.

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SPD-Politiker zeigen Hilfsapostel Dodo Laun an

Laun hatte in seinem jüngsten Hirtenbrief Homosexuelle als „gestörte Männer und Frauen“ bezeichnet, „die anatomisch eine kleine Missbildung haben“

Von Stefanie Ruep | derStandard.at

Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun hat mit seinen Aussagen schon häufig für Empörung und Kritik gesorgt. Sein jüngster Hirtenbrief hat nun zu einer Strafanzeige aus Deutschland geführt. Die SPD-Bundestagsabgeordneten Karl-Heinz Brunner, Eva Högl, Johannes Kahrs und der stellvertretende Landesvorsitzende der SPDqueer in Berlin, Christopher Jäschke, haben gemeinsam die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und Strafantrag gegen den katholischen Bischof und die Betreiber der Internetseite kath.net gestellt.

Der scheidende Salzburger Weihbischof hatte in dem Hirtenbrief umfassend gegen die „Gender-Ideologie“ gewettert, die er wie den Nationalsozialismus und den Kommunismus als Lüge des Teufels bezeichnete. In dem Text bezeichnete der 74-Jährige Homosexuelle als „irgendwie gestörte Männern und Frauen, die anatomisch eine kleine Missbildung haben oder eine sexuelle Anziehung zum eigenen Geschlecht verspüren“.

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Giftgas-Angriff in Chan Scheichun: Die Fakten des Weißen Hauses sind keine

Der Krater in der Straße. Bild übernommen aus der Einschätzung des US-Berichts durch Theodore A. Postol
Der ehemalige MIT-Professor Theodore A. Postol zum „Geheimdienst-Bericht“ der US-Regierung: „Fehlerhaft“, ohne Beweise und „ohne konkrete Kenntnisse“ über die behauptete Täterschaft der syrischen Regierung

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Antwort auf die Frage, wer für den Giftgas-Angriff in Chan Scheichun verantwortlich ist, bleibt offen. Der Bericht der „US-Geheimdienste“, der eigentlich ein Bericht des Weißen Hauses ist, den die New York Times vor zwei Tagen veröffentlichte, kann entgegen der Behauptung der US-Regierung nicht den Nachweis erbringen, dass der Chemiewaffen-Angriff am Morgen des 4. April unbedingt von der syrischen Armee geführt wurde.

„Die USA sind sich sicher (i.O. „confident“), dass das syrische Regime einen Angriff mit Chemiewaffen gegen ihre eigene Bevölkerung in Chan Scheichun durchgeführt haben, mit Sarin“, beginnt der Bericht des Weißen Hauses mit Bezug auf geheimdienstliche Informationen, dem daran liegt, „falsche Narrative“ zu widerlegen.

Es sind in der Hauptsache zwei grundlegende Annahmen, auf die sich der Vorwurf gegen die syrische Regierung richtet: einmal, dass der Angriff aus der Luft ausgeübt wurde; zum anderen, dass nur die syrische Armee die Möglichkeit habe, sich Sarin zu beschaffen.

Von dem mittlerweile emeritierten MIT-Professor Theodore A. Postol kommen nun beachtenswerte Einwände zur ersten Annahme. Er meldet in seiner Einschätzung des US-Geheimdienstpapiers vom Weißen Haus erhebliche Zweifel an der darin vorgetragenen Gewissheit an, dass der chemische Kampfstoff notwendigerweise über einen Angriff aus der Luft freigesetzt wurde.

Das Giftgas könnte auch am Boden platziert worden sein und dort mit einem Sprengsatz freigesetzt worden sein, lautet Postols Einwand, den er mit einer genaueren Analyse der Fotos und Informationen im „Geheimdienst-Bericht“ begründet. Über die fachlichen Qualitäten von Postol, der als Wissenschafter mit Waffentechnologie auseinandersetzte, klärt seine MIT-Kurzbiographie auf (zu Postol s.a.: Raketenabwehr schießt scharf).

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Verfassungsschützer: „Der IS verhandelt nicht“

© dpa Ein Splitter steckt nach dem Anschlag auf den BVB-Bus nahe des Tatorts in einem Zaun.
Nach der Analyse der Bomben in Dortmund äußern sich die nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden zu den Tätern. Sie seien „mordbereit“ gewesen – und könnten auch Fans gewesen sein.

Frankfurter Allgemeine

Die Sprengsätze auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund waren nach Angaben von Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) hochprofessionell gebaut. „Die Sprengkraft war enorm“, sagte Jäger am Donnerstag in einer Sitzung des Innenausschusses im nordrhein-westfälischen Landtag. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Täter gewaltbereite Fußballfans seien.

Sie seien nicht gefasst und hätten weitere Anschläge angekündigt, sagte der Minister. „Das nehmen wir sehr ernst“. Landeskriminaldirektor Dieter Schürmann sagte: „Wir suchen nach mordbereiten Tätern“. Es werde auch nach Fingerabdrücken an den Sprengsätzen gesucht.

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Raus aus dem geistigen Ghetto

Bild: heise.de/tp
Die deutsch-türkische Community und die aufgeheizten Debatten im Vorfeld des Referendums in der Türkei. Ein Meinungsbeitrag

Von Eren Güvercin | TELEPOLIS

Die aufgeheizten Debatten im Vorfeld des Referendums in der Türkei haben einiges offenbart über die deutsch-türkische Community in Deutschland und den Zustand der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Es hat uns in ein „Wir und Ihr“-Lager zurückgeworfen. Inhalte und Argumente spielten in dieser Lagerbildung kaum eine Rolle.

Auf der einen Seite hat man Politiker und Medien, die sich bereits daran gestört fühlen, wenn Türkeistämmige sich mit Herz und Seele verbunden fühlen mit dem Land ihrer Eltern und Großeltern. Allein dies reicht schon aus, um eine wenig zielführende und hysterische Loyalitätsfrage zu stellen.

Manche Akteure scheinen nicht nachvollziehen zu können, dass hier geborene und aufgewachsene junge Deutsch-Türken immer noch eine besondere Beziehung zur Türkei haben und ganz genau mitverfolgen, in welche Richtung sich das Land ihrer Vorfahren entwickelt. Die Politik in Deutschland hat es in der Vergangenheit versäumt, und versäumt es auch heute, mit Loyalitätsforderungen, diese jungen Leute anzusprechen und ihnen auch das Gefühl zu geben, dass sie als politische Verantwortliche sich auch für diese Menschen einsetzen.

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Asylbewerber: Polen plant Internierung wie in Ungarn

Blick auf ein ungarisches Internierungslager für Asylbewerber an der serbisch-ungarischen Grenze. Foto: imago stock&people (imago stock&people)
Künftig sollen Asylbewerber in Polen in Lagern an der Grenze in Gewahrsam genommen werden.

Frankfurter Rundschau

Polen will Asylbewerber künftig in Lagern an der Grenze in Gewahrsam nehmen. An entsprechenden Bestimmungen, die das erlauben würden, werde gearbeitet, sagte Innenminister Mariusz Blaszczak am Donnerstag im polnischen Fernsehen. „Meine Aufgabe ist es, die Sicherheit der Polen zu gewährleisten“, sagte Blaszczak dem Sender Radio Zet. „Das schlechte Szenario ist eine Einwanderungswelle, die über ganz Polen schwappen könnte.“ Auf die Frage, ob er Migranten in Lagern aus Frachtcontainern hinter Stacheldraht unterbringen wolle, sagte der Innenminister: „Das ist eine Idee für eine Notfallsituation, die in Ungarn gut funktioniert hat.“

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Papst verkündet in Fatima Reintegration der Piusbrüder

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Laut dem Online-Portal „Il Faro di Roma“ könnte die von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründete „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ (FSSPX) Mitte Mai zur Personalprälatur erhoben werden

kath.net

Papst Franziskus könnte bei seinem Besuch im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima am 13. Mai auch die Rückkehr der traditionalistischen Piusbruderschaft in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche verkünden. Das berichtete die katholische Nachrichtenagentur „cath.ch“ am Mittwoch unter Berufung auf das römische Portal „Il Faro di Roma“. Demnach wird die von Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991) gegründete „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ (FSSPX) zu einer Personalprälatur erhoben. Diesen kirchenrechtlichen Status hatte Papst Johannes Paul II. etwa auch dem „Opus Dei“ gewährt.

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Aquatic Methane-Breathing Aliens Could Be Chilling on Enceladus

Concept art of Enceladus’s cracked icy surface, based on the Grand Canyon. Image: Kevin Gill. | MOTHERBOARD
Scientists find potential evidence of methanogenesis, a biological process, on Saturn’s moon Enceladus.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

The ocean interior of Saturn’s moon Enceladus may have the „temperatures and chemical energy sources necessary for habitable conditions,“ according to new research published in Science on Thursday.

This major finding is the result of an extremely tight flyby of Enceladus conducted by NASA’s Cassini spacecraft, which has been in orbit around the ringed gas giant since 2004. The data sourced from this close encounter adds to Enceladus‘ growing reputation as one of the solar system’s leading candidates in the search for alien life, and hospitable worlds beyond Earth.

„We feel pretty fortunate that we got this information about habitability,“ said J. Hunter Waite, the principal investigator of the mass spectrometer (INMS) onboard Cassini and the lead author of the paper, in a phone interview with Motherboard. „It will continue to build an interesting case for going back [to Enceladus].“

On October 28, 2015, Cassini zoomed by Enceladus at an altitude of 30 miles above the surface of this tiny moon, which is only 314 miles in diameter, small enough to fit within the length of the United Kingdom. The orbiter passed through one of the billowing plumes of vapor that frequently erupt from this world’s icy surface, and sampled its chemical contents.

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