Käßmann: Luther hat Frauen neue Möglichkeiten eröffnet

Die Rolle der Frau in der Gesellschaft hat sich nach Ansicht der evangelischen Theologin Margot Käßmann durch die Reformation vor 500 Jahren entscheidend geändert. Martin Luther (1483-1546) habe den Frauen damals trotz einiger heute kritisch zu bewertenden Zuschreibungen über ihre Aufgaben in Familie und Haushalt neue Möglichkeiten eröffnet, sagte die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Ostermontag in einem Interview von NDR Kultur Radio.

evangelisch.de

Durch Luthers Überzeugung, dass jeder getaufte Mensch „Priester, Bischof, Papst“ sei, habe er theologisch die Vorarbeit zur Zulassung von Frauen zum Pfarr- und Bischofsamt geleistet, betonte die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende und hannoversche Landesbischöfin. „Luther sagte, nicht nur wenn du im Zölibat, also im Kloster in Keuschheit lebst, bist du ein guter Mensch vor Gott, sondern auch mit Sexualität, Familie, Kindern, Gebären kannst du ein gutes, gerechtfertigtes Leben vor Gott führen“. Deshalb habe er auch die Heirat von ehemaligen Mönchen und Nonnen propagiert.

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Mehr Aufmerksamkeit für Klima-Skeptiker gefordert

Felder mit zahlreichen Windkraftanlagen bei Husum in Schleswig-Holstein (dpa picture-alliance/ Daniel Reinhardt)
Der Ethnologe Werner Krauß hat den Umgang mit Klimaskeptikern in Deutschland kritisiert.

DLF24

Es sei falsch, die Kritik am Klimawandel und an der Energiewende bloß als Exotenmeinung abzutun, sagte er im Deutschlandfunk. Der Klimawandel sei zwar ein wissenschaftlicher Fakt, doch der Umgang damit brauche eine kontroverse Diskussion. Die gebe es in der Öffentlichkeit in Deutschland aber kaum. Die AfD sei die erste Partei, die ein klimaskeptisches Programm habe. In allen anderen Parteien von der CSU bis zur Linken bestehe Konsens, betonte Krauß. Dadurch sei man in der Bundesrepublik in eine Situation gekommen, in der Klimawissenschaftler mehr oder weniger gezwungen würden, politische Entscheidungen zu legitimieren: wie man die Energiewende mache, ob man die Kohle fördere, ob es sinnvoll sei, massenhaft Windräder aufzustellen und sich vegetarisch zu ernähren. Das alles seien aber sehr komplizierte Fragen, die kontrovers diskutiert werden müssten.

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„Bund für Gotterkenntnis“ – Proteste gegen die „Ludendorffer“

Immer zu Ostern kommen die „Ludendorffer“ in Dorfmark zu einer Tagung zusammen. (Archivbild) © NDR Fotograf: Julian Feldmann
Jugendliche aus Südafrika, Israel, Osteuropa und Deutschland haben sich am Karfreitag und am Karsonnabend in Dorfmark (Heidekreis) an Protesten gegen den rechtsextremen „Bund für Gotterkenntnis“, auch bekannt als „Ludendorffer“, beteiligt.

NDR.de

Die Jugendlichen sind Teilnehmer eines internationalen Workcamps in der Gedenkstätte Bergen-Belsen, wie Charly Braun vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) erklärte. Die rund 60 jungen Leute hätten sich vorher in einem Seminar vorbereitet, erklärte Braun. Insgesamt nahmen ihm zufolge mehr als 200 Menschen an den Protesten teil.

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Selbstsäkularisierung: Der Sponti-Papst

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Bei den Kirchenkritikern kommt Papst Franziskus mit seiner Anbiederung an den Zeitgeist fabelhaft an. Leider wiederholt er damit die Fehler, die schon die evangelische Kirche gemacht hat.

Von Jan Fleischhauer | SpON

Die einzige Kirche, die man ernst nehmen kann, ist die katholische Kirche. Ich weiß, dieser Satz ist für viele Leser eine Zumutung, es tut mir auch leid, dass ich das ausgerechnet im Luther-Jahr schreiben muss. Aber so sehe ich die Dinge.

Alles, was die Kritiker an der katholischen Kirche auszusetzen haben – die Marienverehrung, den Heiligenkult, das Priestertum, die römische Liturgie – gehört für mich zu den Dingen, die für den Katholizismus sprechen. Plus natürlich die Zeit: Eine Institution, die 2000 Jahre alt ist, muss man ernster nehmen, als eine die, sagen wir, erst 500 Jahre zählt. Wer zuerst da war, hat, wenn es um die letzten Fragen geht, eindeutig die Nase vorn. Alles, was später kommt, ist bis zu einem gewissen Punkt Häresie.

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Zahl der Kirchenasyle in Hessen geht zurück

In Hessen geht die Zahl der Kirchenasyle zurück. Ein Grund: Für viele Gemeinden ist Kirchenasyl das letzte Mittel, um Menschen in Notlagen zu helfen.

Frankfurter Rundschau

Die Fälle von Kirchenasyl in Hessen sind deutlich zurückgegangen. Rund 19 sind es aktuell, wie eine Umfrage bei den evangelischen Landeskirchen und der katholischen Kirche ergab. Im Jahr 2015 lag die Zahl in Hessen noch bei 96 Fällen.

Ein Grund: Für viele Gemeinden sei das Kirchenasyl nur das letzte Mittel, um Menschen in Notlagen zu helfen, denen die Abschiebung droht, sagt Anna-Sophie Schelwis, Beauftragte für Flucht und Migration bei der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck (EKKW). Man berate Gemeinden intensiv, ob es Alternativen zum Kirchenasyl gebe, erklärt auch Wolfgang Pax vom Kommissariat der Katholischen Bischöfe im Lande Hessen.

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John Lennons „Imagine“ – was für ein Kitsch!

John Lennon (1940-1980) bei einer Demonstration 1975 in Londons Hyde Park Quelle: Hulton Archive/Getty Images
Kein Besitz, kein Hunger, kein Krieg, kein Jenseits: Der berühmte Song des Beatles könnte ein Osterlied sein – hätte er sich nicht auch gegen Religion gewandt. Da half auch keine spätere Korrektur.

Von Torsten Krauel | DIE WELT

Diese dunkle, sehnende, betörend-verstörende Melodie, an einem Frühjahrsvormittag 1971 in wenigen Stunden niedergeschrieben, hat eine ganze Generation in den Bann gezogen. „Imagine“. „Malt euch aus“. Malt euch aus, wie die Welt ohne feindliche Länder wäre, ohne Gier, ohne Besitztümer, ohne Religionen.

Die melodische Anmutung ist so, als habe John Lennon den ersten Satz der Mondschein-Sonate Beethovens ins Popkulturelle gewandelt, wie auch der Text Anklänge an Beethovens utopische „Ode an die Freude“ enthält. Hart am Rande des Kitsches bewegen sich beide, Lennon und Beethoven.

Das so sanft wie unerbittlich präsente Klavier erinnert auch an Bachs Choralvorspiel „Alle Menschen müssen sterben“, nur jeder Ergebenheit entkleidet; die Grundtonart C-Dur wendet Glaubensdemut ins Plakative, Tröstliche, Volksseelenhafte.

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Vielleicht seine erste wirklich gestohlene Wahl

Recep Tayyip Erdogan: Vorwürfe der Wahlmanipulation © Stringer/Getty Images
Erdogan wollte erreichen, dass ihm niemand mehr seine Macht nehmen kann. Dazu war jedes Mittel recht. Offenbar sogar fragwürdige Wahlmethoden.

stern.de

Am Sonntagabend brachte ein Wahlhelfer in Istanbul gerade seine Urnen zur Wahlkommission, während er im Fernsehen hörte, sein Bezirk sei bereits ausgezählt worden. Davon schrieb er auf Twitter, kurz bevor Recep Tayyip Erdogan seinen Sieg verkündete.

Der Präsident, schien es, wollte schneller sein als die Demokratie, am letzten Abend, den die Demokratie in der Türkei noch hatte. An einem Abend, der nur Verlierer kannte: die Demokratie, die Freiheit und alle Türken, die für ein Nein kämpften; aber auch Erdogan, der viel knapper gewann als erhofft, der die großen Städte Istanbul, Ankara und Izmir verlor.

Nicht gestempelte Umschläge als gültig erklärt

Und der vielleicht ganz verloren hätte ohne diese Entscheidung der Wahlkommission nach Schließung der Wahllokale – zum ersten Mal, verkündete sie, waren auch nicht gestempelte Umschläge mit Stimmzetteln gültig. Es sei denn, jemand kann beweisen, dass die Umschläge nicht gültig sind.

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1300 palästinensische Häftlinge im Hungerstreik

Eine derartige Aktion hat es seit Jahren nicht mehr gegeben: In israelischen Gefängnissen folgen Palästinenser dem Aufruf des prominenten Häftlings Marwan Barghuti, der eine lebenslange Haftstrafe absitzt.

Frankfurter Rundschau

In israelischen Gefängnissen sind am Montag mehr als tausend Palästinenser in einen Hungerstreik getreten. Wie der Beauftragte der palästinensischen Autonomiebehörde für Gefangene, Issa Karake, der Nachrichtenagentur AFP sagte, verweigern rund 1300 Häftlinge die Nahrungsaufnahme. Er kündigte an, dass diese Zahl noch weiter steigen könnte. Nach Angaben der Organisation Palestinian Prisoners Club schlossen sich sogar 1500 Häftlinge dem Hungerstreik an, um damit gegen ihre Haftbedingungen zu protestieren.

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TV-Gottesdienst aus Bethel mit Bundespräsident

Mit einem von der ARD übertragenen Festgottesdienst feiert das Diakoniewerk Bethel heutigen Ostermontag sein 150-jähriges Bestehen.

evangelisch.de

Die Predigt hält die westfälische Präses Annette Kurschus, die auch stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Im Gottesdienst in der Zionskirche in Bielefeld-Bethel berichten Menschen mit Behinderungen aus ihrem Alltag. Zum Festgottesdienst werden auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender erwartet.

Vor 150 Jahren begann in Bethel die Arbeit mit der Fürsorge für epilepsiekranke Jugendliche. Bethel gilt heute mit rund 18.000 Mitarbeitern als eines der größten diakonischen Unternehmen Europas.

Findet sich China mit einem US-Militärschlag gegen Nordkorea ab?

Südkoreanisches AKW Wolsong. Bild: IAEA/CC BY-SA-2.0
Nordkoreas missglückter Raketenstart demonstriert Schwäche, die südkoreanischen AKWs sind nach einem Bericht gegen Raketenangriffe nicht geschützt

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Nordkorea führte gestern nach der Militärparade einen weiteren Mittelstreckenraketentest durch, der aber scheiterte. Damit sollte vermutlich die Angriffskapazität der vielen Raketen, darunter auch eine noch nicht getestete Langstreckenrakete, demonstriert werden, die auf der Parade zu Ehren des Staatsgründers Kim Il-sung gezeigt wurden, aber man wollte wohl so auch den anreisenden US-Vizepräsidenten Mike Pence „begrüßen“, nachdem die USA mit dem Angriff auf Syrien und den Abwurf der „Mutter aller Bomben“ in Afghanistan auch der nordkoreanischen Führung ein Zeichen gegeben hatte. Die Aufführung ging allerdings gründlich daneben, die Rakete explodierte kurz nach dem Abschuss.

Ob nun Nordkorea so schnell wie befürchtet einen weiterem Atomwaffentest oder auch den angekündigten Test der Langstreckenrakete durchführen wird, bleibt abzusehen. Wenn sie schieflaufen sollten, wären auch die Drohungen nicht mehr so ernst zu nehmen. Der Vize-Außenminister Han Song-ryol hatte gerade erst erklärt, man werde weiterhin Atomwaffen entwickeln und nach Anweisung von Kim Jong-un einen Atomwaffentest zu beliebiger Zeit ausführen. Man sei für einen Krieg gerüstet und auch bereit, einen nuklearen Präventivschlag zu machen.

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Kardinal und Osterhase Schulter an Schulter

Zu Ostern nähren die Medien die Illusion, dass Religionen sich freiwillig der Aufklärung unterziehen. Das ist gefährlich und naiv.

Von Michael Fleischhacker | Neue Zürcher Zeitung.at

Zu Ostern und zu Weihnachten oder, wie man bei den Nachbarn sagt, an Ostern und an Weihnachten, werden die säkularen Medien fromm. Wissend, dass auch ihr aufgeklärtes, urbanes Publikum tief schlummernde religiöse oder spirituelle Bedürfnisse hat, erklären uns dann die Sturmgeschütze der Demokratie und der Aufklärung, Der Spiegel und Die Zeit, dass Ostern gefeiert wird, weil Jesus gekreuzigt wurde und auferstanden ist. Falls wer fragt, sozusagen.

Zu Ostern und zu Weihnachten lädt der öffentlich-rechtliche Rundfunk den Fürsterzbischof von Wien in die Pressestunde ein, die Regionalzeitungen sprechen mit ihren Bischöfen darüber, dass wir alle bessere Menschen werden sollten, und manchmal wenden sich dann auch die christliche Würdenträger gegen den aufkommenden Hass in der Gesellschaft und wünschen sich ein bisschen Frieden. Auch der Standard-Kolumnist rückt aus und erklärt, dass Solidarität mit den verfolgten Christen des Orients prinzipiell zulässig ist. Na schau.

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Verdi Hessen: Zoff um Burkaverbot

Vollverschleierte Frauen (Symbolfoto). Foto: Boris Roessler/Archiv
Eine Vollverschleierung ist nicht erlaubt. Diese Regelung im Tarifvertrag sorgt für anhaltenden Unmut bei den Gewerkschaften in Hessen.

Von Pitt Bebenburg | Frankfurter Rundschau

In den hessischen Gewerkschaften brodelt es wegen des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst. Im März hatten die Gewerkschaften den Abschluss unterschrieben, der auch ein Verbot der Vollverschleierung vorsieht.

Das sorgt in der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für Ärger. Dort bezweifeln viele, dass die Kleiderordnung etwas in einem Tarifvertrag zu suchen hat. Zudem sei die Vereinbarung „völlig ohne jegliche Diskussion gelaufen“, ärgert sich Jürgen Johann, der Vorsitzende des Verdi-Bezirks Südhessen. Johann hatte wie andere Gewerkschaftsfunktionäre erst durch einen Bericht der FR kurz vor der Vertragsunterzeichnung mitbekommen, dass Innenminister Peter Beuth (CDU) ein Burkaverbot im Tarifvertrag verankern wollte.

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Kirchenschätze im Verborgenen

Die alten Fenster der Gustav-Adolf-Kirche Niederursel sind inzwischen eingelagert. Foto: christoph boeckheler
Der evangelische Regionalverband Frankfurt sucht nach repräsentativen Lagermöglichkeiten für Kunstwerke. Dort sollen Artefakte unterkommen, die nach Kirchen-Umbauten keinen Platz mehr finden.

Von Julian Loevenich | Frankfurter Rundschau

Zu sehen gibt es eigentlich viel und doch wieder nicht. Denn die alten Fenster der Niederurseler Gustav-Adolf-Kirche schlummern jetzt in Holzkisten, extra angefertigt, als Schutz, auf unbestimmte Zeit verschlossen. „Was damit passiert, wissen wir noch nicht“, sagt Renate Stecay.

Stecay ist Archivarin beim Evangelischen Regionalverband Frankfurt. Sie ist damit zuständig für das neu entstandene Reliktenlager des Verbandes. Darin werde alles aufbewahrt, was schützenswert sei, sagt Stecay. Aber keinen Platz mehr gefunden hat an seinem angestammten Platz. Etwa, wenn Kirchen, wie die in Niederursel, umgebaut werden.

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Ein knapper Sieg für Erdogan – eine Niederlage für die Türkei

Erdogan stimmte wohl für Ja. – APA/AFP/OZAN KOSE
Der türkische Präsident sollte demütig damit umgehen, dass ihm nur eine sehr knappe Mehrheit noch mehr Macht in die Hände geben will. Ob er das tut, ist jedoch fraglich. Wenn er das politische System noch autoritärer macht als bisher, verlieren alle. Ein Kommentar.

Von Wieland Schneider | Die Presse.com

Er hat intensiv daran gearbeitet, hat alles daran gesetzt, um seine Wünsche durchzusetzen. Laut der Ergebnisse von Sonntagabend hat es Recep Tayyip Erdogan offenbar knapp geschafft: Etwas mehr als 51 Prozent stimmten demnach für das Präsidialsystem, das der türkische Staatschef in seinem Land einführen will – ein System, das ihm in Zukunft noch mehr Macht verleihen wird als bisher.

Doch das ist kein glänzender Sieg für Erdogan. In den Metropolen Ankara und Istanbul war der die knappe Mehrheit der Menschen gegen seine Idee von einem Präsidialsystem. Und auch türkeiweit ist nur ein sehr knappes Ja zu Erdogans Plänen herausgekommen.

Das Ergebnis erscheint noch knapper, wenn man bedenkt, dass Erdogan und seine Anhänger im Wahlkampf die geballte Macht des Staates auf ihrer Seite hatten. Denn eine faire Abstimmung war das nicht. Die Gegner einer Verfassungsänderung hatten im Wahlkampf weit weniger Raum als die Befürworter, um ihre Argumente vorzubringen – sei es in den Massenmedien oder bei Veranstaltungen. Und führende Politiker der prokurdischen Partei HDP, die gegen das Präsidialsystem ist, sowie zahlreiche Erdogan-kritische Journalisten hatten dafür überhaupt keine Möglichkeit: Sie sitzen nämlich im Gefängnis.

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Wenn der türkische Pass erst weg ist, hören auch die Albträume auf

Moritz Rinke (mit ausgebreiteten Armen) und sein Sohn in Berlin. (Foto: privat)
Warum der Schriftsteller Moritz Rinke versuchte, noch vor dem Referendum in der Türkei den zweiten Pass seines Sohnes loszuwerden. Und wie er dabei scheiterte.

Von Moritz Rinke | Süddeutsche.de

Seit Wochen habe ich Albträume. Keine Ungeheuer, keine Kannibalen, auch kein freier Fall in die Tiefe, sondern eine Passkontrolle in der Türkei mit anschließender Verhaftung meines zweijährigen Sohnes, der danach in Isolationshaft verwahrt und vom türkischen Staatspräsidenten, noch vor Anklage des Gerichts, als Putschist, als Fethullah-Gülen-Anhänger oder als PKK-Mitglied oder kurdischer Spion vorverurteilt wird.

Mein Sohn hat einen deutschen und einen türkischen Pass. Mein Sohn lebt in Deutschland, hat einen Schriftsteller als Vater, der schon den einen oder anderen kritischen Text über die türkische Regierung verfasst hat. Mein Sohn hat eine türkische Mutter, die nachweislich nicht die Regierungspartei wählt, im Gegenteil, sie demonstriert gegen sie. Mein Sohn hat Großeltern in Antalya und einen Cousin in Ankara. Und seine regierungskritische Mutter will unbedingt am 16. April, am Tag des Referendums, in die Türkei reisen, der Cousin feiert seinen fünften Geburtstag, und gegen die Zusammenführung türkischer Familien ist kein Kraut gewachsen. Nicht mal dieses schreckliche Referendum.

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SEK griff offenbar im letzten Moment in Asylunterkunft zu

Die russische Botschaft in Berlin in der Straße Unter den Linden Quelle: dpa
Ein Anschlag auf die russische Botschaft in Berlin ist offenbar im letzten Moment verhindert worden.

DIE WELT

  • Ein Marokkaner soll in sozialen Netzwerken über seine Pläne gesprochen haben.
  • Ein Spezialeinsatzkommando stürmte vor einer Woche frühmorgens ein Asylbewerberheim bei Leipzig und nahm ihn fest.

Der geplante Anschlag am vergangenen Wochenende auf die russische Botschaft in Berlin ist laut „Bild am Sonntag“ (Bams) erst im letzten Moment verhindert worden.

Der am Sonnabend vergangener Woche bei Leipzig festgenommene Marokkaner soll in sozialen Netzwerken unter mehreren Aliasnamen über seine Pläne gesprochen haben. Auf diese Weise kamen ihm die Behörden auf die Spur.

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Inside Italy’s Thriving Market for Earthquake Pseudoscience

The town of Arquata del Tronto, partially destroyed by August 24 earthquake. Image: Federico Formica
Legitimate fears of deadly earthquakes are fueling a cottage industry of bogus detectors and predictors.

By Frederico Formica | MOTHERBOARD

Earthquakes are a fact of life in central Italy. On January 18, the area was hit by five shocks, all with magnitudes stronger than 5.0 on the Richter scale in a single day. People who live in the regions of Abruzzo, Marche, Lazio and Emilia Romagna coexist with the threat of earthquakes. Eight times over the last ten years, quakes stronger than 5.5 magnitude shook the faults of the Apennine Mountains.

In a country where most buildings were built centuries ago, without any quake-proofing techniques, these magnitudes are enough to destroy whole towns. The lives of many Italians hang by a thread, as approximately 24 million people live in high seismic hazard areas. Fear of earthquakes is innate in this region.

This fear has made some Italians more inclined to believe in scientifically suspect theories in the hopes that someone, anyone, will predict the next time the earth shakes. Even regular citizens are starting to hunt for ways to predict earthquakes.

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Was das Christentum vom Judentum kopierte

Ein Gemälde der Dreifaltigkeit aus der Basilica di Santa Croce in Lecce (Apulien). (Foto: imago/imagebroker)
Zu Zeiten Jesu wurden im Judentum mitunter mehrere Götter verehrt – der Monotheismus kam erst durch das Christentum. Judaistik-Professor Peter Schäfer über die Frühzeit zweier Weltreligionen.

Interview von Oliver Das Gupta | Süddeutsche.de

Peter Schäfer, Jahrgang 1943, gilt weltweit als einer der besten Kenner der jüdischen Antike und des jüdischen Mittelalters. Der Wissenschaftler lehrte als Professor unter anderem in Princeton, heute leitet er als Direktor das Jüdische Museum Berlin. Schäfer veröffentlichte zahlreiche Bücher, zuletzt erschien bei C.H. Beck Zwei Götter im Himmel: Gottesvorstellungen in der jüdischen Antike“.

SZ: Glauben Sie an den lieben Gott, Herr Schäfer?

Peter Schäfer: Ich gebe mir Mühe und versuche es.

Immerhin. Die Erkenntnisse, die Sie zum Vorschein gebracht und zusammengetragen haben, erschüttern die gängige Vorstellung von altem Judentum und dem frühen Christentum. Sie behaupten, bis zu Jesu Lebzeiten habe es im Judentum Vorstellungen von zwei göttlichen Gestalten im Himmel gegeben. Bekommen Sie großen Unmut zu spüren?

Manche Leute reagieren tatsächlich wütend. Ein evangelischer Pfarrer schrieb mir unlängst sinngemäß: Alles Quatsch, alles völlig absurd, ich hätte keine Ahnung.

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Wenn ein Bauherr der Garnisonskirche offensiv gegen völkisches Denken vorgehen will

„Wenn der Rechtspopulismus wieder beginnt, völkisches Denken zu verbreiten oder wieder beginnt, unterschiedliche Menschengruppierungen unterschiedlich in ihrer Würde zu bewerten, dann müssen wir eine Kirche sein, die offensiv dagegen vorgeht“, so Dröge.

evangelisch.de

Der Berliner Bischof Markus Dröge hat sich erneut für eine klare Positionierung der Kirche gegen den Rechtspopulismus ausgesprochen. „Wenn der Rechtspopulismus wieder beginnt, völkisches Denken zu verbreiten oder wieder beginnt, unterschiedliche Menschengruppierungen unterschiedlich in ihrer Würde zu bewerten, dann müssen wir eine Kirche sein, die offensiv dagegen vorgeht“, sagte Dröge dem in Berlin erscheinenden „Tagesspiegel“ (Sonntag).

Dabei könne die aktuelle Entwicklung in Deutschland aber nicht mit der Endphase der Weimarer Republik verglichen werden: „Wir haben keine instabile Gesellschaft wie Anfang der Dreißiger Jahre. Wir haben gefestigte demokratische Institutionen und eine sichere Wirtschaftslage“, so der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

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UK rabbi-politician burns Christian Bible, sparking ire

Rabbi Shneur Odze, running as UKIP candidate for Manchester mayor, August 2013. (Screen capture: YouTube) The Times of Israel
UKIP Manchester mayoral candidate Shneur Odze criticized for tweeting image of smoldering scriptures on Passover eve

The Times of Israel Staff

A high-profile rabbi and aspiring politician stirred up controversy in British media when he burned a Bible on the eve of Passover.

Rabbi Shneur Odze, a 33-year-old United Kingdom Independence Party (UKIP) candidate for mayor of Manchester, tweeted a photo of the burning bible last Monday.

“Grateful to whoever put a missionary bible amongst our synagogue’s books. Was wondering what I’d burn my Chametz with,” he tweeted, a reference to the leavened bread that Jews destroy on the eve of the Passover festival.

The tweet has since been deleted, but Britain’s Daily Mail reported on the incident on Sunday.

The Hebrew-English Bible was published by the Society for Distributing Hebrew Scriptures and placed in a local synagogue without permission by a member of the Christian group.

Odze claimed that the book contained not only the Old Testament, which Orthodox Jews consider holy, but also the Christian New Testament. The rabbi told the Mail that he had no option but to burn it, since it was produced by “an extreme proselytizing Christian sect of former Jews trying to convert practicing Jews to a belief in Christ as the prophesied Messiah.”

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