Auferweckung im Christentum: „Ich empfehle theologische Aufräumarbeit“


Magnus Striet, Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Freiburg. (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg / Britt Schilling)
Menschen erhoffen die Überwindung des Todes. Dennoch gebe es heute in Glaubensfragen „keine Gewissheiten mehr“, sagte der katholische Fundamentaltheologe Magnus Striet im Deutschlandfunk. Nur diese eine: „Menschen können nicht anders, als eine Haltung zum Sterben-Müssen und zum kommenden Tod einzunehmen.“

Magnus Striet im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Im Islam dominiert also Jenseits-Gewissheit; und im Judentum wird die Auferweckung der Toten eher vage und als Suchbewegung formuliert. Aber was sagt die christliche Theologie? Auch sie ist längst nicht so eindeutig, wie man meinen könnte, rund ums christliche Osterfest, in dessen Mittelpunkt die Auferweckung Jesu steht. Was meint Auferweckung und was meint das für den Einzelnen heute? Wir werden hier sicher keine Glaubensantworten präsentieren können, aber wir können Fragen stellen. Denn die Frage, was wird mit mir, wenn ich tot bin, die ist wohl so alt wie der Mensch. Dass der Mensch diese Frage stellen kann und immer wieder stellt, das unterscheidet ihn vermutlich von Mücken oder vielleicht sogar von Schimpansen. Was wird mit mir nach dem Tod? Das will ich wissen von Magnus Striet. Er ist katholischer Theologe oder um genau zu sein: Er ist Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Freiburg im Breisgau. Sein jüngstes Buch, 2015 erschienen, behandelt genau unser Thema. Es hat den Titel „Gottes Schweigen. Auferweckungssehnsucht – und Skepsis“. Guten Morgen Herr Striet.

Magnus Striet: Guten Morgen.

Main: Magnus Striet, wenn selbst Sie als Theologe von Auferstehungsskepsis sprechen, anstatt mir mit Gewissheit sagen zu können, was nach christlicher Lehre aus mir wird nach dem Tod, dann ist doch wohl Holland in Not?

Striet: Ja, zunächst einmal sind Theologen ja nicht aus der Zeit herausgefallen, sondern leben in ihrer Gegenwart. Und da wäre es natürlich fatal, wenn sie die Gedanken, Bewegungen, die dazu geführt haben, dass Skepsis aufgekommen ist, nicht nachvollziehen würden. Historisch betrachtet wird man natürlich schon sagen dürfen, dass die Auferweckungsgewissheit sich ausgeprägt hat, also in den ersten Jahrhunderten nach Christus, und dass es auch über lange Zeit angehalten hat. Aber spätestens seit dem 19. Jahrhundert ist auch der Zweifel, ob denn tatsächlich etwas nach dem Tod kommt, allgemein geworden.

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