Die Inflation des Heiligen

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Nun ist es offiziell: Papst Franziskus wird anlässlich seiner Fatima-Reise die beiden Seherkinder Jacinta und Francisco heiligsprechen. Daneben will er 35 weitere Menschen ins Heiligenbuch einschreiben. Katholisch.de stellt die neuen Heiligen vor.

katholisch.de

Papst Franziskus hat bereits mehr Menschen heiliggesprochen als jeder einzelne seiner Vorgänger. Und nun will er 37 neue Glaubenszeugen ins Heiligenbuch der Kirche eintragen. Am Donnerstag hatte er sich dazu im Konsistorium mit seinen Kardinälen beraten und ihre Zustimmung eingeholt. Zugleich wurden auch die beiden Termine für die Kanonisierungsfeiern bekannt gegeben. Das sind die neuen Heiligen.

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Geldstrafe wegen Islam-Beschimpfung

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Gotteslästerung – das klingt nach Mittelalter. Der Paragraph 166 „Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen“ steht aber im Strafgesetzbuch: Wer das religiöse oder weltanschauliche Bekenntnis eines anderen beschimpft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft.

OVB online.de

Nur eine Handvoll Verurteilungen gibt es jedes Jahr. Einer Münchnerin ist der Paragraph gestern zum Verhängnis geworden. Jenny S. (31, Name geändert), Krankenschwester in Babypause, hatte im Netz gegen Muslime gehetzt. Ihre Erklärung: Die Berichte über die Kölner Silvesternacht hätten sie verängstigt, die „Flüchtlingswelle“ besorgt. Im sozialen Netzwerk von Google hatte S. in eine öffentlich zugängliche Gruppe Namens „Das Reich“ zwei Fotos geladen. Eines zeigt einen Mann mit Hakenkreuz auf dem nackten Oberkörper, strafbar als „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“. Das andere Bild zeigt einen Hund. Er sitzt über der Kaaba, dem Heiligtum des Islam, und kotet auf das quaderförmige Haus in Mekka. Überschrift: „Ich scheiß drauf!“

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AfD mit Themenabend zu Hitlers Geburtstag gescheitert

Logo der AfD (Symbolfoto). Foto: dpa
Die AfD wollte am 20. April, dem Geburtstag Adolf Hitlers, einen Themenabend in einem Restaurant abhalten. Nach Protesten wird die Reservierung storniert.

Von Ute Fiedler | Frankfurter Rundschau

Ausgerechnet für den heutigen Donnerstag, 20. April, am Geburtstag Adolf Hitlers, hatte der Wiesbadener Kreisverband der AfD zu einem Themenabend eingeladen. Im „Andechser“ im Ratskeller am Schloßplatz sollte Sebastian Münzenmaier, der rheinland-pfälzische Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, über die „AfD im Schicksalsjahr 2017“ sprechen. Doch nach heftigen Auseinandersetzungen über die Plattform Facebook stornierte Restaurantleiter Bechir Nefzi gestern die Reservierung.

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Tschetschenien macht Jagd auf Homosexuelle

Ramsan Kadyrow ist in Tschetschenien der Statthalter Moskaus. (Bild: Denis Tyrin / AP)
Der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow lässt homosexuelle Männer verschleppen und foltern. Mindestens drei Opfer sollen ermordet worden sein.

Von Ann-Dorit Boy | Neue Zürcher Zeitung

Etwa eine Handvoll tschetschenischer Männer pro Tag rufen gegenwärtig die Notrufnummer der Homosexuellen-Vereinigung «Russisches LGBT-Netzwerk» an. Sie brauchen Hilfe, um vor der grössten Hetzkampagne gegen Homosexuelle zu fliehen, die es in der nordkaukasischen Republik je gegeben hat. Die Anrufer fürchten um ihr Leben. Sie verlassen ihre Heimat in dem Wissen, dass sie möglicherweise nie wieder zurückkehren oder Kontakt zu ihren Familien aufnehmen können. Bis danhin sind nach Informationen des Netzwerks mindestens 25 Tschetschenen tatsächlich nach Zentralrussland oder ins Ausland entkommen. Weitere 30 Männer bereiten sich mit seiner Hilfe auf die Abreise vor.

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Mormonen: 2 Männer, 31 Ehefrauen, 146 Kinder

Winston Blackmore steht seit dem 18. April 2017 in Cranbrook in der kanadischen Provinz British Columbia vor Gericht. Bild: Twitter
In Kanada ist Polygamie verboten. Zwei Mitglieder einer Mormonensekte meinten, dem Gesetz entkommen zu können. Jetzt stehen sie vor Gericht.

20min.ch

Am Dienstag hat in Cranbrook in der kanadischen Provinz British Columbia der Prozess gegen Winston Blackmore und James Marion Oler begonnen. Die beiden Männer sind wegen Polygamie angeklagt. Blackmore hat 27 Ehefrauen, Oler 4 – beide zusammen haben 146 Kinder gezeugt.

Die Angeklagten sind selbsternannte Bischöfe einer radikalen Mormonensekte in der Ortschaft Bountiful, 700 Kilometer östlich von Vancouver. Sie folgen der Lehre von Joseph Smith, dem Gründer der Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latterday Saints (kurz FLDS), die an der Vielehe festhält. Nur: In Kanada ist Polygamie seit über 127 Jahren verboten.

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Somuncu über AKP-Anhänger: „Sie würden nicht eine Woche in der Türkei leben können“

Der türkischstämmige Kabarettist Serdar Somuncu versucht zu verstehen, warum so viele Deutschtürken für das Referendum gestimmt haben Quelle: pa/dpa/Karlheinz Schindler/dpa-ZB
Serdar Somuncu hat die Deutschtürken, die für Erdogans Referendum gestimmt haben, scharf kritisiert. Leute, die den Türken vorschrieben, sich einer Diktatur unterzuordnen, haben ihren „Platz hier verloren“.

DIE WELT

Mit scharfen Worten hat Kabarettist Serdar Somuncu die Türken in Deutschland kritisiert, die beim Verfassungsreferendum mit „Ja“ gestimmt haben.

„Viele von denen, die hierzulande die AKP bei dem Referendum unterstützt haben, würden wahrscheinlich nicht einmal eine Woche in der Türkei leben können, weil ihnen dann elementare Freiheiten fehlen würden“, sagte Somuncu in der Sendung Stern-TV.

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Ausgerechnet diese Firmen sorgten für Trumps Spendenrekord

Donald Trump bei seiner Amtseinführung im Januar Quelle: Getty Images/Getty Images North America
Bei seiner Amtseinführung hat Donald Trump einen Rekord aufgestellt: Er sammelte rund 107 Millionen Dollar Spenden ein.

DIE WELT

  • Barack Obama hatte bei seiner ersten Amtseinführung 53 Millionen Dollar an Spenden erhalten.
  • Besonders profitierte Trump bei den Spenden von Firmen, die noch auf Entscheidungen der US-Regierung warten.

US-Präsident Donald Trump hat mit der Spendenaktion während der Zeremonie zu seiner Amtseinführung im Januar eine Rekord-Summe von rund 107 Millionen US-Dollar gesammelt. Damit wurden Veranstaltungen rund um die Amtseinführung bezahlt, ein Teil des Geldes ist für karitative Zwecke eingeplant. Die Summe bricht den bisherigen Rekord, der vor acht Jahren bei Barack Obamas Amtseinführung aufgestellt worden war.

Nun zeigt sich jedoch, dass die erfolgreiche Aktion in diesem Jahr besonders von US-Firmen profitiert hatte, die sich derzeit in politischen Fragen der republikanischen Administration gegenübersehen. Das geht aus Dokumenten hervor, die am Mittwoch von der Kommission zur Wahlkampffinanzierung veröffentlicht worden sind. Demnach hat beispielsweise das Telekommunikationsunternehmen AT&T für die Veranstaltung im Januar 2,1 Millionen Dollar gespendet. Das Unternehmen wartet gerade darauf, dass auf Bundesebene die Fusion mit dem Medienkonzern Time Warner abgesegnet wird.

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Erdzwilling „auf dem Präsentierteller“

Die potenziell lebensfreundliche Supererde LHS 1140b umkreist einen kleinen, lichtschwachen Roten Zwerg (illustration) © ESO/ spaceengine.org
Astronomen haben eine nahe Supererde entdeckt, die möglicherweise noch lebensfreundlicher und erdähnlicher ist als die sieben erst vor kurzem entdeckten TRAPPIST-1-Planeten. Der neue Erdzwilling LHS 1140b liegt nur knapp 40 Lichtjahre entfernt und kreist in der habitablen Zone eines Roten Zwergs. Das Entscheidende aber: Seine Bahn führt ihn direkt vor seinem Stern vorbei – das erleichtert die Suche nach Leben und die Erforschung seiner Atmosphäre.

scinexx

Erdähnliche Planeten sind im Universum keine Seltenheit: Selbst in unserer direkten Nachbarschaft haben Astronomen inzwischen Erdzwillinge entdeckt, darunter den nur rund vier Lichtjahre entfernten Planeten Proxima Centauri b, eine lebensfreundliche Supererde in 14 Lichtjahren Entfernung und das aus gleich sieben potenziell lebensfreundlichen Planeten bestehende System um den Stern TRAPPIST-1 in 39 Lichtjahren Entfernung.

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Thüringen: CDU fordert Bundesbeauftragten für Abschiebungen

Abflug (Symbolfoto) © MiG
Die CDU in Thüringen fordert einen Bundesbeauftragten „für Asylfragen“. Er soll in den Bundesländern die Umsetzung der bestehenden Abschieberegelungen kontrollieren und Anweisungen erteilen.

MiGAZIN

Die Thüringer CDU fordert eine härtere Gangart des Bundes gegen Bundesländer, die kaum Abschiebungen vornehmen. Dazu sollen „Bundesbeauftragte für Asylfragen“ entsandt werden, sagte der Eisenacher Bundestagsabgeordnete Christian Hirte laut der Ostthüringer Zeitung. Die Beauftragten sollten die Umsetzung des bestehenden Ausländerrechts überprüfen und notfalls Anweisungen erteilen, sagte Hirte, der CDU-Vizeparteichef in Thüringen ist.

„Der Bund hat laut Artikel 84 des Grundgesetzes die Möglichkeit, gegenüber den Bundesländern Maßnahmen zu ergreifen“, betonte der Politiker. Es gebe immense Unterschiede zwischen den Ländern bei der Abschiebung von abgelehnten Asylanwärtern. Aus politischen oder ideologischen Gründen sperrten sich einzelne Länder wie Schleswig-Holstein und Thüringen nahezu völlig gegen Abschiebungen.

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Der Kronzeuge

Blick auf ein Reisebüro in Duisburg. Hier soll Hassan C. im Hinterzimmer Jugendliche radikalisiert haben. © Christoph Reichwein/dpa
Sein Weg erinnert an den des Berliner Attentäters Anis Amri. Nun ist der frühere IS-Anhänger Anil O. bereit, gegen die Anführer der deutschen Islamistenszene auszusagen.

Von Daniel Müller | ZEIT ONLINE

Vielleicht waren es die Bomben, die nur wenige Meter von seinem Haus entfernt einschlugen. Vielleicht waren es die Gräueltaten seiner Glaubensbrüder, die er Tag für Tag miterlebte. Vielleicht war es auch dieses jesidische Mädchen, das plötzlich in seinem Wohnzimmer stand, kaum zehn Jahre alt. Die Männer in den schwarzen Gewändern hatten es ihm wie ein Stück Fleisch präsentiert: Er könne die Kleine als Sexsklavin halten.

Rakka, Syrien, im September 2015. Anil O., 21 Jahre alt, ist noch keine vier Wochen in der damaligen Hauptstadt des selbst ernannten „Islamischen Staates“ (IS), als sein Traum zerplatzt. Er hatte sich das Leben beim IS ganz anders vorgestellt. Gerecht, pflichtbewusst, fromm. Jetzt will er nur noch weg.

Rund ein Jahr später landet Anil O. am Flughafen Düsseldorf. Dort wird der Deutschtürke von der Bundespolizei festgenommen – wegen des „dringenden Verdachts der Mitgliedschaft in der ausländischen terroristischen Vereinigung ‚Islamischer Staat'“, wie es im Haftbefehl der Bundesanwaltschaft heißt. Hier könnte die typische Geschichte vom Rückkehrer beginnen, der sich mehr oder weniger glaubwürdig von der Terrormiliz lossagt. Der angeklagt und verurteilt wird und für einige Jahre ins Gefängnis muss. Doch dies ist eine andere Geschichte. Denn Anil O. ist nicht irgendein Rückkehrer. Er kennt die wichtigsten Figuren der deutschen Islamistenszene. Und er ist bereit, gegen sie auszusagen.

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„Sarrazin und Erdogan arbeiten Hand in Hand“

Türken auf den Kurfürstendamm in Berlin nach Bekanntgabe der vorläufigen Ergebnisse des türkischen Verfassungsreferendums.Foto: Reuters
Islamfeinde und Populisten befeuern das Wahlverhalten wie das der deutschen Türken für Erdogan, sagt Migrationsforscher Haci-Halil Uslucan. Dabei seien viele Einwanderer im Alltag viel weniger konservativ.

Von Andrea Dernbach | DER TAGESSPIEGEL

Die Schlagzeilen lauten gerade: 63 Prozent der in Deutschland lebenden Türken haben für Erdogans autoritäre neue Türkei gestimmt. Was sagt das über die größte ethnische Einwanderergruppe in diesem Land aus?

Nicht viel. Die Stimmen für Erdogan kamen in Wirklichkeit von 13 Prozent aller hier lebenden Türkeistämmigen. Natürlich ist es nicht gut, dass Leute, die hier leben, für Einschränkungen der Freiheit anderswo sind. Aber aus dieser Zahl muss man kein Skandalon machen.

Weil das heißt: Die übrigen 87 Prozent waren gegen eine Ein-Mann-Herrschaft in der Türkei?

Auch das lässt sich nicht sagen. Fürs Nichtwählen gibt es immer vielfältige Gründe. Das kann Desinteresse ebenso sein wie aktiver Verzicht, der eine politische Aussage enthält. Es gibt ja auch viele ganz apolitische Menschen, nicht nur unter Türken. Die lassen sich aber nicht alle zum Gegenlager rechnen.

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LHC: Hinweis auf unbekanntes Teilchen?

Bild: LHC Genf
Spannende Diskrepanz: Eine Anomalie bei Protonenkollisionen im Large Hadron Collider (LHC) könnte auf ein noch unbekanntes Teilchen hindeuten. Bei Zerfällen des sogenannten B-Mesons wurden deutlich mehr Elektronen als Myonen erzeugt – nach dem Standardmodell müssten beide jedoch gleich häufig sein. Noch reicht die Signifikanz für eine Entdeckung nicht aus, die Anomalie passt aber zu weiteren, früher schon festgestellten Abweichungen.

scinexx

Von den energiereichen Kollisionen im Teilchenbeschleuniger LHC erhoffen sich die Physiker Antworten auf offene Fragen zum Standardmodell – und möglicherweise die Entdeckung noch unbekannter Teilchen. Tatsächlich gab es seit der Entdeckung des Higgs-Bosons Abweichungen bei den Teilchenzerfällen, die auf ein schweres, noch unbekanntes Boson hinzudeuten schienen. Und auch beim Zerfall der sogenannten B-Mesonen im Detektor LHCb wurden schon mehrfach Anomalien registriert.

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Zentralrat der Muslime: „Die AfD ist auf dem Weg, die NPD komplett aufzusaugen“

© dpa Der stellvertretende AfD-Parteichef Alexander Gauland und die Bundesvorsitzende Frauke Petry
Der Zentralrat der Muslime warnt nach dem Spitzenkandidatur-Verzicht von Frauke Petry vor einer weiteren Radikalisierung der AfD. Der stellvertretende Parteichef Gauland sagt mit Blick auf Erdogan-Unterstützer: „Sie gehören nicht hierher.“

Frankfurter Allgemeine

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland sieht nach dem Verzicht von Parteichefin Frauke Petry auf eine AfD-Spitzenkandidatur den Weg frei für noch radikalere und islamfeindlichere Kräfte in der Partei: Während Petry immerhin noch zu einem kritischen Dialog beispielsweise mit dem Zentralrat der Muslime bereit gewesen sei, hätten sich dem andere Kräfte aus der Parteiführung komplett verweigert, sagte Zentralratsvorsitzender Ayman Mazyek im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Donnerstag. „Die AfD ist auf dem Weg, die NPD komplett aufzusaugen.“

Grünen-Chefin Simone Peter sagte der „Rheinischen Post“: „Frauke Petry wird wie einst Bernd Lucke die Geister, die sie rief, nicht mehr los.“ Mit Petrys Verzicht auf die Spitzenkandidatur häute sich die AfD weiter. „Zum Vorschein kommt immer mehr die rechtsextreme Gesinnung dieser menschen- und europafeindlichen Partei.“

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Trotzdem bin ich gegen Impfpflicht!

Bild: Centers for Disease Control/Barbara Rice (Public Domain – USGov)

Seuchen wie Masern sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Die Zahl der Impfgegner steigt, Einwanderer bringen Krankheiten mit. Soll der Staat eine Impfpflicht einführen? Unsere Autoren streiten.

Von Kathrin Spoerr, Holger Kreitling | DIE WELT

Dreihunderteinunddreißig Menschen erkrankten im letzten Jahr an Masern. Das ist wenig, wenn man große Zahlen dagegen hält: Ungefähr zehn mal so viele (3214) starben 2016 bei Unfällen im Straßenverkehr, 700 mal so viele (233.716) starben im Jahr davor an Krebs.

Es besteht also kein Grund, den nationalen Notstand auszurufen, nur weil eine Kinderkrankheit zurückkehrt, die Deutschland eigentlich bereits ausgerottet haben wollte. Das könnte man meinen. Das meinen auch viele. Bittesehr. Dies ist ein freies Land.

Wenn das Meinen aufhört und das Tun beginnt, dann ist auch die Grenze der Toleranz schnell erreicht. Zum Beispiel dann, wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen. Sie entscheiden ja nicht für sich allein, was schon verrückt genug wäre, sondern für ihre Babys, die sich nicht gegen ihre Eltern wehren können. Es spricht sehr viel dafür, diesen Eltern die Freiheit zu nehmen und eine staatliche Impfpflicht einzuführen.

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Dumme, ignorante Wähler wählen schlechte Regierungen

Platon (links, vor der Kunstakademie in Athen) hielt das Volk für zu uninformiert, um gute Regierungen zu wählen.Foto: dpa
Brexit und der Aufstieg Donald Trumps haben das Vertrauen in die Vernunft der Wähler in Demokratien beschädigt. Der amerikanische Philosoph Jason Brennan plädiert dafür, künftig nur noch politisch informierte Bürger entscheiden zu lassen. Ein Gespräch über „Epistokratie“.

Von Sabine Sasse | DER TAGESSPIEGEL

Der amerikanische Politikwissenschaftler und Philosoph Jason Brennan, 37, stellt in seinem soeben erschienenen Buch „Gegen Demokratie“ (aus dem Englischen von Stephan Gebauer, Ullstein Verlag, Berlin, 464 Seiten, 24 €) eine provokante These auf. Er behauptet, dass das Wahlrecht für alle oft zu fatalen Ergebnissen geführt habe und deshalb nur noch politisch informierte Bürger wahlberechtigt sein sollten. Brennan lehrt Strategie, Wirtschaft, Ethik und Öffentliche Ordnung an der Georgetown University in Washington D.C. Vor wenigen Tagen präsentierte er sein Buch in Berlin.

Mr Brennan, Sie plädieren in Ihrem Buch für eine Epistokratie, eine sogenannte Philosophenherrschaft, in der nur noch gebildete, politisch informierte Bürger wählen dürfen.

Wenn man sich die Modelle ansieht, wie Demokratien nach philosophischen Vorstellungen funktionieren sollten und dann die empirischen Daten, wie es in Wirklichkeit zugeht, besteht ein großes Missverhältnis. Klar ist, dass die Qualität unserer Regierungen zum großen Teil von der Qualität der Wähler abhängt. Aber die meisten von ihnen sind schlecht informiert und wissen kaum etwas über Politik. Als Ergebnis hat man dann eine schlechte Regierung. Die Folge sind womöglich Kriege, Mauern oder eine schlechte Sozialpolitik.

Sie folgen Platon, der das Volk für zu dumm, irrational und unwissend hielt, um sich eine gute Regierung zu geben. Aber sind die meisten heute nicht besser informiert als vor 2500 Jahren?

Platon hatte keine Daten, um seine Behauptungen zu stützen, aber wir haben sie, ganz besonders in den USA. Trotzdem lag Plato größtenteils richtig. Die Leute sind nicht unbedingt inkompetent, aber sie haben keinen Anreiz, sich anders zu verhalten. In der Wirtschaftslehre nennen wir das rationale Ignoranz. Die Leute entscheiden sich nur, Informationen zu konsumieren und zu behalten, wenn es für sie nützlich oder interessant ist.

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Polen: EU-Rats-Präsident Tusk sagt als Zeuge aus

EU-Rats-Präsident Donald Tusk (Bild: Czarek Sokolowski / AP)
In einem umstrittenen Strafverfahren im Zusammenhang mit dem Flugzeugabsturz von Smolensk hat Donald Tusk als Zeuge ausgesagt. Er könnte sich auch selbst bald auf der Anklagebank wiederfinden.

Von Meret Baumann | Neue Zürcher Zeitung

Unter grosser öffentlicher Aufmerksamkeit ist der EU-Rats-Präsident Donald Tusk am Mittwoch von der Warschauer Staatsanwaltschaft als Zeuge einvernommen worden. In dem Verfahren wird zwei polnischen Generälen vorgeworfen, 2010 als führende Mitarbeiter des Spionageabwehrdiensts SKW ohne Erlaubnis der Regierung mit dem russischen Geheimdienst FSB kollaboriert zu haben. Tusk amtete damals als Ministerpräsident Polens. Die beiden Generäle sollen kurz nach dem Flugzeugabsturz von Smolensk, bei dem der damalige polnische Staatspräsident Lech Kaczynski sowie über 90 weitere Angehörige der Elite des Landes ums Leben kamen, ein Abkommen mit dem FSB geschlossen haben.

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Weißes Haus will Papst um Treffen mit Trump bitten

Image: NBCNews/YouTube
Das Weiße Haus will sich um ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Papst Franziskus bemühen.

Frankfurter Rundschau

Man wolle Kontakt zum Vatikan aufnehmen, um zu klären, ob eine Audienz möglich sei, sagte Trumps Sprecher Sean Spicer in Washington. Seit Wochen wird spekuliert, ob Trump bei seiner Reise zum G7-Gipfel nach Sizilien Ende Mai das Oberhaupt der katholischen Kirche in Rom besuchen wird. Wenn nicht, würde das als Affront gewertet. Franziskus hatte vor der US-Wahl Trump für dessen Pläne, eine Mauer zu Mexiko zu bauen, kritisiert und das unchristlich genannt.

Sind Bayerns Kirchen No-Go-Areas für junge Menschen?

Bayerns Kirchen haben meist ein älteres Publikum. (Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)
In Uganda gibt es im Gottesdienst häufig richtig Rabatz, erzählt unsere Kolumnistin. In ihrer neuen Heimat Deutschland findet sie dagegen ein anderes Bild vor.

Von Lillian Ikulumet | Süddeutsche.de

Kürzlich sprachen wir bei einem Treffen mit Freunden über Religion. Als gläubige Christin nutzte ich die Gelegenheit für eine Einladung in die Sonntagsmesse. Die Resonanz? Wenig begeistert. Nur Greise würden noch in die Kirche gehen, war die Antwort. Nur Leute, die sich mehr mit dem Tod auseinandersetzen als mit dem Leben.

Wenn man regelmäßig in bayerischen Kirchen zu Gast ist, bleibt die Erkenntnis: Meine Freunde hatten nicht unrecht. Hier scheinen sich die jungen Leute jedenfalls kaum für die Sonntagsmessen zu interessieren. Im Gegenteil: Wenn man sich umschaut, wirken viele Kirchen eher wie jugendliche No-Go-Areas. Dass in katholischen Gottesdiensten überwiegend grauhaarige Menschen sitzen, ist in Bayern wahrscheinlich nicht neu. Wenn man 30 Jahre lang in Uganda in die Kirche gegangen ist, erscheint es jedoch ungewöhnlich.

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Geldstrafen für Doppelstaatsbürger: Einseitig gegen Türken in Österreich

Seit Jahren kooperieren die türkischen Behörden nicht mehr mit den hiesigen in Sachen illegale Doppelstaatsbürgerschaften

Von Irene Brickner | derStandard.at

Mit seinem Vorschlag, illegale österreichisch-türkische Staatsbürgerschaften mit hohen Geldstrafen zu ahnden, knüpft Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) nahtlos an seine zahlreichen bisherigen Verschärfungspläne an: Um Härte zu signalisieren, geht er rein symbolpolitisch vor – und richtet darüber hinaus auch integrationsmäßig Schaden an.

Denn erstens weiß niemand, wie viele in Österreich eingebürgerte Türken weiterhin einen türkischen Pass besitzen – und überhaupt, wie viele (großteils übrigens völlig legale) Doppelstaatsbürger es im Lande insgesamt gibt. Auf entsprechende parlamentarische Anfragen gab es vom Innenministerium bisher immer nur die Antwort: „Das wird nicht erhoben.“

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Climate Change: The Taliban Want to Go Green

Image: Abdul Khaliq, AP
I asked the Taliban about their sudden interest in battling climate change.

By Austin Bodetti | MOTHERBOARD

On February 26, Taliban leader Mullah Hibatullah Akhundzada took to social media to ask Afghans to „plant one or several fruit or non-fruit trees for the beautification of Earth and the benefit of almighty Allah’s creations.“

The announcement proved strange not only because of its message but also because, though the Taliban might issue many such statements, Akhundzada rarely signs them. So I contacted Qari Muhammad Yousuf Ahmadi and Zabihullah Mujahid, spokesmen for the Islamic Emirate of Afghanistan, the Taliban’s self-styled government in exile, to talk about the insurgents‘ counterintuitive plans to go green.

„The US invasion destroyed many sectors of Afghanistan, including the environment, in a very bad way and for the long term,“ Mujahid told me via WhatsApp. „The Islamic Emirate of Afghanistan has the perfect plan for environmental protection through planting trees. Every citizen of the country should plant at least one tree a year. Also, we support all actions taken for the support of the environment, including the state’s efforts to invest in this sector. In fact, we support any action to this end.“

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