Wie man einen Menschen „human“ hinrichtet


Der Mediziner Joseph-Ignace Guillotin (1738-1814) plädierte für einen „humanen“ Strafvollzug Quelle: picture-alliance / Leemage
Zwei Mediziner, ein Klavierbauer und ein Henker machten sich 1792 daran, die Todesstrafe „schmerzfrei“ zu machen. Heraus kam eine Maschine, „die nicht die Hand des Menschen mit einem Mord befleckt“.

Von Florian Stark | DIE WELT

Dass der Beruf des Henkers Erfahrung erfordert, musste beizeiten Maria Stuart erleiden. Als die Ex-Königin von Schottland 1587 das Schafott in Schloss Fotheringhay bestieg, brauchte der Scharfrichter drei Axtschläge, um Marias Kopf endlich vom Körper zu trennen. Der erste Schlag hatte den Hinterkopf getroffen, der zweite nicht alle Muskelfasern am Hals durchtrennt. Erst der dritte Schlag wurde dem Todesurteil gerecht. Obwohl das Köpfen bis ins 19. Jahrhundert hinein als „humanste“ Hinrichtungsart galt – zumindest im Verhältnis zum Vierteilen, Pfählen oder Verbrennen – , war es doch stets mit erheblichen Risiken für den Delinquenten verbunden.

Das wollte die Französische Revolution ändern. Der erste, dem im April 1792 die höchst zweifelhafte Möglichkeit eröffnet wurde, eine „schmerzfreie“ Exekution zu erfahren, war Nicolas Jacques Pelletier. Der notorische Straßenräuber war sieben Monate zuvor festgenommen worden, nachdem er einem Passanten in der Pariser Rue Bourbon-Villeneuve nicht nur die Brieftasche gestohlen, sondern ihn auch anschließend mit Stockhieben malträtiert hatte. Im März hatte die Nationalversammlung die Guillotine als neue Hinrichtungsmethode beschlossen. Wie sie funktionierte, sollte dem staunenden Publikum am Beispiele Pelletiers auf dem Place de Grève vorgeführt werden.

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