Der Fall Yücel hat mit der Person Yücel nicht viel zu tun


Die Solidarität für Deniz Yücel habe in Deutschland zur Überwindung des alten Links-rechts-Lagerdenkens beigetragen, sagt Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt. (Foto: dpa)
Seit Februar sitzt Deniz Yücel in der Türkei in Haft. Ohne Anklage, aber mit einer Beurteilung von Präsident Erdoğan. Sein Fall ist zu einem der kniffligsten in der Geschichte der deutsch-türkischen Diplomatie geworden.

Von Tim Neshitov | Süddeutsche.de

Drei Tage vor dem jüngsten Verfassungsreferendum in der Türkei gab Präsident Recep Tayyip Erdoğan zur Primetime ein längeres Interview im türkischen Fernsehen. Er sagte viel Erwartbares (zum Beispiel, dass er sich für einen „Diener“ seines Volkes halte) und viel Beunruhigendes (zum Beispiel, dass Europa nach dem Referendum mit „Überraschungen“ rechnen könne).

Zum Schluss sagte Erdoğan aber etwas, was einem den Atem raubte, auch wenn man sich an die kalkulierte Unberechenbarkeit der türkischen Politik in den vergangenen Jahren – vor allem seit dem gescheiterten Putsch vom vergangenen Juli – gewöhnt hat: Erdoğan nannte Deniz Yücel, den inhaftierten Türkei-Korrespondenten der Zeitung Die Welt einen „ajan terrörist“.

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