Verdächtige Spuren eines Ur-Ur-Amerikaners


© Tom Deméré, San Diego Natural History Museum Ein Steinfindling nahe der Knochenfundstelle – nach Überzeugung der Forscher ein Werkzeug der Ur-Ur-Amerikaner.
Wurde die Neue Welt nicht erst von Homo sapiens, sondern hunderttausend Jahre früher von einem Frühmenschen besiedelt? Die Gewaltspuren an den Überresten eines Mammuts erschüttern die Amerikaner.

Von Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine

Die Neue Welt wird von einer archäologischen Sensationsmeldung erschüttert. Wurde der amerikanische Kontinent womöglich von Menschen nicht nur einmal über die Beringstraße erobert, vor fünfzehn bis zwanzigtausend Jahren, wofür es längst klare Belege gibt, sondern zweimal und das schon vor mehr als 130.000 Jahren? Wenn es zutrifft, was Archäologen vom San Diego Natural History Museum in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift „Nature“ berichten, könnte die südkalifornische Ausgrabungsstätte eines Mammuts die gesamte Geschichtsschreibung der Neuen Welt auf den Kopf stellen. Denn vor 130.000 Jahren konnte es unmöglich ein moderner Homo sapiens gewesen sein, der den Weg über Asien und die nördliche Landbrücke zum amerikanischen Kontinent geschafft hatte. Es müsste wohl eine andere Frühmenschenart gewesen sein, die zu jener Zeit nach der ersten Auswanderungswelle aus Afrika den eurasischen Kontinent bevölkert hatte. Das aber lässt sich mit den Funden, die der Chefausgräber Thomas Deméré und seine kalifornischen Kollegen präsentieren, nicht eindeutig zeigen. Menschliche Überreste jedenfalls wurden nicht gefunden.

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