Max Webers These vom Zusammenhang zwischen Protestantismus und Kapitalismus


Wann immer über das Verhältnis von Religion und Wirtschaft diskutiert wird, fällt früher oder später der Name Max Weber.

Von Tobias Straumann | Neue Zürcher Zeitung

Der berühmte deutsche Soziologe behauptete in seinem Aufsatz «Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus» (1905), dass der zu seiner Zeit auffällige Zusammenhang zwischen konfessioneller Zugehörigkeit, Kapitalbesitz und Unternehmertum nicht zufällig sei.

Vor allem der Calvinismus sei wirtschaftsfreundlicher als der Katholizismus, weil sein theologischer Kern eine Verwandtschaft mit der Kultur des modernen Kapitalismus aufweise. Indem er die Gläubigen dazu anhalte, fleissig und sparsam zu sein und beruflichen Erfolg als Ausdruck von göttlicher Gnade zu betrachten, leiste er einem Leistungsgedanken Vorschub, der auch dem kapitalistischen Unternehmertum eigen sei. So wie der Unternehmer den Gewinn immer wieder reinvestiere, um sich im Wettbewerb zu behaupten, müsse sich der gläubige Calvinist im Berufsleben immer wieder bewähren, um zu erfahren, ob er von Gott auserwählt sei (doppelte Prädestinationslehre).

Max Weber zitiert den Puritaner Benjamin Franklin

Um seine Beobachtung zu illustrieren, zitiert Weber aus einem Werk des amerikanischen Puritaners Benjamin Franklin: «Bedenke, dass die Zeit Geld ist; wer täglich zehn Schillinge durch seine Arbeit erwerben könnte und den halben Tag spazieren geht, oder auf seinem Zimmer faulenzt, der darf, auch wenn er nur sechs Pence für sein Vergnügen ausgibt, nicht dies allein berechnen, er hat neben dem noch fünf Schillinge ausgegeben oder vielmehr weggeworfen.» Für Weber ist die Empfehlung Franklins im Kern religiös begründet, aber zugleich förderlich für das Erreichen des materiellen Erfolgs.

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