„Islamophobie kann man mit Aufklärung entgegenwirken“


„Unsere Gesellschaft hat mit Religion zunehmend ein Problem“, sagte der Intendant des Deutschlandradio, Willi Steul, im DLF. Er forderte Respekt gegenüber allen Religionen. (Deutschlandradio – Bettina Fürst-Fastré)
Die Sendung „Koran erklärt“ läuft seit nunmehr zwei Jahren im Deutschlandfunk, im Mai wird sie als Buch im Suhrkamp-Verlag erscheinen. In den Medien sei die Auseinandersetzung mit dem Islam meist durch aktuelle Ereignisse geprägt, sagte Buch-Herausgeber und DLF-Intendant Willi Steul im DLF. Das sei jedoch „zu einseitig“.

Willi Steul im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Christiane Florin: Immer freitags um 9:55 Uhr, nach „Tag für Tag“, hören Sie im Deutschlandfunk einen Koranvers in deutscher Übersetzung. Diese Sure wird von einem Experten erläutert und am Schluss hören Sie den Vers noch einmal und sehen ihn vielleicht mit anderen Augen. Seit 2015 gehört der Fünfminüter „Koran erklärt“ zu diesem Programm, und nun gibt es das gesprochene Wort auch gedruckt. Gestern wurde das Buch zur Sendung in Berlin vorgestellt. Die Podiumsdiskussion dazu konnten Sie gestern Abend im Deutschlandfunk hören. Aus Berlin ist nun Willi Steul zugeschaltet, Intendant dieses Senders und Herausgeber des Buchs „Koran erklärt“. Guten Morgen, Herr Steul!

Mehr gelernt als in den letzten Jahren in der Moschee“

Willi Steul: Guten Morgen, Frau Florin!

Florin: Die erste Sendung „Koran erklärt“ lief am 6. März 2015. Ein halbes Jahr später kamen Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland, vor allem Muslime. Dieser Herbst 2015 hat den Blick auf den Islam in Deutschland gravierend verändert. Wenn es „Koran erklärt“ nicht gäbe, würden Sie es nach diesen Ereignissen noch einmal so erfinden?

Steul: Aber absolut. Ganz genau wieder so. Und ich fühle mich auch bestärkt durch Reaktionen, die ich bekommen habe. Ich erinnere mich an einen Brief von einem gläubigen Muslim, der mir schrieb, er bedankt sich dafür, er habe durch diese Sendereihe, die er jeden Freitag höre und auch aufzeichne, habe er mehr gelernt als in den letzten Jahren in der Moschee.

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