Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?


Das alte Landhaus in der Herrengasse, ein wichtiges Zentrum der Protestanten (historische Darstellung aus dem 19. Jahrhundert). Foto: Wien Museum
Und wie herrsche ich über Land und Leute? Im 16. Jahrhundert folgten bis zu 75 Prozent der Wiener Luther. Evangelische Gottesdienste blieben verboten. Dann kam die Gegenreformation

Von Arno Widmann | Frankfurter Rundschau

Eine der interessantesten Ausstellungen zur Reformationsgeschichte ist derzeit in Österreich zu sehen. Das Wien Museum beschäftigt sich mit einem weitgehend unbekannten Abschnitt der Reformationsgeschichte. Nämlich mit dem Erfolg der lutherischen Lehre bei der Wiener Bevölkerung und ihrer gewalttätigen Niederschlagung durch den Habsburgischen Hof.

In Wien wurde – wie auch anderswo – schon vor Luther gegen den Ablasshandel gepredigt. Der nahezu in der ganzen Christenheit verbreitete Unmut über die Priesterschaft erfuhr in Wien, einem Zentrum des Humanismus, breite Unterstützung. „Für jeden Priester“, so hieß es, stehe „ein Pferd bereit, mit dem er zur Hölle fahren könnte“. Das erste Dekret gegen lutherische Flugschriften stammt dann vom November 1521. Das richtete sich nicht nur gegen importierte Schriften und Flugblätter, sondern auch gegen Drucker, die in Wien und in anderen Orten der österreichischen Länder einen schwunghaften Handel mit Nachdrucken betrieben. So martialisch die Drohungen gegen Nachdruck, Verbreitung, ja schon gegen das Lesen der reformatorischen Texte auch waren, so wenig Erfolg hatten sie doch. Wirklich gefährlich war die Lage nur für die Drucker, deren Werkstätten von der Obrigkeit genauestens beobachtet wurden.

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