Knobloch: „Es macht mich wütend, dass ’nie wieder!‘ zur hohlen Phrase verkommen konnte“


Charlotte Knobloch – ikg-m.de
Anlässlich des 72. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau hat Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, bei der Gedenkstunde am jüdischen Mahnmal in der KZ-Gedenkstätte Dachau die Halbherzigkeit kritisiert, „mit der die offenkundigen Fehlentwicklungen und Rückschritte hierzulande und in ganz Europa nicht angemessen entschlossen bekämpft werden“.

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Von Politik und Zivilgesellschaft forderte sie mehr Engagement und Ehrlichkeit im Umgang mit dem erstarkenden Antisemitismus. Aus der Geschichte zu lernen, bleibe die Aufgabe der Heutigen, so die WJC-Beauftragte für Holocaustgedenken. „In diesen Jahren, da die Zeitzeugen als Säulen der Erinnerung wegbrechen, da sich das Schicksal Europas entscheidet und auch die Bundesrepublik vor zentralen Weichenstellungen des 21. Jahrhunderts steht, wünsche ich mir mehr Mut, mehr Wehrhaftigkeit, mehr Leidenschaft für Einigkeit und Recht und Freiheit.“

Vor diesem Hintergrund kritisierte Knobloch, dass der Begriff „Populismus“ verharmlost. „Weder Pegida und Co. noch AfD oder Front National sind Populisten. Der Begriff ist zu schwach, er deckt die gefährlichen Phänomene nicht ab, die unsere Gesellschaften mit Hass und Hetze kontaminieren und die Europäische Union – das Jahrhundert-Friedens-Projekt – zerstören wollen. Nationalismus bleibt Nationalismus. Antisemitismus bleibt Antisemitismus. Rassismus bleibt Rassismus – das blaue Deckmäntelchen kann den braunen Kern der AfD nicht verdecken.“

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