Xavier Naidoo: „Deutschland ist kein souveränes Land. Wir sind nicht frei“


Den Abstand zwischen Kopf und Brett nennt man Horizont.

Xavier Naidoo veröffentlicht einen neuen Song und polarisiert damit mal wieder – wie eigentlich schon seit Jahren. Mit dem stern sprach der Sänger über seinen Glauben, seine Weltanschauung und die Suche nach der Wahrheit.

Von Nora Gantenbrink, Hannes Roß | stern.de

Dieses Interview erschien bereits am 12. März 2015 im stern. Wir haben uns entschieden, es erneut zu veröffentlichen. Die meisten Antworten von Naidoo haben nicht an Aktualität verloren.

Er sieht nicht aus wie ein Geläuterter, sondern wie einer, der nicht zu altern scheint. Wie ein Zeitloser. Xavier Naidoo, 43, erscheint zum Interview in einem Hamburger Hotel in grauer Jogginghose. In der linken Hosentasche hat er ein kleines Büchlein, das deutsche Grundgesetz. Naidoo sagt, er habe es immer dabei. Mitgekommen sind seine Pressefrau und sein Hund, die Bulldogge Sinclair. Der Popstar aus Mannheim, den Udo Jürgens „den größten Hoffnungsträger der deutschen Musik“ nannte, verkaufte mehr als fünf Millionen Platten, doch die Schlagzeilen über ihn waren zuletzt schlecht. Sie lauteten: „Vom Popstar zum Populisten“ oder „Prophet des rechten Glaubens“ . Wie konnte es so weit kommen?

Herr Naidoo, Sie wuchsen als Sohn südafrikanischstämmiger Eltern in Wallstadt auf, einem Stadtteil von Mannheim. Ihre Mutter war Schneiderin, Ihr Vater Industrieschweißer. Sie nannte man als Kind „Lenor“.
Ja. Leibeigener Neger ohne Rechte. Ich muss so sieben oder acht gewesen sein. Die anderen Kinder bespuckten mich, weil ich schwarz war. Aber viel schlimmer waren für mich die Erwachsenen, die mich „Bimbo“ nannten. Letztendlich habe ich allen, den Kindern voran, verziehen, mit einigen bin ich heute sogar befreundet.

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