Wale im Hamburger Hafen: Erfreuliche Rückkehr mit fatalen Folgen


Die Sichtungskarte von walschutz.org zeigt an, wo Schweinswale gesehen wurden. Sie basiert auf Meldungen von Bürgern und zeigt die Sichtungen aus dem Jahr 2016. Grafik: Schweinswale e.V., GeoBasis-DE/BKG, Google
Ein Jahrhundert lang gingen Schweinswale nicht auf Beutezug in deutsche Flüsse. Nun sind sie zurück – und finden eine Welt voller Gefahren.

Von Frauke Ladleif | greenpeace magazin

Blättert man durch Meyers Großes Konversations-Lexikon aus dem Jahr 1906, liest man Erstaunliches über den Schweinswal: „Der Braunfisch [so die damalige Bezeichnung der Schweinswale; Anm. d. Red.] lebt gesellig im Nordatlantischen Ozean, von Grönland bis Nordafrika, auch in der Ostsee, ist häufig in der Nordsee, geht bis zum Mittelmeer, steigt weit in die Flüsse hinauf (bis Paris, Magdeburg)…“

Schweinswale in der Elbe bei Magdeburg? Kaum zu glauben aus heutiger Sicht, stehen die Kleinen Tümmler, wie sie auch genannt werden, doch in Deutschland als „stark gefährdet“ auf der Roten Liste. Ihr Bestand ist rückläufig, in der Nord- und Ostsee sterben jährliche Tausende unter anderem in Fischernetzen oder werden durch den Baulärm von Offshore-Windparks aus den Schutzgebieten vertrieben. Dass auch Flüsse zu ihrem natürlichen Lebensraum zählen könnten, hatte kaum jemand auf dem Zettel – bis jetzt.

Denise Wenger ist Biologin und leidenschaftliche Schweinswalschützerin. Vor zehn Jahren begann sie ihren Kampf für die Meeressäuger. Vereinzelte Schweinswale wurden damals in norddeutschen Flüssen wie Elbe und Weser gesichtet – „verirrte“ Exemplare, wie es hieß. Doch die Biologin entwickelte ein Sichtungsprogramm, installierte Detektoren, die die Klicklaute der Wale aufzeichneten, und rief auf der Webseite walschutz.org eine Onlinekarte ins Leben, über die Bürger Sichtungen von Schweinswalen melden konnten.

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