Warum man dumme Entscheidungen trifft, obwohl einem Experten etwas anderes raten


EPA / Andy Rain
Der Graben zwischen Experten-Analyse und öffentlicher Meinung scheint von Tag zu Tag breiter zu werden.

Von André Spicer | Richard-Dawkins-Foundation

In Amerika gibt es signifikante Unterstützung der Öffentlichkeit für die Politik Donald Trumps, die, gelinde gesagt, von der überwältigenden Mehrheit der Experten als fragwürdig betrachtet wird. In Großbritannien herrschte unter Ökonomen ein breiter Konsens, der vor den desaströsen Folgen der Wahl eines Austritts aus der EU warnte und dennoch votierten die Briten für den Brexit. Die globale wissenschaftliche Gemeinschaft warnt unaufhörlich vor den katastrophalen Gefahren des Klimawandels, aber viele Mitglieder der Bevölkerung halten durch den Menschen beeinflussten Klimawandel für einen Schwindel.

Das sind nur drei Beispiele eines sich immer weiter ausbreitenden Phänomens: gut informierte Experten veröffentlichen aufgrund der besten verfügbaren Beweise eine Ansicht zu einem Thema und die öffentliche Meinung springt in eine völlig andere Richtung. Warum passiert das?

Eine mögliche Antwort ist, dass die Allgemeinheit einfach dumm ist. Um es etwas verträglicher zu formulieren, die Öffentlichkeit hat nicht den IQ, die Bildung oder die richtigen Informationen, um die Argumente akkurat abzuwägen. Diese Erklärung mag Experten gefallen, deren Meinung ignoriert wird, aber sie ist nicht korrekt. Die meisten Menschen haben genug reine Intelligenz um grundlegende Argumente abzuwägen. Der allgemeine Bildungsstandard war nie höher – und nahezu jede Information ist problemlos für jeden verfügbar, der einen Internetzugang hat.

Die zweite Antwort ist, dass das allgemeine Vertrauen in Experten abnimmt. Eine genauere Betrachtung zeigt jedoch, dass dem nicht so ist. Das jährliche Edelman Vertrauensbarometer zeigt, dass Akademikern und Experten der Industrie noch immer von 70% der Öffentlichkeit vertraut wird. Im Vergleich hierzu landen Unternehmenschefs bei 43% und Regierungsangehörige bei 38%.

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