Israel-Tagung in Frankfurt: Israelkritische Konferenz findet statt

Das Ökohaus Ka-Eins. Foto: Georg Kumpfmüller
Nach einer Verfügung des Frankfurter Amtgerichts kann die israelkritische Konferenz zu „50 Jahren israelische Besatzung in Palästina“ im Ökohaus in Frankfurt stattfinden.

Von Florian Leclerc | Frankfurter Rundschau

Die israelkritische Konferenz zu „50 Jahren israelische Besatzung in Palästina“ im Ökohaus Ka-Eins findet statt. Das Frankfurter Amtsgericht habe eine einstweilige Verfügung erteilt, die dem „Deutschen Koordinationskreis Palästina Israel“ (Kopi) die Ausrichtung der Veranstaltung am 9. und 10. Juni erlaube, teilte der Kopi-Sprecher Matthias Jochheim mit. Zuvor hatte das Tagungszentrum Ka Eins im Ökohaus den Mietvertrag mit dem Veranstalter gekündigt. Die Kündigung hat nach der Gerichtsentscheidung nun keinen Bestand.

Das Gericht habe „den Weg geöffnet für die freie Debatte einer friedenspolitisch und menschenrechtlich so wichtigen Frage“, sagte Jochheim. Exakt 50 Jahre nach dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 sei es wichtig, über die „aktuelle Situation und Perspektiven dieses weltpolitischen Brennpunkts“ zu diskutieren.

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Glutenfrei? „Nicht zu empfehlen“, warnen Experten

Glutenfrei? Experten warnen: „Mit jeder Einschränkung von Lebensmitteln verkleinert sich die Vielfalt der Darmflora.“ Quelle: Getty Images/Image Source
Viele Deutsche glauben, dass sie bestimmte Stoffe in der Nahrung nicht vertragen – nach der Laktose ist auch das Gluten in Verruf gekommen. Ein gefährlicher Irrtum, sagen Forscher.

Von Andrea Barthélémy | DIE WELT

Die Cupcakes in der Theke des US-Bistros sehen verführerisch aus. Aber: „Ist da Gluten drin?“ Kellner sind diese Frage gewohnt – rund 200 Millionen Essen pro Jahr werden in den USA glutenfrei geordert. Denn der Verzicht auf das in Verruf geratene Klebereiweiß des Weizens, das auch in den meisten anderen Getreidearten vorkommt, liegt in den USA seit Jahren im Trend.

Gründe dafür sind vielfältig: Bei Menschen mit angeborener Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie), etwa einem Prozent der US-Bevölkerung, löst das Eiweiß eine Dünndarmentzündung mit teils heftigen Darmbeschwerden aus.

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Martha Nussbaum: Die zornige Philosophin

© debeeldunie.nl / Visum Temperament, Energie, analytische Strenge: Martha Nussbaum.
Dass Martha Nussbaum den „Nobelpreis der Philosophie“ erhielt, ist kein Wunder: Ohne Unterlass bearbeitet sie die gesellschaftlich drängenden Fragen. Heute wird die Streitbare siebzig Jahre alt.

Von Christian Geyer | Frankfurter Allgemeine

Gut, dass es Martha Nussbaum gibt. Mit ihrem Temperament, mit ihrer Energie und mit ihrer analytischen Strenge bearbeitet sie die gesellschaftlich drängenden, zugleich hoch riskanten Themen mit links. Dass sie keinen Elfenbeinturm bewohnt, sondern verlässlich dort zur Stelle ist, wo menschliche Not nach Klärung von Kategorien verlangt – das hat man ihr mit vielfältigen Ehrungen gedankt, mit vierzig Ehrendoktortiteln in aller Welt und jüngst noch mit dem Kyoto Prize, auch „Nobelpreis der Philosophie“ genannt.

Drängend, ja bestürmend sind für Nussbaum heute Fragen wie die nach den Minderheiten und ihrem politischen und rechtlichen Status, Fragen nach der Gewichtung von Herkunft, Religion, Geschlecht und Sexualität – nach menschlichen Merkmalen also, die in einem universalistischen Politikverständnis nie und nimmer zu Diskriminierung und Verächtlichmachung Anlass geben dürfen, in einer Unkultur des Zorns dagegen nur allzu oft als Blitzableiter fungieren. Bei Martha Nussbaum weiß man diese Themen auch deshalb in guten Händen, weil sie scharfsinnig genug ist, über genügend intellektuelles Risikobewusstsein verfügt, um nicht in die Falle der Moralisierung zu tappen, eine Falle, in welcher derzeit so viele Wohlmeinende stecken, die Gestikulationen von Gefühltem als Gedachtes ausgeben.

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TV- und Rundfunktipps: Pro und contra Homöopathie

Symbolbild, Bild: bb

Zunächst präsentiert der SWR am kommenden Dienstag, den 09. Mai 2017, um 20.15 Uhr, sein Verbrauchermagazin „Marktcheck“ , laut Ankündigung u. a. mit dem Beitrag „Homöopathie: Wirksame Medizin oder Geldverschwendung?“. Nähere Informationen liegen dazu leider noch nicht vor.

Holger von Rybinski | GWUP

Etwas ausführlicher wird sich der „Deutschlandfunk“ im Radio des Themas annehmen. „Eine Frage des Glaubens: Homöopathie auf dem Prüfstand“ heißt eine Sendung, die am Sonntag, 12. Mai 2017, von 19.15 bs 20.00 Uhr ausgestrahlt wird. Aus der Ankündigung: „Die medizinische Versorgung in Deutschland ist heute besser als je zuvor. Trotzdem wächst die Skepsis gegenüber der Schulmedizin, der seelenlosen Apparatemedizin. Viele Patienten suchen ihr Heil in der Homöopathie. Dabei scheinen auch kritische Menschen jegliche Bedenken zu vergessen und glauben an den heilenden Geist des Wassers.“ Und: ,,Da die Wirksamkeit von Homöopathika naturwissenschaftlich nicht belegt ist, müssen sie in den USA Warnhinweise tragen. In Deutschland hingegen sind sie zugelassen. Obwohl viele Forscher belegen, dass homöopathische Mittel nicht besser als Placebos wirken, erstatten die meisten Krankenkassen die Kosten dafür. Medizin ist nicht nur Wissenschaft, sondern auch Heilkunst. Das Dossier fragt: Gehört die Homöopathie dazu?“ Drei Homöopathen und drei Homöopathie-Kritiker aus der GWUP und dem INH (unter anderem voraussichtlich Dr. Natalie Grams  und Dr. Norbert Aust ) wollen zur Klärung dieser Frage beitragen. Vor wenigen Tagen wurde eine ähnliche Debatte im Magazin „Health Care Management“ geführt, wie im GWUP-Blog  berichtet.

Freikirchen taufen Flüchtlinge

Tausende Flüchtlinge in Deutschland konvertieren vom Islam zum Christentum – obwohl der Glaubensübertritt für sie ein großes persönliches Risiko bedeutet. Christliche Freikirchen erleben einen regen Zulauf.

Von Charlotte Hauswedell | Deutsche Welle

Mehr als 1200 Flüchtlinge hat er schon getauft. Gottfried Martens ist Pastor der Dreieinigkeitskirche, einer evangelisch-lutherischen Freikirche in Berlin-Steglitz. Angefangen hatte es mit zwei Flüchtlingen aus dem Iran, die 2008 seine Gemeinde aufsuchten. Sie brachten einen Bekannten mit, den Pastor Martens taufte. Über die Jahre kamen dann immer mehr Flüchtlinge mit dem Wunsch, ihre Religion zu wechseln. Heute ist Martens Gemeinde in der Hauptstadt bekannt, Hunderte besuchen die Gottesdienste, in denen auf Deutsch und Farsi gepredigt wird.

Die Konvertiten sind Iraner und Afghanen ursprünglich islamischen Glaubens. Darunter viele „Neulinge“, die erst in Deutschland von anderen Christen angesprochen wurden. „Viele waren aber auch schon im Iran in Hausgemeinden oder sind während der Flucht mit dem christlichen Glauben in Berührung gekommen“, berichtet Martens.

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Die Mär vom „guten Nazi“ Albert Speer

Albert Speer inszenierte sich gern – hier bei seiner Haftentlassung am 1. Oktober 1966. (Foto: SZ Photo)
Hitlers Rüstungsminister gab sich nach 1945 als guter Nazi, der vom Holocaust nichts gewusst habe – und die Deutschen glaubten ihm gern. Eine Ausstellung zeigt, wie es dazu kommen konnte.

Von Rudolf Neumaier | Süddeutsche.de

Die gefälschten Hitler-Tagebücher werden als fulminanter Schenkelklopfer in Erinnerung bleiben. Wer könnte nicht lachen darüber? Zu einer guten Komödie gehört nun mal, dass die Lüge auffliegt.

Ebenso wäre die Geschichte des Albert Speer im Grunde eine historische Lachnummer. Auch sie ist eine große Lüge. Doch erheitern kann sie keinen. Denn es gibt heute noch eine Menge Menschen, die sie glauben, und es ist zu viel Schuld weggelogen in dieser Geschichte, die vom Holocaust handelt.

Albert Speer, geboren 1905, Hitlers Architekt und Rüstungsminister, hat ihn mitverbrochen. Nur schob er jahrzehntelang seine Verantwortung von sich, bis zu seinem Tod im September 1981. Und die ganze Welt ging ihm auf den Leim.

In Nürnberg, der Stadt, in der er das Reichsparteitagsgelände konzipierte, ist die Geschichte der viel zu langsamen Enthüllung und Entlarvung des Albert Speer jetzt in einer Ausstellung dargestellt. Die Historiker Martina Christmeier und Alexander Schmidt führen im Dokumentationszentrum vor, wie ein Mann als Hitlers Vertrauter Karriere machte, als Hitler tot und der Zweite Weltkrieg beendet war.

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Scheuers alternativloser Dilettantismus zu christlich-jüdisch-abendländischer Kultur

Wer von Deutschland angenommen werden will, muss auch die deutschen Traditionen annehmen / picture alliance
Die deutsche Leitkultur geht über das Grundgesetz hinaus und basiert vor allem auf den Gedanken der Aufklärung und der christlich-jüdischen Tradition. Der Versuch von Mulitkulti ist gescheitert. So formulierte es Andreas Scheuer, Generalsekretär der CSU, schon 2015

Von Andreas Scheuer | Cicero

Die Anerkennung der deutschen Leitkultur ist die Grundvoraussetzung für das gesellschaftliche Zusammenleben. Wer als Flüchtling länger bei uns bleibt, muss zwingend die deutsche Leitkultur befolgen. Sonst wird Integration nicht gelingen. Die deutsche Leitkultur umfasst die Werte des Grundgesetzes: Menschenwürde, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung sowie Meinungs- und Pressefreiheit. Dass sich jeder an Recht und Gesetz halten muss, ist eine pure Selbstverständlichkeit und reicht längst nicht aus. Deutsche Leitkultur ist viel mehr als das Grundgesetz: Sie basiert auf den Werten der Aufklärung und des Humanismus, der christlich-jüdisch-abendländischen Kultur und unseren gewachsenen Traditionen.

Der Wertekanon Deutschlands

Wer als Mann seine Frau mit der Burka auf die Straße schickt oder einer Frau den Handschlag verwehrt, verstößt nicht gegen das Grundgesetz, aber missachtet unsere Leitkultur. Wer Frauen als Ärztinnen, Lehrerinnen, Verkäuferinnen, Krankenschwestern nicht akzeptiert, der greift den Wertekanon in unserem Land an. Zu unserer Kultur gehören die christlichen Feiertage und zugleich die Toleranz für andere Religionen. Wir bekennen uns zum Existenzrecht Israels und bekämpfen jegliche Form von Antisemitismus. Dies alles macht den Wesenskern Deutschlands aus und muss so bleiben.

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«Religion ist Privatsache»

Im St. Galler Stiftsbezirk treffen Kirche und Staat auch räumlich aufeinander. In den östlichen Gebäudeteilen (rechts) ist die Kantonsverwaltung zu Hause. (Bild: Hanspeter Schiess, Benjamin Manser (St. Gallen, 21.08.2016))
INITIATIVE ⋅ Kirche und Staat sollen im Kanton St. Gallen getrennte Wege gehen – innert vier Jahren. Erreichen wollen das die Jungfreisinnigen mit ihrer «Freiheits-Initiative». Beginn der Unterschriftensammlung ist spätestens im Herbst.

Von Silvan Lüchinger | Thurgauer Zeitung

Artikel 110 der St. Galler Kantonsverfassung ist knapp und klar: «Die Religionsgemeinschaften sind autonom. Das Gesetz kann ihnen Steuerhoheit gewähren und den Steuerbezug durch den Staat vorsehen.»

Geht es nach den St. Galler Jungfreisinnigen, wird das bald nicht mehr möglich sein. Sie verlangen die vollständige Trennung von Kirche und Staat. Noch befassen sich das Initiativkomitee und ein Experte mit den letzten Finessen des Initiativtextes und den zugehörigen Erläuterungen. Erst dann wird er der Staatskanzlei zur Vorprüfung eingereicht. Parteipräsident Noël Dolder zweifelt aber keinen Moment daran, dass die Unterschriftensammlung noch dieses Jahr anlaufen wird. «Es kann aber Herbst werden, weil wir natürlich darauf achten, dass die grossen Ferien nicht in die Sammelzeit fallen.» Vorgesehen ist eine Einheitsinitiative. Das heisst, der Kantonsrat wird beauftragt, die für eine Trennung von Kirche und Staat notwendigen Massnahmen zu treffen, beziehungsweise Gesetzesänderungen vorzunehmen. Nötig sind 4000 Unterschriften, die Sammelfrist beträgt fünf Monate.

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Homosexualität im Vatikan: Im Zentrum der Verlogenheit

Am Vorabend der Bischofssynode im Oktober 2015 outete sich Monsignore Charamsa in Rom und stellte seinen Partner Eduard Planas vor. Bis dahin musste er seine Homosexualität verheimlichen. © Tiziana Fabi/AFP/Getty Images
Fast 13 Jahre arbeitete der Theologe Krzysztof Charamsa in der römischen Glaubenskongregation. Er verheimlichte seine Homosexualität und litt unter der Ablehnung durch die Kirche. Jetzt fordert er Respekt und radikales Umdenken.

Von Frank Ochmann | stern.de

Herr Charamsa, wie geht es Ihnen heute, eineinhalb Jahre nachdem Sie sich in Rom geoutet haben und kurz darauf vom Priesteramt suspendiert wurden?

Sehr gut! Ich lebe mit meinem Partner in Barcelona und bin gerade dabei, mich um 19 Übersetzungen meines Buches zu kümmern. Ich möchte gern auch noch weitere Bücher schreiben. Dazu kommen Vorträge und Artikel. Ich bin also Freelancer. Mit 44 Jahren! (lacht)

In Italien und damit auch im Vatikan ist Ihr Buch bereits erschienen. Wie waren die Reaktionen?

Die Medien haben mich ganz gut behandelt. Vor allem aber habe ich viele persönliche Reaktionen bekommen. Ermutigung gab es dabei für mich, aber auch etliche Anfragen von Priestern, die mich um Rat in ihrer eigenen Situation baten.

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Ewiggestrig: „Kirchentag kann Mut in schwierigen politischen Zeiten machen“

Das Kreuz mit den Religionen
Berlin ist in wenigen Wochen Gastgeber des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages. Im Interview spricht der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) über die Hoffnung auf ein Treffen mit Barack Obama, Berlin als multireligiöse Stadt und Lehrerinnen mit Kopftuch.

Von Lukas Philippi, Jens Büttner | evangelisch.de

Freuen Sie sich auf den Kirchentag?

Michael Müller: Ich freue mich in mehrfacher Hinsicht auf den Kirchentag. Einerseits ist es für einen Regierenden Bürgermeister toll, Gastgeber für so eine große Veranstaltung zu sein; es werden ja immerhin 130.000 bis 140.000 Besucher erwartet. Als evangelischer Christ freue ich mich aber auch darüber, den Kirchentag mal aus dieser Perspektive zu erleben. Es ist einige Jahre her, dass ich als Jugendlicher dabei war. Und drittens ist es natürlich für die Stadt eine wichtige Veranstaltung: In diesen schwierigen politischen Zeiten kann der Kirchentag Halt geben und Mut machen.

Dabei gilt die Gastgeberstadt eher als entkirchlichtes Gebiet…

Müller: Nein, das Gegenteil ist richtig. Berlin ist eine multireligiöse Stadt. Städte ticken da immer anders als Regionen in der Fläche. Berlin ist keine eher protestantische oder eher katholische Gegend. Aber man kann nicht sagen, dass es eine areligiöse Stadt ist. Religion spielt in Berlin mit 250 verschiedenen Religionsgemeinschaften eine große Rolle.

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Das Nichts in der Mathematik

Bild: heise.de/tp
Obwohl wir heute bereits in der Schule mit der leeren Menge konfrontiert werden, war ihre Definition und ihr Platz in der Mathematik und Philosophie über Jahrhunderte umstritten

Von Raúl Rojas | TELEPOLIS

Es war im Jahr 1939, am Vorabend des zweiten Weltkrieges, als ein mathematischer Begriff so etwas wie die Volljährigkeit und seinen endgültigen Namen erlangte: Es handelt sich um die leere Menge, dargestellt mit Ø, Buchstabe des dänischen und norwegischen Alphabets. Das neue Symbol wurde mit einem Schlag zur Standardnotation in der Mengenlehre.

Der Vorschlag dazu kam von André Weil (1906-1998), Wissenschaftler aus Straßburg und einem der wichtigsten Mitglieder der Bourbaki-Gruppe, einer Verbindung von gleichgesinnten französischen Mathematikern, die die Aufgabe auf sich nahm, die gesamte Mathematik neu und unerbittlich streng zu formulieren. Gleich im ersten Buch über Analysis, bei der Einführung der Mengenlehre1, wird Ø als der leere Anteil einer Menge definiert, um die Mengennotation „ein für allemal festzulegen“.2 Generationen von Studenten an den Universitäten haben seitdem auf verlorenen Posten einen schleichenden Kampf gegen die Trockenheit und Strenge der allzu vielen Bourbaki-Bände geführt.

Im 21. Jahrhundert mutet das alles wie ferne Vergangenheit. Und dennoch: Obwohl wir heute bereits in der Schule mit der leeren Menge konfrontiert werden, war ihre Definition und ihr Platz in der Mathematik und Philosophie über Jahrhunderte umstritten. Nichts ist komplizierter als das Nichts, zumindest aus der Sicht der Philosophie.

Wenn wir über Zahlen sprechen, brauchen wir eine Anfangszahl wie die 1. Durch sukzessive Erhöhung um eine Einheit schreiten wir zu 2, 3, 4 usw. fort. Die Anfangszahl kann beliebig sein, man hätte auch z.B. mit Null anfangen können. Aber die Null als Symbol stand nicht allen Kulturen zur Verfügung. In der römischen Notation für Zahlen gibt es kein Zeichen dafür und so nummerieren wir die Jahre seit Christi Geburt ab dem Jahr Eins. Erst bei der Verbreitung der positionellen Systeme gab es die Notwendigkeit, auch mit der Null symbolisch zu operieren.

Aber zurück zur Mengenlehre. Wenn Mengen von Objekten behandelt werden, gibt es zwei grundsätzliche Wege, um sie zu bilden. Es gibt den prädikativen Weg, wo wir einfach sprachlich festlegen, welche Elemente eine Menge enthält (wie z.B., wenn wir sagen, „sei T die Menge aller Telepolis-Leser“), oder den konstruktiven Weg, bei dem neue Mengen aus gegebenen Mengen hergestellt werden. Historisch gesehen wurde zuerst der prädikative Weg eingeschlagen und im neunzehnten Jahrhundert zur Reife gebracht – aber dann geschah etwas Furchtbares: Das Russell-Paradoxon betrat die mathematische Bühne.

Im Paradoxon wird die Menge M aller Mengen, die sich selber nicht enthalten, erforscht. Die Definition von M wäre, sprachlich gesehen, eine völlig legitime Sache. Dann wird aber gefragt, ob diese Menge M auch Element von sich selbst ist. Wäre es so, hätten wir einen Widerspruch, da M als Element von M sich selbst nicht enthalten darf. Ist aber M nicht Element von sich selbst, erfüllt es die Bedingung, um Element von M zu sein – wieder ein Widerspruch und damit eine Inkonsistenz in der Wissenschaft der abstrakten Strukturen.

Der britische Mathematiker und Philosoph Bertrand Russell hat mit seinem Paradoxon 1901 der heute sogenannten „naiven Mengenlehre“ den Todesstoß versetzt. Der deutsche Theoretiker Ernest Zermelo hatte zwar ein Jahr zuvor die Inkonsistenz entdeckt, und Georg Cantor in Halle noch viel früher, aber beide waren umsichtig genug, den Mund zu halten, bis eine Erlösung für das System gefunden werden konnte.

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Sind Katholiken fauler als Protestanten?

Sind Katholiken oder Protestanten fleissiger? Papst Franziskus unterhält sich mit einer Gläubigen (Archivbild).
Katholiken sind faul, Reformierte von zwinglianischem Fleiss geprägt. Stimmt dieses Klischee? Der Theologe Christoph Fleischmann klärt auf.

Von K. Wolfensberger | 20min.ch

Herr Fleischmann*, ein gängiges Klischee besagt, dass Reformierte fleissiger als Katholiken seien. Ist da was dran?
In der Generation unserer Grosseltern gab es noch relativ feste konfessionelle Milieus. Protestanten und Katholiken lebten also oft in getrennten Lebenswelten. Gerade bei calvinistisch geprägten Christen gab es damals eine starke Betonung von Fleiss und Disziplin im Alltag. Umgekehrt wurde in katholischen Gegenden das Feiern mehr wertgeschätzt.

Sie sprechen von unseren Grosseltern, wie sieht es heute aus?
Heute ist von solchen Unterschieden nur noch wenig zu spüren. Die religiöse Bindung der Menschen hat deutlich abgenommen. Ausserdem ziehen die Leute heute mehr um als früher. Das führte dazu, dass sich regional stabile, religiöse Milieus aufgelöst haben.

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Comedian Stephen Fry Is Being Investigated for Violating Ireland’s Blasphemy Law After Mocking God

In February of 2015, comedian Stephen Fry sat down for an interview with host Gay Byrne for (Irish) RTÉ One’s The Meaning of Life.

By Hemant Mehta | Friendly Atheist

BYRNE: … Suppose it’s all true, and you walk up to the Pearly Gates, and you are confronted by God. What will Stephen Fry say to Him, Her, or It?

FRY: … I’ll say, “Bone cancer in children? What’s that about? How dare you! How dare you create a world in which there is such misery that is not our fault? It’s not right. It’s utterly, utterly evil.” Why should I respect a capricious, mean-minded, stupid God who creates a world which is so full of injustice and pain? That’s what I would say.

BYRNE: And you think you’re going to get in?

FRY: No, but I wouldn’t want to. I wouldn’t want to get in on His terms. They’re wrong. Now, if I died and it was Pluto, Hades, and if it was the 12 Greek gods, then I would have more truck with it. Because the [Greeks] were — they didn’t pretend not to be human in their appetites, and in their capriciousness, and in their unreasonableness. They didn’t present themselves as being all-seeing, all-wise, all-kind, all-beneficent. Because the God who created this universe, if it was created by God, is quite clearly a maniac. An utter maniac. Totally selfish. We have to spend our life on our knees, thanking Him? What kind of God would do that?

Yes, the world is very splendid, but it also has in it insects whose whole life-cycle is to burrow into the eyes of children and make them blind. That eat outwards from the eyes. Why? Why did he do that to us? He could easily have made a creation in which that didn’t exist. It is simply not acceptable.

… Atheism is not just about not believing there’s a God, but on the assumption that, [if] there is one, what kind of God is He? It’s perfectly apparent: He is monstrous, utterly monstrous, and deserves no respect whatsoever. The moment you banish him, your life becomes simpler, purer, cleaner, and more worth living, in my opinion.

BYRNE: That sure is the longest answer to that question that I’ve ever got in this entire series.

Because this was state-run TV in Ireland, where a blasphemy law is still on the books, Fry is now being investigated over whether his comments violated the rules based on a complaint by a citizen.

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Ted Conference: Der irre Rausch der Zukunft

 Chris Anderson interviewt Elon Musk bei der Ted Conference in Vancouver. (Foto: Bret Hartman/TED)
Chris Anderson interviewt Elon Musk bei der Ted Conference in Vancouver. (Foto: Bret Hartman/TED)
Für Nobelpreisträger und Raketenbauer ist die alljährliche Ted Conference in Vancouver das ideale Forum. Aber arbeiten die Vordenker der Welt in einer Blase?

Von Andrian Kreye | Süddeutsche.de

Wenn der Superhyper- unternehmer Elon Musk mit normalen Menschen spricht, also mit Leuten, die sich in den Feinheiten der Energietechnologien, der Raumfahrt oder der künstlichen Intelligenz nicht mindestens auf Diplomingenieursniveau auskennen, ertappt er sich manchmal selbst, wie irre das alles klingt. Dann weicht sein leicht entrückter Blick kurz einem selbstironischen Lächeln. Wobei das bei ihm alles gar nicht so Silicon-Valley-Größenwahn-irre ist, eher so Daniel-Düsentrieb-verrückt. Denn Elon Musk will zwar gleichzeitig die weltweite Energiewende erzwingen, die Menschheit auf dem Mars ansiedeln und nebenbei noch den Verkehrskollaps der Metropolen lösen. Er hat aber auch die Beweise parat, die zeigen, dass er da jeweils schon auf gutem Wege ist.

Bei der diesjährigen Ted Conference in Vancouver ertappte Musk sich beim Bühnengespräch mit Ted-Chef Chris Anderson gleich ein paar Male. Als er zum Beispiel nach dem Bild des selbstfahrenden Elektro-Sattelschleppers aus seinem Hause Tesla den Plan einer wiederverwendbaren Weltraumrakete zeigte, welche das Passagier- und Ladegut eines Jumbojets transportieren kann, und ihn Anderson fragte, wann dieses Wahnsinnsprojekt denn einsatzbereit sein sollte.

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Peng!-Kollektiv: Echter Waffenhändler freut sich auf falschen Friedenspreis

Der Mitarbeiter von Thyssenkrupp ist echt – der Friedenspreis für den Waffenhändler eher nicht.Foto: promo
Sie trollten die CDU, starteten im Namen von Heckler und Koch eine Rückrufaktion für Waffen, lockten Thyssenkrupp zum „Friedenspreis“ – nun interessiert sich sogar die SPD für das Peng!-Kollektiv.

Von Sidney Gennies | DER TAGESSPIEGEL

Es ist nicht ganz klar, wann er es gemerkt hat. Nur, dass es viel zu spät war. Christian Stuve – blauer Anzug, dunkle Krawatte – betritt den Konferenzsaal eines der feinsten Hotels der Stadt. Alle anderen hier tragen auch Anzug oder Kostüm, es gibt Sekt. Alles wie immer. Nur dass vorne neben dem Podium das Logo einer großen weißen Taube prangt und hier der „Deutsch-französische Preis für Sicherheit und Frieden“ vergeben werden soll. Den Preis gibt es nicht, die anderen Gäste sind Schauspieler. Nur Christian Stuve ist echt. Und er arbeitet für einen deutschen Waffenhersteller. Kurz: er hat hier nichts zu suchen, so oder so.

Christian Stuve ist Senior Vice President Politics and Strategy bei Thyssenkrupp in der Abteilung „Marine Systems“, die unter anderem Kriegsschiffe an Malaysia und Neuseeland verkauft hat und derzeit wegen eines milliardenschweren U-Boot-Deals mit Israel in der Kritik steht.

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#Macronleaks: Der Zeitpunkt der Attacke lässt keinen Zweifel an ihrer Natur

Kurz vor der Frankreich-Wahl ist Favorit Macron Opfer eines massiven Hackerangriffs geworden, es blieben nur Minuten zur Reaktion. Experten sprechen von „politischem Krieg“. Die Rolle von WikiLeaks ist dubios.

Von Martina Meister, Julia Smirnova | DIE WELT

Die gesamte französische Presse hat außerordentlich besonnen auf diese letzte Wende eines an Überraschungen, Affären und äußeren Eingriffen reichen Wahlkampfs reagiert: Zwei Abende vor der wichtigsten französischen Wahl seit Jahrzehnten ist der Favorit der Präsidentschaftswahl Emmanuel Macron Opfer eines massiven und offensichtlich koordinierten Hackerangriffs geworden. Absicht dieser Attacke war es, die Wähler in Frankreich zu verunsichern oder zu beeinflussen, nur Stunden bevor am Sonntagmorgen um neun Uhr die Wahllokale öffnen.

Bei der Wahl sind 47 Millionen wahlberechtigte Franzosen aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Letzte Umfragen zeigten Emmanuel Macron (En Marche) mit rund 63 Prozent der Stimmen überlegen vor der Rechtspopulistin und Front-National-Chefin Marine Le Pen, die durch ihren schwachen Auftritt bei der letzten Fernsehdebatte deutlich an Zustimmung verloren hat.

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Türkei unternimmt neuen Anlauf zur Auslieferung des Predigers Gülen durch die USA

Rund zehn Monate nach dem Putschversuch in der Türkei unternimmt die Regierung in Ankara einen neuen Versuch, die USA zur Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen zu bewegen.

Neue Zürcher Zeitung

Justizminister Bekir Bodzag werde am Montag in Washington mit seinem US-Kollegen Jeff Sessions zusammentreffen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag meldete. Bodzag werde Sessions vor der USA-Reise von Staatschef Recep Tayyip Erdogan «neue Beweise» darüber vorliegen, dass Gülen hinter dem Putschversuch vom Juli vergangenen Jahres gesteckt habe.

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Wenn der Soldat den Hitlergruß zeigt

275 Fälle im Bereich Rechtsextremismus untersucht der Militärische Abschirmdienst MAD derzeit bei der Bundeswehr. (Foto: dpa)
  • Nach der Festnahme des rechtsextremen Offiziers Franco A. wird über die politische Gesinnung innerhalb der Bundeswehr diskutiert.
  • Derzeit prüft der Militärische Abschirmdienst (MAD) 275 Fälle im Bereich Rechtsextremismus, sie reichen bis ins Jahr 2011 zurück.
  • Im Bericht des Wehrbeauftragten ist von 63 gemeldeten Vorfällen im Jahr 2016 die Rede. Die meisten weisen ein rechtsextremes Motiv auf.

Von Antonie Rietzschel | Süddeutsche.de

Vielleicht wünscht sich Ursula von der Leyen eine Zeitmaschine, die sie ein paar Jahre zurück katapultiert. Als die Probleme der Verteidigungsministerin vor allem technischer Natur waren: Fehlende Präzision beim G36-Sturmgewehr. Mängel beim Transportflugzeug A400M. Die fluguntaugliche Drohne „Euro Hawk“, eine Altlast von Vorgänger Thomas de Maizière. Technik lässt sich einfach reparieren. Menschen nicht und schon gar nicht ein ganzes Heer.

Bereits Anfang des Jahres häuften sich Meldungen über Misshandlungen und sexuelle Übergriffe. Nach der Festnahme des rechtsextremen Offiziers Franco A. rückt die politische Gesinnung einzelner Truppenteile in den Mittelpunkt. Von der Leyen besuchte vergangene Woche die Kaserne Illkirch, wo Franco A. stationiert war. Die Verteidigungsministerin sagte, sie rechne damit, dass noch weitere rechtsextreme Vorfälle in der Truppe bekannt werden. „Wir müssen uns darauf einstellen, das ist meine tiefe Überzeugung, dass das, was wir bisher wissen, nicht alles ist, sondern dass sich dort noch mehr zeigen wird“, so von der Leyen.

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Europa muss sich verstärkt der Religionsfreiheit widmen

Franz Josef Jung – Deutscher Bundestag – Achim Melde
EU-Kommissar Jean-Claude Juncker hat das Mandat des EU-Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit, Ján Figeľ, um ein Jahr bis zum Mai 2018 verlängert. Dazu erklärt der kirchen- und religionspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Franz Josef Jung: „Es ist äußerst wichtig, dass sich Europa insgesamt stärker mit der Durchsetzung der Religionsfreiheit weltweit befasst und den Wirkhebel zur Lösung von Konflikten beispielsweise im Nahen und Mittleren Osten in den Fokus nimmt.

BUNDESPRESSEPORTAL

Umso mehr freut es die CDU/CSU-Bundestagsfraktion, dass das zunächst auf ein Jahr angelegte Mandat des EU-Sonderbeauftragten nun um ein weiteres Jahr verlängert wurde. Für die Zukunft fordert die CDU/CSU-Bundestagsfraktion eine Verstetigung des Mandats und eine adäquate finanzielle Ausstattung, damit das Engagement des EU-Sonderbeauftragten eine größere Wirkung entfalten kann. Eine jährliche Befristung wird der Bedeutung der Thematik als Schlüssel für Frieden und Freiheit nicht gerecht.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion und der ÖVP Parlamentsklub in Österreich haben sich in einer gemeinsamen Initiative für einen Sonderbeauftragten auf europäischer Ebene eingesetzt. Beide Fraktionen messen dem Thema Religionsfreiheit mit Blick auf zahlreiche Konflikte weltweit ein hohes Maß an Bedeutung bei. Es gilt, diese Erkenntnis auch auf Gesamteuropa zu übertragen. Europa steht für Frieden und Freiheit – ein stetiger Beauftragter für Religionsfreiheit ist ein sichtbares Signal nach außen, dass Europa für diese Überzeugung einsteht.“

‘Into Eternity’ Is a Warning Message for the Future

A robot excavates a tunnel at Onkalo. Image: Michael Madsen
The documentary chronicles the excavation of Onkalo, a nuclear waste repository made to last for 100,000 years.

By Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

The oldest known examples of writing—stone tablets inscribed with ancient Sumerian symbols—are no more than 5,500 years old. The pyramid of Giza is 4,500 years old. The Great Wall of China: 2,000. And a quarter of a mile underground in Finland, nuclear scientists and engineers are working on a project that will outlast them all.

It’s called Onkalo, and it’s designed to exist for 100,000 years.

Onkalo (Finnish for „small cave“) is a deep geological repository, a massive tunnel system that will eventually host 6,500 tons of nuclear waste. When all of it is in place, sometime around 2100, it will be backfilled to prevent the intrusion of future humans. Its radioactive contents have half-lives of tens of thousands of years, and if they leaked into the surrounding Earth, the consequences would be disastrous.

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