Milchstraße: Streit ums „Gammaglühen“

Das Zentrum unserer Milchstraße sendet einen rätselhaften Überschuss an Gammastrahlung aus. © NASA, A. Mellinger/ Central Michigan University, T. Linden/ University of Chicago
Debatte unter Astronomen: Was verursacht den Überschuss an Gammastrahlung aus dem Herzen der Milchstraße? Bisher galt dieses „Gammaglühen“ als mögliches Indiz für Teilchen Dunkler Materie. Daten des Fermi-Teleskops scheinen dem nun zu widersprechen. Nach diesen könnte der Strahlenüberschuss auch von den zahlreichen Pulsaren im Milchstraßenzentrum stammen – ganz ohne Zutun der Dunklen Materie.

scinexx

Die Dunkle Materie ist überall im Weltraum zu finden: Sie verbirgt sich in „Dunklen“ Galaxien, aber auch in unserer Milchstraße und bildet unsichtbare kosmische Filamente . Doch aus welchen Teilchen diese exotische Materieform besteht, bleibt rätselhaft.

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Flüchtlings-Unterbringung im Flughafen kein Freiheitsentzug

Das Festhalten von Asylsuchenden im Transitbereich des Frankfurter Flughafens stellt laut Bundesgerichtshof keinen rechtswidrigen Freiheitsentzug dar. Auch wenn sich ein Flüchtling in dem sogenannten Flughafenverfahren zur Prüfung seines Asylantrags dort aufhalten muss, stehe es ihm frei, jederzeit auf dem Luftweg wieder abzureisen, erklärte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe in einem am Montag veröffentlichten Beschluss.

evangelisch.de

Im konkreten Fall stellte ein aus der Elfenbeinküste stammender Mann am 21. April 2016 bei seiner Ankunft am Frankfurter Flughafen einen Asylantrag. Er wurde daraufhin vor seiner Einreise nach Deutschland im Transitbereich des Frankfurter Flughafens untergebracht. Dort sollte sein Asylantrag geprüft werden.

Der Asylsuchende darf die ihm zugewiesene Unterkunft nicht verlassen. An dem Flughafenverfahren müssen alle Asylsuchende teilnehmen, die entweder über keine oder gefälschte Ausweispapiere verfügen oder aus einem als sicher geltenden Herkunftsland stammen.

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Drogentote Legal Highs: Nicht verboten, aber oft tödlich

Gefährliche Kräuter: Legal Highs, hier Proben eines beschlagnahmten Stoffes, bereiten Drogenfahndern und Präventionsexperten zunehmend Sorgen. (Foto: dpa)
Schon wieder ist die Zahl der Drogentoten in Deutschland gestiegen. Vor allem Substanzen, die als harmlose Badesalze oder Kräutermischungen daherkommen, bereiten den Experten Sorgen

Von Kerstin Lottritz, Anna Fischhaber | Süddeutsche.de

„Jedes unserer Produkte ist legal“, verspricht der Onlinehändler in leuchtend grünen Buchstaben auf seiner Internetseite. Und mehr noch: „Die Produkte scheppern ordentlich. Heller Wahnsinn.“ Zu kaufen gibt es bei diesem Händler etwa Kräutermischungen, Badesalze oder Partypillen. Alles zwar wie gesagt völlig legal – aber trotzdem ziemlich gefährlich. Fast 100 Menschen sind 2016 in Deutschland durch sogenannte Legal Highs gestorben, das waren mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Das geht aus dem Bericht hervor, den die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und das Bundeskriminalamt jährlich veröffentlichen. Er soll Aufschluss über den Drogenkonsum und seine Folgen in Deutschland geben. Welche Erkenntnisse sich hinter den Zahlen verstecken:

1. Erkenntnis: Die Zahl der Drogentoten steigt seit Jahren

Im vergangenen Jahr sind hierzulande 1333 Menschen an ihrem Drogenkonsum gestorben. Das waren neun Prozent mehr als im Vorjahr. Nur 2008, damals lag die Zahl bei 1449, gab es zuletzt noch mehr Drogentote, der Trend ist allerdings nicht neu. „Dass die Drogentotenzahlen zum vierten Mal in Folge angestiegen sind, ist keine gute Nachricht“, sagt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler.

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Das magische Elqui-Tal

Das Elqui-Tal in Chile (imago / imagebroker)
Im Elqui-Tal in Chile befindet sich der Energieknoten der Erde, glauben zumindest spirituelle Touristen, die in Scharen ins Gebiet um den Monte Cancana strömen. Er sei vom Himalaya dorthin gewandert. Reiseführer haben sich auf die Suche nach Energie, Sinn und Heilung spezialisiert.

Von Sophia Boddenberg | Deutschlandfunk

„Hier im Tal gibt es eine besondere Energie, weil wir den Berg Monte Cancana haben, den Berg mit dem höchsten Ferritin-Anteil der Welt. Er ist ein gigantischer Magnet. Wir sind Energie. Die Energie des Berges hat einen positiven Einfluss auf uns, auf unsere Sinne und Gefühle. Das ist das Mysterium der Energie im Tal. Dann gibt es noch eine andere Geschichte der Buddhisten, die besagt, dass sich die Kundalini-Energie der Erde von Tibet aus hierhin verschoben hat. Vorhersagen der Mayas und anderer Kulturen sagen, dass hier in Südamerika die neue Menschheit entstehen wird. Deshalb kommen viele Menschen verschiedener Kulturen und Länder nach Chile“, sagt René Fuentes.

Er ist um die 60 Jahre alt und lebt seit fünf Jahren im Elqui-Tal in Chile. Er hat graue Haare, indigene Gesichtszüge und von der Sonne gebräunte, ledrige Haut. Er kam hierher auf der Suche nach mehr Lebensqualität – vorher lebte er in Chiles Hauptstadt Santiago.

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Muss ein Krankenhaus katholischer Schwestern Abtreibungen durchführen?

Der irische Gesundheitsminister will, dass die neue Geburtsklinik in Dublin „alle relevanten und legalen Maßnahmen des Gesundheitswesens“ durchführt.

kath.net

Simon Harris, der Gesundheitsminister der Republik Irland, will eine von katholischen Ordensschwestern mitbetriebene neue Geburtsklinik, dazu verpflichten, Abtreibungen, künstliche Befruchtung und Verhütungsmittel anzubieten.

Das neue „National Maternity Hospital“ in Dublin müsse die volle „klinische, operative und finanzielle Unabhängigkeit“ haben und „ohne religiöse Einflussnahme“ arbeiten. Dies seien Grundvoraussetzungen, die in einem Vertrag mit den „Religious Sisters of Charity“ auf jeden Fall erfüllt sein müssten, betont Harris. Als Gesundheitsminister habe er die Möglichkeit, die Versorgung mit allen „relevanten und legalen Maßnahmen des Gesundheitswesens“ zu garantieren, fügt er hinzu.

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Migrantenorganisationen werfen de Maizière Spaltung vor

Leitkultur © MiG
Einer Umfrage zufolge wünscht sich die Mehrheit der Deutschen eine „Leitkultur“. Unterstützung bekommt de Maizières Vorstoß auch aus der CSU. Migrantenorganisationen hingegen werfen dem Minister Spaltung vor. Alt-Bundespräsident Wulff plädiert für eine „freiheitlich-demokratische Leitkultur“.

MiGAZIN

Die Thesen von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zu einer deutschen Leitkultur sorgen weiter für Diskussionen. Am Freitag kritisierten Migrantenorganisationen den CDU-Politiker in einem offenen Brief. Seine Thesen seien eher geeignet „die Gesellschaft zu spalten als zusammenzuführen“, heißt es darin. Absender ist das Forum der Migrantinnen und Migranten, das sich im Paritätischen Wohlfahrtsverband zusammengefunden hat. Unterstützung für de Maizière kam indes vom früheren Bundespräsidenten Christian Wulff. Laut einer Umfrage im Auftrag des Magazins Focus hat der Innenminister auch Rückendeckung in der Bevölkerung für die von ihm angestoßene Debatte.

Demnach stimmen 52,5 Prozent der Deutschen der Aussage zu, dass Deutschland eine Leitkultur braucht. Ein Viertel (25,3 Prozent) sprach sich dagegen aus. Der Rest war unschlüssig oder machte in der Umfrage, für die das Meinungsforschungsinstitut Insa den Angaben zufolge 1.000 Personen befragt hat, keine Angaben.

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Demo für Alle wehrt sich gegen Diffamierung – Aufschrei der Zeloten

Themenbild.
Grüne und andere Politiker hatten in den letzten Tagen glatte Fake-News über die „Demo für Alle“ verbreitet, diese wehren sich jetzt gegen die Verleumdungen durch Lokalpolitiker von den Gründen, der SPD, der FDP und der Linke

kath.net

Die Initiative „Demo für Alle“ hat sich am Wochenende gegen eine Diffamierungskampagne im Vorfeld des Symposiums „„Sexualpädagogik der Vielfalt“ und einer weitere Veranstaltung des Aktionsbündnisses am gestrigen Sonntag in Wiesbaden zur Wehr gesetzt. Laut „Demo für Alle“ wurde vom Vorsitzenden der Grünen, Kai Klose, dabei über die Mitglieder des Aktionsbündnis behauptet, dass diese die durch unsere Verfassung geschützte „Menschenwürde“ und „das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit in Frage stellen würden und sie wollten „spalten und ausgrenzen“ wollen. Klose behauptete dann sogar, dass von Vertretern des Aktionsbündnisses „hetzerische Reaktionen“ auf den hessischen Sexualerziehungslehrplan erfolgt seien und diese als „abartig“ bezeichnet wurden. Außerdem wurde von dem Grünen-Vertreter die Behauptung verbreitet, dass „Demo für Alle“ Homosexualität mit Pädophilie gleichsetze.

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Mit WLAN durch Wände sehen

Das im realen Bild sichtbare Kreuz aus Alufolie lässt sich aus dem WLAN-Hologramm rekonstruieren. © Friedemann Reinhard/Philipp Holl / TUM; Mediengestalter / pixabay
Wie Röntgenstrahlen aus dem Router: Eine neue Technik ermöglicht dreidimensionale Bilder durch Nutzung handelsüblicher WLAN-Sender. Aus deren Strahlung kann ein Hologramm erzeugt und am Computer angezeigt werden. In Zukunft lassen sich so vielleicht ganze Räume selbst durch eine Wand hindurch abscannen. Das macht die Technologie auch für die Suche nach Verschütteten interessant.

scinexx

Wie der Blick durch ein Fenster, liefert ein Hologramm ein dreidimensional erscheinendes Bild. Wir kennen Hologramme vor allem aus Science Fiction-Filmen. Aber auch in der Realität werden immer aufwändigere Holografien möglich, die sogar längst verstorbene Popstars zu lebensechten Performances wiedererwecken. Allerdings wird für solche 3D-Effekte ohne 3D-Brille aufwändige Lasertechnik benötigt.

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Israel will Arabisch als zweite Amtssprache abschaffen

Aufnahme von einer Protestkundgebung in Bethlehem: Palästinenser zeigen ihre Unterstützung mit palästinensischen Häftlingen in isralischen Gefängnissen, die sich im Hungerstreik befinden. – (c) REUTERS (Mussa Qawasma)
Ein Ministerausschuss billigte einen dementsprechenden Gesetzesentwurf. Künftig soll Arabisch nur noch einen „Sonderstatus“ als Sprache besitzen.

Die Presse.com

Ein israelischer Ministerausschuss hat am Sonntag einen Gesetzesentwurf gebilligt, der Arabisch als zweite Amtssprache in dem Land abschaffen soll. Der umstrittene Vorschlag sehe vor, dass Arabisch künftig nur noch einen „Sonderstatus“ haben solle, schrieb die Zeitung „Times of Israel“.

Das Gesetz, das noch zwei Lesungen im Parlament passieren muss, definiere Israel als „nationale Heimstätte des jüdischen Volkes“, hieß es weiter.

Ein ähnlicher Vorstoß war 2014 gescheitert. Kritiker hatten bemängelt, das Gesetz diskriminiere die arabische und andere Minderheiten in Israel. Mehr als 20 Prozent der 8,7 Millionen Israelis sind Araber. Bisher sind in Israel Hebräisch und Arabisch Amtssprachen.

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Was die Gene von Mann und Frau unterscheidet

Selbst wenn Männer und Frauen nahezu die gleichen Gene haben, unterscheidet sich ihre Genaktivtät erheblich. © Jupiter images /thinkstock
Klare Unterschiede: Mindestens 6.500 Gene sind bei Männern und Frauen unterschiedlich aktiv – und dies nicht nur in den Geschlechtsorganen, sondern auch in ganz normalen Geweben wie dem Körperfett, den Muskeln oder der Haut. Sogar in Herz und Hirn entdeckten Forscher teilweise überraschende Unterschiede. Interessant auch: Männerspezifische Gene sind offenbar anfälliger für Mutationen, wie die Analysen ergaben.

scinexx

Männer und Frauen unterscheiden sich in mehr als nur den offensichtlichen äußeren Merkmalen. Zwar ist „das“ männliche oder weibliche Gehirn ein Mythos, dennoch existieren psychische und gesundheitliche Unterschiede. Studien zeigen beispielsweise, dass die Geschlechter verschieden auf Stress reagieren, dass Männer zwar meist die bessere Orientierung haben, dafür aber vergesslicher sind und unter schlimmeren Infekten leiden.

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Kriegsende in den Kirchen: „Die Schuld wurde ausgeblendet“

Hamburg, Eilbeker Weg nach den Bombenangriffen der Operation Gomorrha. Bild: wikimedia.org/Dowd J (Fg Off), Royal Air Force official photographer /PD
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam in den Kirchen nur wenig von den Kriegsverbrechen und Konzentrationslager zur Sprache. Auch die Stuttgarter Schulderkärung vom 19. Oktober 1945 erläuterte die Verstrickung der evangelischen Kirche in den NS-Staat nicht. Der Historiker Stephan Linck hat sich eingehend mit der Geschichte der nordelbischen Landeskirchen befasst.

Von Jörg Echtler | evangelisch.de

Am 8. Mai 1945 kapitulierte die Wehrmacht. Wie haben die Kirchen auf das Kriegsende in Deutschland reagiert?

Stephan Linck: Wilhelm Halfmann, der spätere holsteinische Bischof und eine Leitfigur der Bekennenden Kirche, hat am 6. Mai 1945 in Flensburg gepredigt. Zu diesem Zeitpunkt war nicht so ganz klar, wer eigentlich das Sagen hatte. Die geschäftsführende Reichsregierung unter Großadmiral Dönitz war ja noch bis zum 23. Mai im Amt. „Du hast uns in den Staub geworfen und gedemütigt und unser Volk der Rache seiner Feinde ausgeliefert“ – das sagt Halfmann Anfang Mai. Der Lübecker Propst Johannes Pautke gebraucht das Wort „Vernichtung“ – bezogen auf die Situation des deutschen Volkes. Am darauffolgenden Sonntag kommt Halfmann dann auf die Verantwortung der Deutschen zu sprechen: „Die wir die Wahrheit wussten, haben geschwiegen“ und seien, so seine Wortwahl, „mit verstrickt“ in diese Schuld.

Das ist ja eine recht deutliche Aussage.

Linck: Er bringt das Thema selbst auf die Tagesordnung, ja – zumindest in einer sehr allgemeinen und vorsichtigen Form. Es wird eine Schuld bekannt, aber nicht konkret benannt. Doch auch das geht schon zu weit: Halfmann kriegt sehr schnell starken Gegenwind. Was er sagt, gefällt den Leuten, die sehr zahlreich in die Kirchen strömen, gar nicht.

Es bleibt also bei diesem ersten vorsichtigen Versuch?

Linck: Ja. Wenig später schickt Halfmann ein Rundschreiben an die schleswig-holsteinischen Pfarrer. Da sagt er ganz klar: Nur die eigenen Sünden der christlichen Gemeinde seien zu bekennen. „Wenn es sich um Volkssünden handelt“, so Halfmann, „dann Vorsicht, dass wir nicht in der Schande wühlen“. Das heißt, sein vorsichtiger Versuch verkehrt sich innerhalb eines Monats ins Gegenteil.

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Schrittzähler-Apps – mit dem Smartphone zum Seelenheil

Gut eine Million Pilger im Jahr – 1489 soll sich der Überlieferung nach in der Gnadenkapelle der Schwarzen Muttergottes ein Wunder ereignet haben. (Foto: Sebastian Beck)
Bei der Wallfahrt nach Altötting spielen heute auch Schrittzähler-Apps und gut sitzende Sportschuhe eine Rolle. Das Anliegen, bei der Gottesmutter um Beistand zu bitten, bleibt seit Jahrhunderten gleich. Unterwegs mit Pilgern

Von Katharina Schmid | Süddeutsche.de

Freitag, 21.15 Uhr. Knapp zwanzig Menschen stehen auf dem Friedhof der Kirche St. Jakob in Günzkofen. Sie tragen Sportschuhe und Windjacken in allen Farben, haben Rucksäcke geschultert, Stirnlampen auf dem Kopf. „Ich geh zum ersten Mal von Günzkofen aus mit“, sagt eine. „Ich bin schon zum siebten Mal dabei“, sagt ein anderer. Zwischen den perfekt ausgerüsteten Menschen ein alter Mann im Anzug, schlohweißes Haar, Hacklstecker in der Hand. Sein Gang zittert ein wenig, sein Stimme tut es auch, als er sagt: „50 Mal bin ich mitgegangen, 50 Mal. Jetzt geht’s nicht mehr.“ Er fasst Helmut Steinmeier am Arm und sagt: „Macht es wieder gut, gell. Und tut’s aufpassen.“ Helmut Steinmeier, groß, grau meliertes Haar, Fahnentragegurt über der Schulter, ist Pilgerleiter; der alte Mann ist der Bruder von Steinmeiers Vorgänger, der die Wallfahrt aus dem niederbayerischen Günzkofen ins oberbayerische Altötting mehr als 50 Jahre geleitet hat. Und die Leute in Sportklamotten, die auf dem Friedhof stehen und auf den Wallfahrersegen vom Pfarrer warten, sind Pilger, die sich gegen halb zehn Uhr abends auf den Weg zur Schwarzen Madonna nach Altötting machen.

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Vom Aberglauben zum Wissenschaftsglauben

Bild: heise.de/tp
Wie weit die gesellschaftliche Regression im Spätkapitalismus vorangeschritten ist, offenbart auch die neue „Wissenschaftsbewegung“

Von Detlef Buchsbaum | TELEPOLIS

Das Wissen, das Macht ist, kennt keine Schranken, weder in der Versklavung der Kreatur noch in der Willfährigkeit gegen die Herren der Welt.

Dialektik der Aufklärung

Ende April ging eine Protestwelle durch den globalen Wissenschaftsbetrieb, die sich vornehmlich gegen die wissenschaftsfeindliche Politik von US-Präsident Trump richtete (Scíence March). Die Wissenschaftler sehen sich mit einer zunehmend erstarkenden Wissenschaftsfeindlichkeit konfrontiert. Dies sei vor allem bei der Klimawissenschaft der Fall, die vor allem von den neuen rechtspopulistischen Bewegungen angegriffen werde.

Dabei weisen die Proteste aber eine merkwürdige Schlagseite auf, bei der jegliche kritische Selbstreflexion der Wissenschaft unterblieb. Wenn Kritik im Zusammenhang mit Forschung und Lehre geäußert wurde, dann nur an den Arbeitsbedingungen im Wissenschaftsbetrieb – während die widersprüchliche gesellschaftliche Funktion der Wissenschaft im Kapitalismus nahezu vollständig ausgeblendet wurde.

Die neue „Wissenschaftsbewegung“ fällt somit auf einen unkritischen Wissenschaftsbegriff zurück, wie er etwa im 19. Jahrhundert populär war. Selbst die Klassiker der wissenschaftskritischen Literatur scheinen im Wissenschaftsbetrieb kaum Spuren hinterlassen zu haben. Und tatsächlich kann die Welt so schön einfach sein – wenn man nur wissenschaftsgläubig genug ist. Auf der einen Seite finden sich hier die aufgeklärten Wissenschaftler, die in Gestalt des globalen Wissenschaftscommunity der objektiven Forschung und Lehre verpflichtet sein wollen. Die Gegenseite soll hingegen von den Kräften der irrationalen Finsternis, von Dummheit, Aberglauben und Partikularinteressen, beherrscht sein.

Fast könne es scheinen, als ob die Herrschaft im Kapitalismus immer noch auf plumpen Aberglauben oder auf dem Terror der Inquisition beruhen würde. Und tatsächlich ist es ja keine Einbildung, dass der Wissenschaft auch in den Metropolen immer größere Skepsis, mitunter offene Feindschaft entgegenschlägt. Es gibt eine breite, globale, in Mythen und Wahnvorstellungen versinkende barbarische Bewegung, deren Exponenten sich im Grad ihrer Militanz und in ihrer konkreten Ideologie unterscheiden: von der klimaleugnenden Wirtschaftslobby bis zur AfD, von Donald Trump bis zu den Taliban, von Boko Haram bis zum Islamischen Staat.

Und dennoch erklärt diese Zustandsbeschreibung nichts. Woher kommt dieser aufschäumende Hass auf die Wissenschaft, der ja auch in den Zentren des spätkapitalistischen Weltsystems an Dynamik gewinnt? Die Lobbygruppen und die populistischen Politiker, die etwa gegen die Klimawissenschaft polemisieren, artikulieren ja breite diesbezügliche Stimmungen in der Bevölkerung. Wissenschaftsfeindlichkeit, Populismus und Extremismus blühen ja nicht nur in der „unterentwickelten“ Peripherie (etwa dem arabischen Raum), sondern gerade auch in den Zentren (hier vor allem in den USA), die ja einen langfristigen Rationalisierungsprozess ausgesetzt waren.

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Religiotie: Menschenkette in Magdeburg präsentiert längste Bibel der Welt

Schüler demonstrieren wie der Weltrekordversuch „längste Bibel der Welt“ aussehen wird. dpa/Klaus-Dietmar Gabbert/FOCUS ONLINE
Fast 400 Menschen bildeten am Elbufer eine Menschenkette und hielten gemeinsam die mehr als einen Kilometer lange sogenannte Wiedmann-Bibel.

evangelisch.de

Zum 500. Reformationsjubiläum ist die wohl längste gemalte Bibel der Welt am Sonntag in Magdeburg erstmals komplett ausgeklappt und an einem Stück präsentiert worden.

In Erinnerung an das Jahr von Luthers Thesenveröffentlichung, die als Auslöser der Reformation gilt, sollte die gemalte Bibel auf 1.517 Metern Länge gezeigt werden. Zuvor wurde ein Gottesdienst im Magdeburger Dom gefeiert.

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Die Wegelagerer aus der Fußgängerzone

Man trifft sie zuhauf in Fußgängerzonen: professionelle Spendensammler, und sie sind oft nicht zimperlich. © Picture Alliance
Sie machen den Bummel durch die Fußgängerzone zum Hindernislauf: Promoter, die Spenden für den WWF oder andere Organisationen sammeln. Ihr Lohn ist abhängig vom Erfolg. Das macht sie aufdringlich.

Von Kerstin Herrnkind | stern.de

Es geschieht am hellichten Tag. Mitten in der Fußgängerzone. Plötzlich ist ein Mann hinter mir. „Ich bin ihr persönlicher Autopilot“, sagt er mit abgehackter Stimme, er versucht offenbar, einen Roboter zu imitieren. Oh Gott, ein Irrer, denke ich und gehe schneller. Doch der Mann bleibt hinter mir. „Nach drei Metern bitte rechts abbiegen“, sagt er. Als ich nicht pariere, wiederholt er: „Nach drei Metern rechts abbiegen, habe ich gesagt.“ Ich drehe mich um. „Wo ich hingehe, entscheide ich immer noch alleine“, herrsche ich ihn an und gehe weiter. Als ich mich in Sicherheit wähne, drehe ich mich doch noch mal um. Der Mann winkt mir zu. Aufdringlicher Typ, denke ich, als ich plötzlich  den WWF-Infostand sehe und begreife, was der Autopilot wollte: Mich zum Stand lotsen, um mich als Spenderin für die Umweltschutzorganisation zu werben.

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AfD-Landeschef behält Listenplatz – trotz Beobachtung durch Verfassungsschutz

Der Vorsitzende der AfD Bayern Petr Bystron (Foto: dpa)
  • Bayerns AfD-Chef wird wegen Sympathie-Bekundungen für die rechtsextremistische „Identitäre Bewegung“ vom Verfassungsschutz beobachtet.
  • Seinen Platz auf der Landesliste für die Bundestagswahl darf er behalten.

Von Johann Osel | Süddeutsche.de

Die Bayern-AfD hat in der Debatte um ihren Chef Petr Bystron am Wochenende eine Eskalation vermieden. Der seit Kurzem vom Verfassungsschutz beobachtete Bystron behält Platz vier auf der Liste zur Bundestagswahl. Der Antrag einiger Mitglieder, den Platz angesichts neuer Fakten – der Geheimdienstbeobachtung – erneut zu wählen, wurde auf dem Parteitag in Greding gar nicht erst behandelt. Eine deutliche Mehrheit lehnte das ab.

Der Verfassungsschutz begründet die Beobachtung mit Sympathien für die als rechtsextrem eingestufte „Identitäre Bewegung“ (IB). Bystron hatte die IB mehrmals gelobt und behauptet, die AfD solle in Parlamenten für diese ein „Schutzschild“ sein. Die IB hat laut der Behörde „auf subtile Weise starke Verwandtschaft mit der völkischen Ideologie“. Bystron hatte vor allem betont, dass ihm die zeitgemäßen und gewaltfreien Aktionen der IB gefielen, etwa das Anbringen neuer Kreuze auf Berggipfeln.

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Mord vor 15 Jahren: Pim Fortuyn, der „Vater des Populismus“

Pim Fortuyn war ein Dandy: Hier sprach er mit Journalisten – vom Rücksitz seines Bentleys aus. – (c) REUTERS (Michael Kooren)
Er wurde mit Mussolini verglichen, auf eine Stufe mit Jörg Haider gestellt, er selbst sah sein Vorbild in John F. Kennedy. Die Niederländer gedenken dem „Vater des Populismus“ Pim Fortuyn: Der Politiker wurde 15 Jahren ermordet.

Von Helmut Hetzel | Die Presse.com

In vielen niederländischen Städten wurden am Wochenende Gedenkveranstaltungen für den niederländischen Politiker und „Vater des Populismus“‚ Pim Fortuyn abgehalten, der vor 15 Jahren ermordet wurde. Die zentrale Gedenkveranstaltung fand in Fortuyns Heimatstadt Rotterdam statt; an ihr nahmen Tausende Fortuyn-Anhänger teil, unter ihnen auch die ehemalige Ministerin für Asyl und Migration Rita Verdonk und der in Holland sehr populäre Sänger Lee Towers. Motto des Gedenkens an Pim Fortuyn: Pim nooit vergeten zegt ons geweten – Pim nie vergessen, sagt unser Gewissen.

Der militante Tierschützer und Veganist Volkert van der Graaf erschoss Pim Fortuyn am 6. Mai 2002 kurz vor 18.06 Uhr aus nächster Nähe im Park des Medienzentrums in Hilversum, als Fortuyn nach einem Interview aus einem TV-Studio kam. Er hatte dort im Gebüsch stundenlang auf sein Opfer mit geladener Pistole gewartet. Er feuerte fünf Schüsse aus nächster Nähe auf Fortuyn. Der Politiker starb noch am Tatort.

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Katrin Göring-Eckardt: Dodo des Monats April 2017

Dodo des Monats April 2017 ©HFR

KGE macht Marmelade, Erdbeeren und Rhabarber gemischt, letzterer verschwindet, ist also nicht mehr sichtbar, so wie der von ihr geliebte Gott. Kochen und etwas Farbe lassen den Göttlichen im Dampf unsichtbar werden. Dumme Erläuterungen für ein Kind. Indoktrination nennt man das wohl.
Mit KGE begibt man sich in die Niederungen spiritueller Rauschzustände die wir eigentlich nur von Frau Käßmann kennen. Beiden gemeinsam, die Liebe zu Martin Luther, dem Helden freiheitlichen Denkens. Und schon sind wir beim Lug und Trug mit dem das geschichtliche Abbild Luthers geschmiert wird. Aus einem Brief, mit den Thesen, an seinen Bischof, wird der Thesenanschlag, aus dem Mönch ein judenhassender Theologe, ein Frauenverächter gewürzt mit blanken Sexismus, was Pseudo-Feministinnen wie KGE nicht davon abhält ihren kruden Thesen von Luther und den Frauen im Kitsch einer Tschibo-Werbung anzupreisen.

„Darum hat die Maid ihr Punzlein, daß es dem Mann ein Heilmittel bringe.“ zitiert nach: „Luther heute: Ein trefflich Wort“, Verlag Neues Leben, S. 33

Wenn Gott wie Rhabarber ist spielen solche frauenfeindlichen Sprüche natürlich keine Rolle. Kritik darf nicht formuliert werden, sie und ihre Luther-Paladine von der Hauptabteilung Kirche im Bundeskanzleramt  sofort in Abwehrhysterie verfallen. Die von Luther geforderte Freiheit des Glaubens wird ganz dreist sozial transformiert und religiös okkupiert.

„Unkraut wächst schnell, darum wachsen Mädchen schneller als Jungen.“ zitiert nach Arnulf Zitelmann, 1997, „Widerrufen kann ich nicht. Die Lebensgeschichte des Marthin Luther“, Beltz&Gelberg, S. 111

Der göttliche Rhabarber bedarf der Pflege, er kann verunkrauten und von Parasiten befallen werden. Im alten China nutzte man die Pflanze als sanftes Abführmittel. Gott garantiert seiner geschöpften Kreatur die Darmentleerung. Unstrittig ist, das diese durchaus göttlichen Charakters sein kann. Die Erleichterung ist menschlich spürbar, dank KGE göttlich. Luther lästerte seinerzeit über Äußerungen des Papstes „er habe gepforzet.“ Unbekannt ist ob der Papst dies mittels Rhabarber erreichte.

Dank Luther wissen wir auch dass Frauen unter einem Mangel an Verstand leiden

der Weiber Regiment von Anfang der Welt nie nichts Guts ausgerichtet hat, wie man pflegt zu sagen: Weiber Regiment nimmt selten ein gut End! Da Gott Adam zum Herrn über alle Kreaturen gesetzt hatte, da stund es Alles noch wohl und recht, und Alles ward auf das Beste regieret; aber da das Weib kam und wollte die Hand auch mit im Sode haben und klug sein, da fiel es Alles dahin und ward eine wüste Unordnung. … Wenn Weiber beredt sind, ist das an ihnen nicht zu loben, es paßt besser zu ihnen, daß sie stammeln und gut reden können. Das ziert sie viel besser.“ zitiert nach Hubert Mynarek, „Luther ohne Mythos“, S. 45f

Luther forderte darüber hinaus die Todesstrafe für Ehebruch, ist die Frau zickig und verweigert den ehelichen Beischlaf, so kann sich der Herr der Schöpfung eines anderen Weybes bedienen.

Wo nun eyns sich sperret und nicht wil, da nympt und raubet es seynen leyb, den es geben hatt dem andern, das ist den eygentlich widder die ehe unnd die die ehe zuryssen. Darumb muß die weltliche ubirkeyt das weyb zwingen oder umb bringen. Wo sie das nicht thutt, muß der man dencken, seyn weyb sey yhm genomen von raubern und umb bracht und nach eyner andern trachten.“ zitiert in Hubert Mynarek, „Luther ohne Mythos“, S. 56

Soviel zur Freiheit der Christenfrau ala Martin Luther. Vielleicht sind ja in den süß-sauren Lutherbonbons, die man gut marktwirtschaftlich zum Kirchentag unter die Jecken werfen will, durchaus mit göttlichen Rhabarber gefüllt. In diesem Falle sollte die Stadt Berlin noch ein paar zusätzliche Dixie-Klos anmieten.

In dem Sinne, jederzeit eine gute Verrichtung, dank göttlichen Rhabarbers. Die Zeit sollte KGE für eine Lutherlektüre nutzen.

Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Dodo.

 

An Alien-Hunting Submarine Is Being Tested in Antarctica

ARTEMIS under Antarctic sea ice. Image copyright: Bill Stone/Stone Aerospace, Inc. Used with permission.
A look at the amazing photos and stunning science from the ARTEMIS mission in Antarctica.

By Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

When president Trump released his budget proposal earlier this year, space enthusiasts were dismayed to learn that it didn’t include funding for NASA’s mission to place a lander on Europa. Although it is just one of Jupiter’s 67 moons, Europa is unique in that it is thought to have an ocean of liquid water under the icy, red-veined crust that covers its surface, which makes it the best candidate in the solar system for hosting alien life.

But all hope is not lost for the subsurface exploration of Europa—just last week, NASA and the European Space Agency announced a joint mission proposal for a new Europa lander.

This is particularly good news for the folks at Stone Aerospace, who have spent the last few years developing ARTEMIS, an autonomous submarine that is pioneering the technology that they hope will one day be used to explore Europa’s ocean. In 2015, ARTEMIS was given its first field test off the coast of Antarctica and the results of these test runs were presented at NASA’s astrobiology conference last week. By all accounts, the mission was a huge success.

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