Atomausstieg: Rechtsauffassung veraltet?


Das Forschungsschiff HELMER HANSSEN vor der Küste von Spitzbergen. Foto: Randall Hyman
Die Energie- und Klimawochenschau: Von ausnahmsweise guten Nachrichten aus der Arktis, der Fortsetzung der UN-Klimaverhandlungen und dem Streit um Brennelementelieferungen ins belgische AKW Tihange

Von Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Manchmal gibt es auch beruhigende Nachrichten aus den Klimawissenschaften: Wissenschaftler des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel haben jetzt gemeinsam mit Kollegen US-amerikanischen und norwegischen Kollegen herausgefunden, dass die Methanquellen am Meeresboden vor Spitzbergen einen positiven Effekt haben, indem sie der Atmosphäre Treibhausgase entziehen.

Das ist alles andere als selbstverständlich und ziemlich genau das Gegenteil von dem, was die meisten Experten erwartet hätten. Denn Methan ist selbst ein starkes Treibhausgas. In der Atmosphäre entwickelt ein Methanmolekül (CH4) hochgerechnet auf einen Zeitraum von 100 Jahren die 30fache Wirkung eines Kohlendioxidmoleküls (CO2), schreiben die Kieler in einer Pressemitteilung.

Seit Jahren gibt es daher eine zunehmende Sorge wegen der großen Methan-Mengen, die am Grund der arktischen und auch anderer Meere eingefroren sind und durch die Erwärmung der Ozeane mobilisiert werden könnten. Auch auf Telepolis wurde wiederholt gefragt, welche Gefahr von diesen potenziellen zusätzlichen Treibhausgasquellen droht.

Nun hat ein Forscherteam in einer umfangreichen Messkampagne über Methanquellen vor dem norwegischen Spitzbergen festgestellt, dass ausgerechnet an der Wasseroberfläche direkt über diesen der Ozean 2.000-mal mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre absorbiert, als dort Methan umgekehrt in die Atmosphäre gelangt. „Sogar wenn man die stärkere Treibhauswirkung des Methans herausrechnet, haben wir in diesen Bereichen also eine negative Wirkung auf den Treibhauseffekt“, meint Jens Greinert, der bei Geomar forscht und lehrt und zu den Autoren der am Montag veröffentlichten Studie gehört.

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