Naidoo und Gerüchte über das System

Screenshot aus einem YouTube-Video
Xavier Naidoo ist kein „Systemkritiker“. Wer das Unverzeihliche an seinen Texten verteidigt, läuft Gefahr, zur Marionette seiner Medienstrategie zu werden

Von Marcus Hammerschmitt | TELEPOLIS

Mit einer geschickten Provokation hat der Troubadour von Mannheim wieder einmal eine Empörungswelle in den Medien losgetreten. Das uhrwerkartig ablaufende Spiel führt zu glänzenden Chartplatzierungen und klingelnden Kassen; außerdem schließt es selbstverständlich ein, dass manche sich schützend vor die hehren Ideale des Künstlers werfen und die schnöde Kritik der Medienmeute abwehren wollen. Für Telepolis hat diese Rolle jüngst Marcus Klöckner übernommen, indem er mit viel rhetorischem Aufwand Naidoo zu einem Opfer stilisiert hat (siehe Medienhetze gegen Systemkritik).

Dem muss widersprochen werden.

„Medienhetze“, „Rudeljournalismus“, „mediales Standgericht“ – das sind einige der Beschreibungen, die Marcus Klöckner für die Pressereaktionen auf Xavier Naidoos jüngste Produkte übrig hat. Es sei einmal dahingestellt, ob es in diesem Fall eine irgendwie geartete Formierung „des“ Journalismus gegeben hat; viel wahrscheinlicher ist, dass Medienakteure, wie so oft, zu einem auflagerelevanten Remmidemmi einfach voneinander abgeschrieben haben, weil das – wie damals in der Schule – halt einfach ökonomischer ist.

Für den Moment sei nur festgehalten, dass Marcus Klöckner aus meiner Sicht in seinem Artikel haarscharf an der Unterstellung vorbeischrammt, hinter den Kulissen säßen einige, die auf Knopfdruck die Puppen tanzen lassen, um Naidoo zu schaden – Rudel ohne Anführer und Standgerichte ohne militärische Befehlskette sind nunmal recht selten. Das wäre dann an sich schon sehr naidoonistisch gewesen.

Klöckner bezeichnet Naidoo als einen Künstler. Das ist sein gutes Recht, obwohl man angesichts der textlichen Qualität des Liedes, um das es hier geht an dieser Aussage zweifeln kann. Ganz sicher irrt sich Klöckner meiner Auffassung nach aber mit der Behauptung, Naidoo sei ein „Systemkritiker“.

Wenn das kapitalistische System, also das Verhältnis zwischen den Besitzern von Kapital und Produktionsmitteln auf der einen und den Lohnabhängigen auf der anderen Seite je das Thema von Xavier Naidoos Schaffen war, dann hat er es bisher gut verborgen.

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Türkei veröffentlicht Fake-Interview in deutschen Zeitungen

Um für den Wirtschaftsstandort Türkei zu werben, hat die Regierung in Ankara Anzeigen in deutschen Zeitungen schalten lassen. Doch das abgedruckte Interview mit der Deutschen Handelskammer wurde so nie geführt.

DIE WELT

Die türkische Regierung wirbt in einer großen Anzeigenkampagne in Zeitungen für den Wirtschaftsstandort Türkei. Mit dem Zitat „Das Potenzial der Türkei ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft“ als Überschrift ist darin groß ein Interview mit dem Vize-Geschäftsführer der Deutschen Handelskammer in der Türkei, Frank Kaiser, zu lesen. Das Problem: Das Interview fand nie statt.

Wie Kaisers Vorgesetzter, der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Handelskammer in Istanbul, Jan Nöther, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“) sagte, kannten weder er noch Kaiser den Text vor der Veröffentlichung. „Das Interview ist ohne unsere Zustimmung erschienen“, sagte er. Es sei in dieser Form nie gegeben worden. Die Autorin, die das Interview angeblich geführt hat, ist Kaiser nicht bekannt.

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Ein Philosoph kämpft gegen die Sanierung der Zeppelintribüne

Hitlers gigantisches Bauwerk bröselt. Es ist umstritten, ob es sinnvoll ist, für den Erhalt der Zeppelintribüne 70 Millionen Euro auszugeben. (Foto: Daniel Karmann/dpa)
Weil er will, dass aus dem maroden Nazi-Bau eine Gartenlandschaft werden soll, sammelt Reinhard Knodt Unterschriften. 140 Autoren, Künstler und Architekten haben schon unterschrieben.

Von Olaf Przybilla | Süddeutsche.de

Die Stadt Nürnberg will mit Unterstützung von Bund und dem Land Bayern die marode Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände für insgesamt 73 Millionen Euro sanieren. Doch jetzt formiert sich Widerstand dagegen: Der Berliner Philosoph und Schriftsteller Reinhard Knodt sammelt Unterschriften von Autoren, Architekten und Künstlern, die dafür werben, das Areal stattdessen in eine Gartenlandschaft zu verwandeln.

Unterschrieben haben Knodts Aufruf bislang 140 Intellektuelle, darunter die Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger, Hans Christoph Buch und Tanja Kinkel. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung fordert Knodt mehr Mut von den Verantwortlichen. Ziel könne nicht die „Ausweitung schon existierender Betroffenheitskultur“ sein. Marode Kalkplatten auf der ehemaligen Hitlertribüne mit neuen Steinen zu ersetzen, halte er für einen „absurden Aufwand“.

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Nato-Vizechefin: „Brauchen mehr EU, mehr Nato und mehr EU-Nato“

Nato-Vizegeneralsekretärin Rose Gottemoeller – (c) APA/AFP/ATTILA KISBENEDEK
Angesichts eines „neu aggressiven Russland“ sowie „Bedrohungen durch den gewalttätigen Extremismus“, brauche es Zusammenhalt, betont Rose Gottemoeller.

Die Presse.com

Nato-Vizegeneralsekretärin Rose Gottemoeller hat sich für eine Stärkung von EU und Nato ausgesprochen und für eine engere Zusammenarbeit der beiden Organisationen plädiert. „Wir brauchen mehr EU, mehr Nato und mehr EU-Nato. Wir brauchen all das in diesem Moment in der Geschichte Europas“, sagte Gottemoeller am Samstag auf einer Konferenz in der estnischen Hauptstadt Tallinn.

„Wir stehen so vielen Herausforderungen gegenüber, ausgehend nicht nur von einem neu aggressiven Russland, sondern auch von den Bedrohungen durch den gewalttätigen Extremismus, den Terrorismus, der daraus hervorgehe“, so die Vizegeneralsekretärin. Trotz bestehender kultureller Unterschiede zwischen EU und Nato habe sie einen Wandel in der Zusammenarbeit festgestellt. „Die beiden Institutionen haben begonnen, viel pragmatischer und reibungsloser zusammenzuarbeiten, als sie es historisch taten“, erklärte die US-Amerikanerin.

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Braucht die Polizei mehr Schutz … oder einige ihrer Opfer

Streifenwagen der Bundespolizei mit altem Kennzeichen. Bild: Mattes /gemeinfrei
Am Freitag hat der Bundesrat mehreren Gesetzen zugestimmt, die nach Meinung von Menschenrechtsorganisationen die Freiheitsrechte der Bürger einschränken. Doch in Deutschland wurde das kaum wahrgenommen und es gab in den letzten Wochen dagegen nur kleine Proteste. Dazu gehörte auch eine Gesetzesverschärfung, die Angriffe auf Polizisten, Rettungssanitäter und Feuerleute schärfer bestraft.

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Sie trägt den Titel „Stärkung des Schutzes von Vollstreckungsbeamten und Rettungskräften“. Bis zu fünf Jahre Haft drohen. Ein vielleicht sogar unbeabsichtigter Schubser oder ein ungeschicktes Hantieren mit einer Fahnenstange,was bei unübersichtlichen Situationen auf einer Demonstration schon mal vorkommen kann, könnte dann Gefängnis bedeuten.

Das ist kein theoretisches Beispiel. So saß 2012 ein junger Antifaschist mehrere Wochen in Untersuchungshaft. Zunächst wurde ihm versuchter Totschlag vorgeworfen, weil er mit einer Fahnenstange einen Polizisten geschlagen haben soll. Seine Verteidigung verneinte einen Vorsatz.

Ende April, als das Gesetz im Bundestag behandelt und verabschiedet wurde, gab es eine Protestaktion von mehreren Bürgerrechtsorganisationen, die ein Sonderrecht der Polizei ablehnten. Dazu gehört das Komitee für Grundrechte. Die Argumentation ist schlüssig:

Eine Verletzung der körperlichen Unversehrtheit, eine einfache Körperverletzung, ist gemäß § 223 StGB sanktioniert; weitere Paragraphen regeln den Umgang mit gefährlicher und schwerer Körperverletzung. In diesen Regelungen des Strafgesetzbuches sind alle Menschen gleichgestellt. Richter können jedoch die besonderen Funktionen des Opfers strafverschärfend berücksichtigen. Ein Sonderrecht für „Amtsträger“ stellt diese dagegen über die normalen Bürger*innen und verletzt die Gleichheit vor dem Gesetz. Es macht die Staatsdiener zu besser geschützten Menschen. Auch Lehrer*innen oder Arbeitskräfte im Sozial- oder Arbeitsamt können von tätlichen Angriffen betroffen sein. Für diese gilt jedoch kein Sonderrecht. Sanktionsmöglichkeiten gibt es jedenfalls auch ohne die Schaffung eines neuen Straftatbestandes.

Grundrechtekomitee

Das Grundrechtekomitee setzt sich auch kritisch mit der immer wieder behaupteten Häufung der Gewalt gegen Polizisten auseinander. Es stellt demgegenüber fest: „Fälle von Widerstand gegen die Staatsgewalt (haben) im Vergleich zu 2008 nicht zu-, sondern abgenommen“ und verweist auf die ARD-Monitorsendung vom 09.03. dieses Jahres:

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In Thüringen ist „Blood & Honour“ jetzt offiziell wieder aktiv

Ein “Blood and Honour“-Anhänger in Ungarn | Foto: imago/ EST&OST
Auch „Combat 18“, der bewaffnete Arm der Neonazi-Organisation, ist zurück.

Von Christine Kewitz | VICE.com

Schon Ende des letzten Jahres gab es den Verdacht, dass die verbotene Neonazi-Gruppierung „Blood & Honor“ wieder in Deutschland aktiv ist. Das Landeskriminalamt ermittelte damals gegen mehrere Männer in Südthüringen. Doch nun ist amtlich: Die Organisation gibt es wieder, Mitglieder bekennen sich dazu. Das geht aus der Antwort der Thüringer Landesregierung auf eine kleine Anfrage der Linken-Politikerin Katharina König-Preuss hervor, die VICE vorliegt.

In den letzten Jahren habe es demnach in Kirchheim bei Erfurt Rechtsrock-Konzerte gegeben. Deren Veranstalter waren in dem verbotenen Netzwerk aktiv. Außerdem habe es knapp 30 Vorkommnisse gegeben, bei denen die Embleme von „Blood & Honour“ auf T-Shirts, Grafittis, Tattoos oder CDs auftauchten, schreibt die Landesregierung in der Antwort.

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Götterdämmerung

Der römische Kaiser Julian im Jahr 363 während der Römisch-Persische Kriege gegen den persischen Großkönig Schapur II. Illustration von Tancredi Scarpelli (1866-1937) (imago / Leemage)
Im Römischen Reich lebten Christen und Polytheisten nebeneinander. Das Verhältnis war angespannt. Ein wichtiges Dokument aus dem fünften Jahrhundert ist die Streitschrift „Gegen Julian“, in der sich der Patriarch von Alexandrien gegen die „heidnischen“ Kulte des Kaisers Julian verwahrte. Bonner Wissenschaftler haben sie neu herausgegeben.

Von Dirk Eckert | Deutschlandfunk

Jupiter, Mars und Venus sind heute nur die Namen von Planeten, aber vor 2000 Jahren herrschte Jupiter noch als Göttervater, Mars war der Kriegsgott und Venus natürlich die Göttin der Liebe. Doch mit dem Aufstieg des Christentums verschwanden die Götter, natürlich sehr zum Missfallen der letzten „Heiden“. Einer von ihnen war der römische Kaiser Julian: Ausgerechnet der Neffe von Kaiser Konstantin, der dem Christentum zum Durchbruch verholfen hatte, ging gegen christliche Beamte und Lehrer vor und versuchte, die alten Kulte wieder zu beleben. Welchen Aufwand er dabei trieb, schilderte der britische Historiker Edward Gibbon in seinem Klassiker „Verfall und Untergang des römischen Imperiums“:

„Aus den entlegensten Weltgegenden wurden unablässig die seltensten und schönsten Vögel herbeigeschafft, um auf den Altären der Götter zu bluten – nicht selten opferte Julian an einem Tag einhundert Ochsen.“

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Kirchentag: Bedford-Strohm will keinen Wahlkampf von Obama und Merkel

Der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm, hat Verständnis für die Kritik am gemeinsamen Auftritt von Ex-US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Kirchentag Ende Mai in Berlin.

evangelisch.de

Er selbst werde alles dafür tun, dass nicht der falsche Eindruck einer Wahlkampfhilfe für die CDU-Vorsitzende entsteht, sagte Bedford-Strohm den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). „Ich will, dass bei diesem Auftritt kritische Fragen gestellt werden – an Merkel und Obama. Ich erwarte einen Diskurs und keine Wahlkampfthesen“, sagte der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten.

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Abschied vom Menschenrechtsimperialismus?

Repräsentation der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789, Jean-Jacques-François Lebarbier / gemeinfrei
Menschenrechte sollen nicht mehr Mittel der US-Außenpolitik sein. Doch ist dies auch ein Grund zur Freude?

Von Detlef Buchsbaum | TELEPOLIS

Dieser Tage neigt sich eine geopolitische Ära dem Ende entgegen – und kaum jemand hat es bemerkt. Die rechtspopulistische US-Regierung unter Donald Trump geht gerade daran, die Menschenrechte als Faktor der amerikanischen Außenpolitik abzuschaffen. Anfang Mai erklärte Rex Tillerson – ehemaliger Exxon-Chef und derzeitiger US-Außenminister – in einer außenpolitischen Grundsatzrede vor Angestellten des State Department, dass Menschenrechte zunehmend „Hürden“ bei der globalen Verfolgung von US-Interessen bilden würden.

Menschenrechte wie „Freiheit und menschliche Würde“ wurden von Tillerson in der Rede zu (kulturellen) „Werten“ der USA degradiert. Doch sollen diese Werte nicht mehr als Richtschnur amerikanischer Außenpolitik fungieren. „Dies sind unsere Werte. Aber sie sind nicht unsere Politik“, so der amerikanische Außenminister wörtlich.

Wenn die Vereinigten Staaten zu sehr die Einhaltung dieser Werte global propagierten, erläuterte Tillerson weiter, dann würde „die Realität Hürden schaffen bei der Realisierung unserer nationalen Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen“. Die Vereinigten Staaten müssten sich zuerst fragen, wie die konkreten sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Interessen gelagert seien, erst danach könne ausgelotet werden, ob Washington noch „unsere Werte voranbringen“ dürfe.

Dies ist kein hohles Gerede, wie die Newssite Slate bemerkte, Tillerson sei bereits damit aufgefallen, dass er jedwede Kritik an der Menschenrechtslage in Saudi Arabien, Russland oder den Philippinen unterließ, bemerkte die liberale Internetpräsenz.

Zudem muss Tillerson umfassende Ausgabenkürzungen im State Department (bis zu 28 Prozent des bisherigen Budgets) umsetzen, von denen zumeist die Programme des „Soft Power“-Ansatzes – etwa zur Demokratieförderung – betroffen seien. Eine außenpolitische Spitzenposition im Weißen Haus, die zuvor als „special assistant to the president for multilateral affairs and human rights“ bezeichet wurde, ist von Trump bereits umbenannt worden, berichtete das linksliberale Blatt Mother Jones: in „special assistant for international organizations and alliances“.

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Union blamiert sich mit Berufung Wendts zum Experten

Fachmann mit Fehlern? Rainer Wendt kämpft mit seiner Besoldungsaffäre. Doch die Union will ihn laut einem Medienbericht als Sachverständigen laden – in der Debatte um einen Beauftragten für Missstände bei der Polizei.

SpON

Der umstrittene Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, ist laut einem Medienbericht von der Unionsfraktion im Bundestag als Sachverständiger berufen worden. Er solle am 29. Mai an einer Anhörung zu einem Gesetzentwurf für einen unabhängigen Polizeibeauftragten teilnehmen, berichtete die „Berliner Zeitung“. Ähnlich wie der Wehrbeauftragte soll der von den Grünen geforderte Beauftragte bei Problemen Ansprechpartner für Bürger und Polizisten sein.

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Schmutzige Geldanlagen: Münster steigt aus, Dortmund macht weiter

Mensch, Natur und soziale Gerechtigkeit wichtiger nehmen als Gewinne – darum geht es der Divestment-Bewegung. Beim Klimacamp in der Lausitz 2016 protestierten sie lautstark gegen die Kohleindustrie. Foto: Markus Heine / picture alliance / NurPhoto
Investitionen in fossile Energien sind in Zeiten des Klimawandels höchst umstritten. Doch gerade Kommunen und Länder tun sich schwer, von den sterbenden Energieriesen zu lassen – wie in Nordrhein-Westfalen, wo Politik und Kohleindustrie traditionell eng miteinander verbunden sind. Dabei könnte es so einfach sein, zeigt das Beispiel Münster.

Von Julia Lauter | greenpeace magazin

„Wir können uns gut vorstellen, weitere RWE-Aktien zu kaufen“, sagte Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) vor zwei Wochen der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Und das, obwohl der kohlelastige Stromkonzern in den letzten Jahren Milliardenverluste einfuhr und auf der Jahreshauptversammlung Ende April schon zum zweiten Mal in Folge verkündete, an seine Anteilseigner keine Dividende ausschütten zu können.

Für die große Anlegergruppe der Städte und Landkreise aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz waren bereits in den vergangenen Jahren Millioneneinbußen die Folge. Trotzdem halten einige treu an ihren Anteilen fest – und die rot-grüne Landesregierung laviert vor den kurz bevorstehenden Landtagswahlen unentschlossen herum, im Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und der Kohletradition in der Region.

Die Stadt Dortmund ist bereits jetzt mit Anteilen von 4,1 Prozent der größte kommunale Aktionär von RWE. Wo Städte wie Essen, Bochum und Düsseldorf sich von den Anteilen des Energieriesen trennten, vertraut der Oberbürgermeister von Dortmund, der auch im Aufsichtsrat von RWE sitzt, auf die Zusagen des Konzern-Finanzvorstandes: Im laufenden Jahr will RWE wieder schwarze Zahlen schreiben und in den nächsten drei Jahren fünfzig Cent pro Aktie als Dividende ausschütten. Darum könnte sich laut Sierau „auch ein kreditfinanzierter Kauf von Aktien lohnen“. Die RWE-Aktie habe in den vergangenen Monaten „eine gute Entwicklung genommen“, sagte der Oberbürgermeister.

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Facebook sperrt regelmäßig Seiten von Ex-Muslimen

Bild. mena-watch.com
„Facebook hat gestern den Zugang zu den öffentlich zugänglichen Seiten von ‚Ex-Muslims of North America‘ (mit 24.000 Followern) und ‚Atheist Republic‘ (mit 1.6 Mio Followern) – Gruppen, die sich für den Säkularismus einsetzen und ‚Apostaten‘ unterstützen, also Menschen, die den Islam ablegen und deswegen oft Verfolgung erleiden – zunächst restringiert und die Seiten dann geschlossen.

mena-watch

Am Montag berichtete der Präsident von ‚Ex-Muslims of North America‘ Muhammad Syed auf Twitter, dass die Facebookseite seiner Organisation und die von ‚Atheist Republic‘ nur noch begrenzt zugänglich seien. Am folgenden Morgen wurden sie geschlossen. Sie hätten gegen die von Facebook festgesetzten Regeln für Gruppen verstoßen. Um welche Verstöße es sich handeln soll, wurde nicht angegeben. Nachdem beide Gruppen Einspruch eingelegt hatten, erlangten sie am Dienstag wieder ungehinderten Zugang zu ihren Seiten. Syed nimmt an, die Seiten seien von muslimischen Fundamentalisten im Rahmen einer organisierten Kampagne angegriffen worden.

‚Ex-Muslims of North America‘ zufolge werden ähnliche Gruppen seit Jahren von Facebook behindert. Die Organisation hat einen Offenen Brief an den Sozialen-Media-Giganten geschrieben und ihn aufgefordert, die ‚intellektuelle Verfolgung‘ von atheistischen und ex-muslimischen Gruppen einzustellen und solche Gruppen vor organisierten Verleumdungskampagnen zu schützen.

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Theologe: Reformationsjubiläum mehr als intellektuelles Fast Food

Der Theologe Jörg Lauster wünscht sich, dass vom 500. Reformationsjubiläum mehr bleibt als „intellektuelles Fast Food“. Das sagte der Professor für Dogmatik, Religionsphilosophie und Ökumene an der Evangelisch-Theologischen-Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München der Zeitschrift „Publik-Forum“ (Ausgabe vom 12. Mai).

evangelisch.de

Mit Blick auf die Debatte zwischen der evangelischen Kirche und akademischen Theologen über das Reformationsjubiläum sagte Lauster, beide Seiten hätten recht. „Die Kirchenleitung hat recht, weil es ein unverzeihlicher Fehler wäre, das Reformationsjubiläum ungenutzt verstreichen zu lassen“, erläuterte der Theologe. Aber auch die Kollegen hätten recht, wenn sie mit der Art und Weise, wie Luther glorifiziert werde, unzufrieden seien: „Man hätte sich wünschen können, dass man stärker das kritische Potenzial der Reformation betont und die Lutherverehrung niedriger hängt. Luther war ein Mensch des 16. Jahrhunderts und lebte in einer Zeit, die mit der unseren sehr wenig gemeinsam hat.“

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US-Pfadfinder zu LGBTI-freundlich für Mormonen

Die Pfadfinder zählen zu den beliebtesten Organisationen für junge Amerikaner (Bild: Prayitno / Thank you for (12 millions +) view / flickr )
Die erzkonservative Glaubensgemeinschaft schränkt die Zusammenarbeit mit den „Boy Scouts of America“ ein, offenbar weil die Pfadfinder-Organisation Homo- und Transsexuelle nicht mehr diskriminieren will.

QUEER.DE

Die Mormonenkirche hat am Donnerstag angekündigt, sich teilweise aus den offiziellen Pfadfinder-Organisationen „Boy Scouts of America“ und „Scouts Canada“ zurückzuziehen. Für 14- bis 18-Jährige werde man ab dem 1. Januar 2018 Pfadfinderaktivititäten unter eigener Flagge anbieten. Nur bei den Acht- bis 13-Jährigen arbeite man weiter mit den Dachorganisationen zusammen.

Der Rückzug ist offenbar eine Folge der steigenden LGBTI-Akzeptanz insbesondere innerhalb der amerikanischen Pfadfinder-Organisation. Die „Boy Scouts“ hatten 2015 beschlossen, ihr Homo-Verbot aufzuheben – allerdings gibt es weiterhin Ausnahmen für religiöse Pfadfindergruppen (queer.de berichtete). Im Januar diesen Jahres kündigte die Dachorganisation an, auch transsexuelle Jungs in ihren Gruppen zuzulassen (queer.de berichtete).

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Urzeitwal füllt evolutionäre Lücke

Illustration von Mystacodon selenensis. Der Vorfahre heutiger Bartenwale hat vermutlich bodennah nach Beute gejagt. © Alberto Gennari
Als Bartenwale die Zähne verloren: Fossilienfunde werfen ein neues Licht auf die Evolutionsgeschichte von Bartenwalen. Die versteinerten Skelette eines Urzeit-Wals weisen Zähne und rudimentäre Hinterbeine auf. Damit stellt der Fund ein lange gesuchtes Bindeglied zwischen aktiv jagenden Basilosauriern und den heutigen zahnlosen Bartenwalen wie Blauwal und Co dar.

scinexx

Wenn Paläontologen die Evolution verschiedener Tierarten zurückverfolgen, stehen sie oft vor einem Problem: Es fehlen die entscheidenden Fossilien eines „Missing Links“, eines Bindeglieds zwischen zwei bekannten Arten. Wenn solche seltenen Funde gemacht werden, sorgt dies entsprechend für besonderes Aufsehen, wie zuletzt bei der Entdeckung von Teleocrater rhadinus, einem Verwandten von Krokodilen und Dinosauriern.

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Die Bundesregierung muss Erdogan die Grenzen aufzeigen

Bild: Magazin „The Economist“
Nach der Verhaftung einer weiteren Deutschen in der Türkei, muss sich Berlin Gedanken über Sanktionen machen. Dabei geht es auch um unser Verständnis von uns selbst als Demokraten. Ein Kommentar.

Von Stephan-Andreas Casdorff | DER TAGESSPIEGEL

Und gleich die nächste Provokation. Nach dem Fall Yücel belastet die Inhaftierung einer weiteren Deutschen in der Türkei das Verhältnis noch weiter. Sechs Deutsche sind inzwischen in Haft. Wann wird es der Bundesregierung zu viel? Dass sie sich Sorgen macht, wie sie sagt, ist das Mindeste. Sie sollte sich jetzt aber auch Gedanken über Sanktionsmaßnahmen machen. Jetzt ernsthaft.

Es reicht eben nicht, immer mal wieder diplomatisch darauf hinzuweisen, dass das so alles nicht geht. Dass es also nicht statthaft ist, Zugang zu verwehren, und in jedem Fall unverhältnismäßig, Beschuldigte ohne legitimen Grund monatelang in Untersuchungshaft zu halten.

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Islamwarner aus Ägypten nahm ungarische Staatsbürgerschaft an

Pater Boulad bei einem Besuch in der Schweiz anno 2015. – Jacques Berset/cath.ch
Der streitbare Jesuitenpater und frühere Chef der Caritas in Ägypten, Henri Boulad, will so ein Zeichen zugunsten restriktiver Immigrationspolitik setzen. Europa verstehe die „wahre Natur des Islam nicht“ und werde durch politische Korrektheit „demoliert“.

Die Presse.com

Der Jesuitengeistliche Henri Boulad (85) ist eine jener Stimmen, die vor dem sich ausbreitenden Islam warnt. Vor wenigen Wochen hat der langjährige ägyptische Jesuiten-Provinzial, Direktor des „Jesuit Cultural Center“ in Alexandria und frühere Chef der Caritas in Ägypten nun die ungarische Staatsbürgerschaft angenommen, wie die katholische Agentur „Kathpress“ am Freitag meldete. Und der Grund dürfte in politisch korrekten Kreisen übel einschlagen: Er habe das getan, um die restriktive Migrationspolitik des ungarischen Regierungschefs Viktor Orbán zu unterstützen und entsprechenden Einfluss auf die europäische Zuwanderungspolitik auszuüben – das erklärte der gebürtige Alexandriner und Sohn einer syrisch-italienischen Familie in einem Interview für die ungarische Wochenzeitung „Heti Válasz“, dessen Wortlaut das österreichische Magazin „Kirche In“ in seiner aktuellen Mai-Ausgabe auf Deutsch veröffentlicht hat.

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Wissenschaftler beweisen: Man(n) kann ab 30 nichts für seine Plauze

Eine neue Studie beweist jetzt, dass Männer gar nichts für die Plauze ab 30 können (Symbolbild) © ChristinaKurtz/Getty Images
Spätestens mit 40 war’s das mit dem Sixpack bei Männern. Viele bekommen trotz intensiven Sportaktivitäten und guter Ernährung eine Plauze. Doch dafür gibt es einen medizinischen Grund. Das haben jetzt US-Wissenschaftler herausgefunden.

stern.de

„Wieso ein Sixpack, wenn man auch ein Fass haben kann?“ Es ist eine der Ausreden von vielen Männern, die etwas mehr auf den Rippen haben. Doch ab sofort gibt es tatsächlich eine Ausrede für Männer, die trotz Sport und guter Ernährung dicker sind.

Schuld am Bauch ist ein Enzym. Das belegt jetzt eine Studie, die das Fachjournal „Science Daily“ veröffentlicht hat. „DNA-Protein Kinase“, kurz DNA-PK, heißt es und beeinflusst den Stoffwechsel. „Es gibt ein genetisches Programm, das von diesem überaktiven Enzym angetrieben wird“, schreibt Autor Dr. Jay Chung, Experte für Gewichts- und Altersforschung.

Was Dr. Chung meint, ist, dass das Enzym mit zunehmenden Alter an Aktivität zulegt, wohingegen die Mitochondrien, die Nahrung in Energie verwandeln, zurückgehen. Das Ergebnis: der berühmte Bierbauch.

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Deutschlands erste liberale Moscheegemeinde startet im Juni

Die erste liberale Moschee Deutschlands soll im Juni in Berlin eröffnen. Dazu vermietet die Evangelische Kirchengemeinde Tiergarten in Berlin-Moabit einen derzeit nicht genutzten Gemeinderaum an die Ibn Rushd-Goethe Moschee gGmbH.

evangelisch.de

Der Mietvertrag dafür wurde am Freitag unterschrieben, wie der Evangelische Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte mitteilte. In der modernen, liberalen Moscheegemeinde können Frauen und Männer gemeinsam und gleichberechtigt in einem Raum beten. Zudem soll das Freitagsgebet gemeinsam von einer Imamin und einem Imam vorgetragen werden.

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We’re Fighting Famine in South Sudan With Images From Outer Space

Settlements in South Sudan. Image courtesy © 2017 DigitalGlobe
The Famine Early Warning Systems Network, DigitalGlobe, and thousands of online volunteers partner up to map out displacement in crisis-stricken regions.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

Millions of people in South Sudan, a nation in northeastern Africa, are suffering from one of the most devastating famines in decades. Brought on by drought, war, and widespread instability, this looming crisis was recognized back in 2015 by the Famine Early Warning Systems Network (FEWS NET), an organization created by the US Agency for International Development (USAID) to monitor potential humanitarian disasters in food-insecure regions around the world.

Following the warnings of FEWS NET, the United Nations formally declared the situation a famine in February, spurring an international effort to slow the horrific consequences of the emergency, which affects half of the South Sudanese population—including over one million children.

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