Relativer Quantenquark – kann moderne Physik die Esoterik belegen?

Bei vermeintlich übersinnlichen Phänomenen wird von Esoterikern gerne auf die Erkenntnisse der Quantenphysik verwiesen, die diese Beobachtungen angeblich stützen. Wissenschaftler setzen sich seit langem kritisch mit diesen Behauptungen auseinander.

Von Holger von Rybinski | GWUP

Gedankenübertragung, Spukerscheinungen, Homöopathie – kaum ein PSI-Phänomen, für dessen Erklärung nicht die Quantenphysik als scheinbar wissenschaftlicher Beleg angeführt wird. Dabei widersprechen  Experten wie Anton Zeilinger derartigen Behauptungen. Im österreichischen Nachrichtenmagazin „Profil“ erläutert das GWUP-Mitglied Dr. Florian Aigner, warum die Quanten nicht als Erklärung für übersinnliche Phänomene herhalten können. Dabei fällt ihm auf: „ Es ist paradox: Esoteriker, deren Geschäftsmodell darauf fußt, die Erkenntnisse der Naturwissenschaft zu ignorieren, berufen sich auf eine naturwissenschaftliche Theorie. Es ist, als würden Atheisten in der Bibel nach Bestätigung ihrer weltanschaulichen Thesen suchen. Oder als würde just ein Vegetarierverein mit Gratisschnitzelsemmeln Mitglieder anwerben wollen“. Er räumt jedoch ein, dass die Quantenphysik als ungewöhnlich und mystisch dargestellt werde, sei kein Zufall, liefere sie doch manchmal Ergebnisse, die wir mit unserem Alltagsverstand kaum begreifen können, weil sie uns merkwürdig oder verrückt erschienen.

weiterlesen

Advertisements

Missbrauch im Buddhismus – den Meister lockt die Macht

Steinerne Buddhafigur auf dem Friedhof von Nanzen-ji in der japanischen Stadt Kyōto, einem der bekanntesten Tempel des Rinzai-Zen. Der Rinzai-Zen ist eine Lehrtradition des Zen-Buddhismus. (imago / imagebroker)
Hingabe fordern buddhistische Lehrer von ihren Schülerinnen. Bisweilen in einem ganz konkreten Sinne: Es entstehen sexuelle Beziehungen. Ist das ein Missbrauch geistlicher Autorität? Eine Debatte darüber kommt bisher nicht zustande, Selbstkritik ist tabuisiert.

Von Mechthild Klein | Deutschlandfunk

Buddhistische Meditationen und Lehre zielen auf eine Schulung des Geistes. Auf dem Weg zum Erwachen bzw. der Erleuchtung sollen die Schülerinnen und Schüler Mitgefühl kultivieren. Aber das Verhalten vieler Lehrer lässt nicht auf Mitgefühl schließen:

„Die Skandale gehen in Richtung sexuelle Übergriffe, finanzieller Machtmissbrauch und genereller Machtmissbrauch“, sagt Ursula Richard. Sie praktiziert seit 30 Jahren Zen-Übungen. Sie ist Verlegerin und Chefredakteurin von „Buddhismus Aktuell“. Sie hat schon vieles beobachtet, in den USA, in Deutschland. Und sie wünscht sich, dass die buddhistische Gemeinschaft lernt, sich dem Thema Missbrauch geistlicher Macht zu stellen, anstatt nach Entschuldigungen zu suchen. Sie analysiert:

„Der Buddhismus, als der sich im Westen begann zu verwurzeln, traf er auf eine Generation – zu der ich mich auch zähle – der Spät-Alt-68er, die Autorität sehr kritisch gesehen haben. Und auf einmal begegneten wir einem aus Asien kommenden Modell, was von Meistern und Schülern sprach und eine Hingabe erforderte oder einen Gehorsam erforderte. Und wie viele von uns – ich schließe mich da mit ein – waren auf einmal bereit alles über Bord zu schmeißen und es zu versuchen, nun diese Rollen auszufüllen.“

weiterlesen

Türkei untersagt Bundestagsabgeordneten Incirlik-Besuch

Ein Tornado-Aufklärungsflugzeug am Bundeswehr-Stützpunkt im türkischen Incirlik. Oliver Pieper/Bundeswehr/dpa
Die Türkei hat mehreren Bundestagsabgeordneten einen Besuch bei den deutschen Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik untersagt.

FOCUS ONLINE

Darüber informierte das Auswärtige Amt nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Montag die Obleute des Verteidigungsausschusses. Die Bundesregierung erwägt nun nach Angaben aus dem Ausschuss den Abzug der deutschen Soldaten. Die Krise in den deutsch-türkischen Beziehungen verschärft sich damit weiter.

Der Besuch der Obleute des Verteidigungsausschusses war für Dienstag geplant und bereits vor Wochen angekündigt worden. Die türkische Seite hatte sich lange Zeit gar nicht gerührt. Am Samstag wurde die Absage dem Auswärtigen Amt auf Arbeitsebene mitgeteilt. Als ein Grund soll die Gewährung von Asyl für türkische Offiziere in Deutschland angegeben worden sein.

weiterlesen

Die meistgehasste Christusstatue der Welt

Keine Christusstatue ist so umstritten wie jene in der peruanischen Hauptstadt Lima. (Bild: Imago)
Manche Bewohner von Lima würden ihre monumentale Christusstatue am liebsten abreissen. Der Grund dafür liegt nicht etwa im umstrittenen Aussehen des Bauwerks.

Von Tjerk Brühwiller | Neue Zürcher Zeitung

Er ist das Symbol von Rio de Janeiro: der Cristo Redentor, Christus der Erlöser. Gelassen und liebevoll harrt er auf dem Corcovado aus und streckt der Welt seine offenen Arme entgegen. Millionen von Fotos der berühmten Statue gingen und gehen um die Welt. Jene von Rio ist zwar die bekannteste, allerdings nicht die einzige monumentale Christusstatue. Besonders in Lateinamerika ist der Erlöser etliche Male kopiert worden. Vergleichbare Statuen stehen beispielsweise in der mexikanischen Stadt Tihuatlán, an der argentinisch-chilenischen Grenze oder in Panama.

Keine Christusstatue ist jedoch so umstritten wie jene in der peruanischen Hauptstadt Lima. Dort steht der «Christus des Pazifiks», der mit 37 Metern nur wenig kleiner ist als das Original, auf einer Anhöhe.

weiterlesen

Demonstration für Umwandlung der Hagia Sophia

Hagia Sophia. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/ Arild Vågen
Vor der Hagia Sophia in Istanbul haben am Wochenende mehrere tausend Menschen für die Umwandlung in eine Moschee demonstriert. Initiatoren der Demonstration waren laut Medienberichten zwei Jugendorganisationen.

domradio.de

Türkischen Medienberichten (Sonntag) zufolge versammelte sich am Samstagmorgen um vier Uhr eine Menschenmenge auf dem Sultan-Ahmed-Platz und skandierte: „Brecht die Ketten! Öffnet die Aya Sofya!“ Anschließend hätten sie zusammen das Morgengebet gesprochen. Nach dem Gebet verließ die Gruppe demnach den Platz vor dem Museum. Anlass war der Jahrestag der osmanischen Eroberung Istanbuls am 29. Mai 1453.

Die Organisatioren der Demonstration, die Jugendorganisationen AGD und die MGV, sind offiziell Nichtregierungsorganisationen; sie gelten aber als regierungsnah und ultrareligiös. Auf ihrer Facebook-Seite wirbt die AGD mit dem Slogan „Glaube und Heiliger Krieg“.

weiterlesen

Warum die neo-feudale Cybersecurity-Struktur gefährlich ist

Die Telefonica-Zentrale in Madrid. Auch das Unternehmen war nach Angaben der spanischen Regierung von der Cyberattacke „WannaCry“ betroffen. (Foto: AP)
Eigentlich sollten Regierungen in einer Demokratie das zerstörerische Wirken von Unternehmen zügeln. Doch Cyberattacken wie „WannaCry“ kehren die Verhältnisse um.

Von Evgeny Morozov | Süddeutsche.de

Die Welle von Cyberangriffen mit der Schadsoftware „WannaCry“ hat weltweit die Computersysteme von Krankenhäusern, Bahnbetrieben und Unternehmen lahmgelegt. Wer kein Lösegeld bezahlt, dessen Daten bleiben verschlüsselt. Das sollte nicht als einmaliger Streich von einfachen Kriminellen abgetan werden, die sich das Hacken beigebracht haben. Die Angreifer haben Hilfsmittel und Schwachstellen genutzt, die ursprünglich von US-Geheimdiensten für eigene Angriffe und zur Spionage entwickelt worden waren. Daher dürfen wir die unbequeme Tatsache nicht länger ignorieren, dass die zunehmend neo-feudale Cyber-Security-Struktur „zahl oder geh unter“ aus der Schwächung der demokratisch-kapitialistischen Ideale entstanden ist, da diese unter der Last der Dauerüberwachung zusammenbrechen.

weiterlesen

NRW-Wahl: Stoppte die PARTEI die rote Flut?

Bei der gestrigen Landtagswag in NRW konnte die PARTEI deutlich zulegen. So vereinigte die PARTEI 0,65 % der abgegebenen Zweitstimmen auf sich und ist damit hinter der möglicherweise satirischen Tierschutzliste (0,7) achtstärkste politische Kraft im größten Bundesland einer G8-Nation. Bei den Erststimmen konnte sich die PARTEI von 0,1 % auf 0,3 % sogar verdreifachen, errang jedoch keinen Wahlkreis.

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

Die PARTEI, die trotz des vorgeblichen Auftritts als Partei der sehr breiten Mitte von Kennern eher im linken Spektrum verortet wird, profitiert offenbar von den starken Verlusten bei SPD, Grünen und Piraten. Angesichts eines Potentials dort der gelösten Wähler von 7,9 %, 5,9 %, und 6,9 % wäre allerdings ein deutlich höherer Stimmenzuwachs als 0,3 % zu erwarten gewesen.

Wenn nun die mit 4,9 % dramatisch knapp an der 5 %-Hürde gescheiterte Linkspartei nach den Ursachen für den Ausrutscher sucht, wird man dort wohl auch auf die 55.019 PARTEI-Wähler schielen. Wäre die in den Wählerumfragen vernachlässigte PARTEI demoskopisch erfasst worden, hätte dies möglicherweise Wechsel-PARTEI-Wähler umgestimmt, die eine linke Opposition im NRW-Landtag grundsätzlich vermissen und sich nicht von Grünen vertreten sehen.

weiterlesen

Syrien: Der Deal mit dem Islamischen Staat

SDF-Kommando verspricht, Tabqa in die Hände eines zivilen Rates zu übergeben. Bild: YPG
Die kurdischen SDF ließen den IS aus Tabqa abziehen, die Türkei droht wegen der Waffenlieferungen an die syrischen Kurden

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Es sind nicht nur die Türken, die Abkommen mit dem Islamischen Staat aushandeln. Bekannt wurde, dass die Einnahme von Dscharablus an der türkischen Grenze und anschließend von Al-Bab, wo allerdings lange heftig gekämpft wurde und sich die Türkei noch den Zugriff vor den syrischen Truppen und den SDF-Verbänden sichern wollte, unter Absprache erfolgte. Der IS zog sich aus den nicht haltbaren Stellungen zurück, die türkischen Truppen und ihre Milizen konnten die Städte besetzen. Ob den IS-Kämpfern mehr als der freie Abzug zugestanden wurde, ist nicht bekannt.

Gerade wurde bekannt, dass auch die syrischen Kurden den letzten, groß propagierten Erfolg mit einem Abzugsabkommen mit dem IS verdanken. Letzte Woche wurde berichtet, die SDF hätten mit Unterstützung des US-Militärs den Damm, den Flugplatz und die Stadt Tabqa eingenommen und den IS von dort vertrieben. Damm und Stadt sind strategisch wichtig für die geplante Offensive auf Raqqa.

Trotz andauernder türkischer Beschwerden und auch Drohungen, dass Bomben schon mal in Syrien auf US-Soldaten fallen könnten, hatte US-Präsident Trump gerade erst angekündigt, die syrischen Kurden weiter zu unterstützen und den SDF sogar schwere Waffen liefern zu wollen. Offenbar wurde vereinbart, dass die YPG-Verbände der syrischen Kurden garantieren, dass die Waffen nicht in die Hände der PKK gelangen und nicht gegen türkischen Truppen verwendet werden dürfen.

weiterliefern

Globaler Waldbestand ist größer als gedacht

Mehr Wald als gedacht. Bild: bb
Inventur in Sachen Wald: Auf unserem Planeten gibt es rund zehn Prozent mehr Waldfläche als angenommen. Das zumindest legt nun eine Auswertung hochauflösender Google-Earth-Bilder nahe. Der Grund für die Diskrepanz ist der bisher unterschätzte Bestand von Trockenwäldern. Demnach ist die damit bedeckte Fläche 40 bis 47 Prozent größer als frühere Berechnungen ergaben. Das entspricht rund 467 Millionen Hektar Wald, die bisher in keiner Bestandsaufnahme auftauchen, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten.

scinexx

Ob in den Tropen, in gemäßigten Breiten und sogar bis in den hohen Norden: Bäume gibt es fast überall auf der Erde. Satellitenbilder zeigen eindrücklich, dass unser Planet nicht nur ein blauer, sondern auch ein grüner Planet mit vielen ausgedehnten Waldflächen ist. Schätzungen zufolge wachsen rund drei Billionen Bäume auf der Erde, binden das Treibhausgas Kohlendioxid, geben Sauerstoff ab und bieten darüber hinaus unzähligen Tieren einen Lebensraum. Auf jeden Menschen kommen demnach sage und schreibe 422 Bäume.

weiterlesen

Staatskirchenpfarrer Bedford-Strohm und Politik

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Presseabteilung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. bearb. bb
Für den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm, ist die Forderung nach politischer Enthaltung der Kirche unverständlich. Er plädiert sogar für mehr Verantwortung und Einfluss.

Frankfurter Allgemeine

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, weist die Forderung nach politischer Zurückhaltung der Kirchen zurück. „Gerade weil der Gott, an den die Christenmenschen glauben, sich von der Welt nicht ab-, sondern ihr zuwendet, hat das Evangelium stets politische Bedeutung“, schreibt der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Montagsausgabe). Aus seiner Sicht müssen die Kirchen aus der Orientierung an der Option für die Armen Verantwortung für und in der Welt übernehmen.

weiterlesen

Burka-Verbot im öffentlichen Dienst passiert Bundesrat

Bundesrat © dionhinchcliffe auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Der Bundesrat hat das Burka-Verbot gebilligt. In Zukunft ist die Vollverschleierung im öffentlichen Dienst, in Gerichten und der Bundeswehr untersagt. Das Gesetz regelt zudem, dass das Zeigen des Gesichts zur Identifizierung der Person erzwungen werden kann.

MiGAZIN

In bestimmten Bereichen des öffentlichen Diensts, in Gerichten und der Bundeswehr gilt künftig ein Verbot der Vollverschleierung. Der Bundesrat billigte am Freitag in Berlin die Ende April vom Bundestag beschlossene Regelung, die das Tragen von Burka und Nikab bei der Dienstausübung sowie bei Tätigkeiten „mit unmittelbarem Dienstbezug“ untersagt.

Außerdem wird mit dem Gesetz geregelt, dass das Zeigen des Gesichts durchgesetzt werden kann, wenn es für die Identifizierung einer Person notwendig ist. Für die Erledigung staatlicher Aufgaben sei die Möglichkeit, Beamtinnen ins Gesicht zu schauen, essenziell, heißt es in der Gesetzesbegründung.

weiterlesen

Franz: Universum nicht zufällig, sondern „Frucht der Göttlichen Weisheit“

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Franziskus an Teilnehmer einer Vatikan-Konferenz über Schwarze Löcher: Universum nicht zufällig, sondern „Frucht der Göttlichen Weisheit“ – Würdigung für Vater der Urknall-Theorie Lemaitre

kath.net

Aus Sicht von Papst Franziskus kann Forschung zum Glauben führen. „Auf dem Weg zu den Rändern der menschlichen Erkenntnis kann man eine wahrhaftige Erfahrung des Herrn machen“, sagte er am Freitag vor Wissenschaftlern im Vatikan. Die Existenz des Universums sei nicht zufällig, sondern „Frucht der Göttlichen Weisheit“. Zum Abschluss eines Expertentreffens der päpstlichen Sternwarte in Castel Gandolfo empfing der Papst am Morgen rund 35 Teilnehmer in Audienz, bevor er am Nachmittag in den portugiesischen Marienwallfahrtsort Fatima fliegt.

Die Konferenz zum Thema „Schwarze Löcher, Gravitationswellen und Raumzeit-Singularitäten“ hatte am Dienstag begonnen; unter den Teilnehmern waren laut Vatikan auch der niederländische Physik-Nobelpreisträger Gerard ‚t Hooft und der britische Physiker Roger Penrose.

weiterlesen

Horst Mahler bittet in Ungarn um Asyl

Horst Mahler im Landgericht in Potsdam (Archivbild vom 08.10.2008)Foto: dpa/Bernd Settnik
Einer Haft in Deutschland hat er sich entzogen. Nun hat der Rechtsextremist Horst Mahler eine Erklärung veröffentlicht. Darin bittet er Ungarns Ministerpräsidenten Orban um Hilfe.

DER TAGESSPIEGEL

Der wegen Leugnung des Holocausts zu zehn Jahren Gefängnis verurteilte Rechtsextremist Horst Mahler hat den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán um politisches Asyl gebeten. Das geht nach einem Bericht der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ aus einer Erklärung hervor, die Mahler auf einer rechtsextremistischen Website veröffentlichte. Darin heißt es: „Ich habe am 12. Mai 2017 den Führer der Ungarischen Nation, Viktor Orbán, ersucht, mir als politisch Verfolgtem Asyl in Ungarn zu gewähren.“ Am Schluss der Erklärung steht: „Im Vertrauen auf den Freiheitssinn des Volkes der Ungarn lege ich mein Schicksal in die Hände seiner Regierung.“ Dann folgt die handschriftliche Signatur Horst Mahler.

weiterlesen

Von gedachter Schönheit und Immanuel Kant

Das Prinzip grafisch auf den Punkt gebracht. (Credit: Brielmann and Pelli)

Das ist aber eine schöne Blume! Über diese und ähnliche Aussagen lässt sich philosophieren – man kann die Frage stellen: Muss man zur Wahrnehmung von Schönheit denken? Dieser Überzeugung war der Philosoph Immanuel Kant. Ihm zufolge ist die Wahrnehmung von Schönheit mit Denken verknüpft – im Gegensatz zur Wahrnehmung von sinnlichen Freuden wie beim Essen oder Sex. Diese sinnlichen Freuden kann man deshalb eigentlich nicht als schön bezeichnen, meinte Kant. Eine experimentelle Studie bestätigt nun seine Ansichten – allerdings mit Vorbehalten.

Von Martin Vieweg | bild der wissenschaft

Um den philosophischen Theorien Kants experimentell nachzugehen, haben Denis Pelli und Aenne Brielmannan von der New York University Tests mit 62 Freiwilligen durchgeführt. Sie sollten angeben, wie viel Genuss beziehungsweise Schönheitsempfinden sie wahrnahmen, während sie Bilder sahen, eine Leckerei schmeckten oder einen besonders flauschigen Teddybär fühlten. Die Forscher zeigten jedem Proband eine Reihe verschiedener Bilder, einige, die in der Regel als schön definiert werden, einige nur nette und auch neutrale, wie beispielsweise von einem simplen Stuhl. Die Teilnehmer bewerteten dann ihre Empfindungen von Schönheit beziehungsweise Genuss bei den sinnlichen Erfahrungen auf einer Vier-Punkte-Skala.

Die Wahrnehmung von Schönheit ist ablenkbar

Anschließend wurde das Experiment wiederholt, diesmal wurden die Probanden aber durch eine Zusatzaufgabe geistig abgelenkt: Sie bekamen Buchstabenreihen vorgelesen und sollten jedes Mal einen Knopf drücken, wenn sich ein zuvor gehörter Buchstabe nach zwei weiteren wiederholte.

weiterlesen

Symbolpolitik gegen Erdogan

Bild: heise.de/tp
Über die Todesstrafe darf die Türkei in Deutschland nicht abstimmen lassen, aber tödliche Waffen werden weiter in das Land exportiert

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

„Kassel entrüsten“ lautete das Motto einer symbolischen Aktion, mit der Antimilitaristen den Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann in Nordhessen mit selbstgebastelten Panzersperren blockierten. „Panzerhersteller beliefert Despoten und Regime in der ganzen Welt mit seinen Waffen, das wollen wir verhindern“, erklärte Simon Kiebel von der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen zur Aktion.

Zu den bevorzugten Exportländern dieser Waffen gehört neben Katar die Türkei. Das dürfte manche wundern, die das Zerwürfnis zwischen der Erdogan-Türkei und Deutschland verfolgt haben. Dabei liefen die Militärgeschäfte auch in dieser angeblich so kritischen Phase in den deutsch-türkischen Beziehungen wie geschmiert weiter. Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat bereits mit der Bundesregierung konferiert, damit die von ihm angepeilte Nachrüstung der Panzer der türkischen Armee nicht noch scheitert. Sogar eine Panzerfabrik will Rheinmetall in der Türkei errichten.

Wenn dann Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace in ihrer Pressemitteilung die besondere moralische Verwerflichkeit der geplanten Investition darin entdecken, dass das Unternehmen der Erdogan-Familie nahesteht, wird das ganze Elend einer Position deutlich, die von Ökonomie- und Staatskritik nichts wissen will. Wäre die Panzerfabrik eher zu rechtfertigen, wenn die Unternehmen der Opposition nahestehen würden?

Dass es im Kapitalismus auch in der Türkei unter Erdogan um sachliche und nicht um personelle Beziehungen geht, auch wenn sich die Unternehmensführung natürlich in der Regel mit den jeweils Regierenden gutstellt, wenn die gute Profitbedingungen garantieren, wird bei einer solchen Kritik ausgeblendet. Das führt dazu, dass die Kritiker der Türkei meistens an die Bundesregierung appellieren können, Erdogan klare Kante zu zeigen und die meistens die Forderungen schon längst erfüllt hat. Denn es geht in der Regel um Symbolpolitik.

weiterlesen

Berliner Kirchengeschichte – Hostie und Wein

Als Brandenburg protestantisch wurde. Am 1. November 1537 empfing Kurfürst Joachim II. in der Spandauer Nikolaikirche das…Foto: Evangelische Kirchengemeinde St. Nikolai, Berlin-Spandau
Vor der Marienkirche in Mitte steht ein etwas verwitterter Martin Luther, mit entschiedenem Blick, die Bibel in der Hand. Er ist übrig geblieben von einer monumentalen Denkmalsanlage, die sich früher hier befand. Besser als vor der Marienkirche würde Luther aber vor dem Berliner Schloss stehen. Denn das Herrscherhaus der Hohenzollern war gleich mehrfach in die Reformation verwoben.

Von Claudia Keller | DER TAGESSPIEGEL

Es war ein Spross der Hohenzollern, Erzbischof und Kardinal Albrecht von Brandenburg, der den Ablasshandel besonders vehement vorantrieb und zu Luthers Hauptgegner wurde. Albrecht hatte viele kirchliche Ämter auf sich vereint, wofür weniger geistige Qualitäten ausschlaggebend waren als finanzielle Mittel. Mit dem Geld aus dem Ablass wollte er Schulden begleichen und setzte den ehrgeizigen Ablassprediger Johann Tetzel ein. Ein anderer wäre vielleicht gar nicht bis in die hintersten Winkel des Reichs vorgedrungen, Luther hätte das Ablasswesen nicht direkt erlebt und seine Thesen 1517 weniger schlagkräftig formuliert.

Unter Joachim II. wurde Brandenburg protestantisch

Es kam anders. In den zwanziger und dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts fanden seine revolutionären Gedanken auch in Berlin-Cölln Anhänger – später als in anderen Regionen und Städten der Mark, wie der Berliner Kirchenhistoriker Andreas Stegmann in der Spezialausgabe der Zeitschrift „Berliner Geschichte“ zur Reformation in Berlin schreibt. Erst 1539 tat Kurfürst Joachim II. den entscheidenden Schritt: Am 1. November, am Allerheiligentag, ließ er sich in der Spandauer Nikolaikirche das Abendmahl „in beiderlei Gestalt“ reichen, also nicht wie die Katholiken nur in Form einer Hostie, sondern lutherisch als Hostie und Wein. Am Tag darauf folgte der Berliner Magistrat seinem Beispiel. Damit stand fest, dass Berlin und die Mark evangelisch sind.

weiterlesen

Nahost-Konflikt: Stereotype statt Wissen

Bild: bilder.t-online.de
Antisemitismus-Experte Wolfram Stender: Schulen sollen differenzierter über Nahost-Konflikt aufklären

Jüdische Allgemeine

Der Antisemitismus-Forscher Wolfram Stender hat an die Schulen appelliert, viel differenzierter über den Nahost-Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern aufzuklären.

Das könne ein wirksamer Beitrag gegen Antisemitismus sein, sagte der Sozialwissenschaftler aus Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd). »Die Leute haben unglaublich wenig Wissen über das, was da abläuft, und ersetzen Wissen häufig durch Stereotype, die ihnen angeboten werden.« Die Schulen beschäftigten sich heute zwar gründlich mit der Zeit des Nationalsozialismus, nicht aber mit der Zeit nach 1945.

Bis zu 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland hegten heute einen »israelbezogenen Antisemitismus«, sagte Stender, der als Professor an der Hochschule Hannover lehrt. Dabei werde Israel als rassistischer Apartheid-Staat dämonisiert und für alles Übel in der Welt verantwortlich gemacht.

weiterlesen

Internet Archive – Wo das ganze Internet gespeichert wird

Illustration: Stefan Dimitrov
Es ist eines der ehrgeizigsten Projekte der Gegenwart: Das Internet Archive in San Francisco erfasst alles, was im Netz passiert – inklusive Katzenvideos, peinlichen Partyfotos und Geständnissen von Verbrechern.

Von Jürgen Schmieder | Süddeutsche.de

Ist das jetzt ziemlich cool oder so richtig gruselig? Das ist die Frage, die einem bei einem Besuch im Internet Archive sofort in den Sinn kommt. Hier, in diesem neoklassischen Monumentalbau im Norden von San Francisco, das bis 2009 der Fourth Church of Christ, Scientist gehört hat, ist eines der ehrgeizigsten Projekte in der Geschichte der Menschheit beheimatet: Es soll eine wahnwitzige Ansammlung von Wissen entstehen, eine digitale Bibliothek von Alexandria, für jeden zugänglich und jederzeit abrufbar.

In dem Raum, in dem Gottesdienste gefeiert worden sind, stehen nun keine Heiligenfiguren mehr, sondern 100 bauchnabelhohe Keramikfiguren der Mitarbeiter. In den Einbuchtungen gibt es keine Kerzen, sondern riesige Server. Auf der Liedertafel sind keine Psalme vermerkt, sondern die Dezimalen der Kreiszahl Pi. Welch wunderbare Metapher dafür, dass Technologie zur Religion geworden ist.

weiterlesen

Gotteswahn in München – Marias Legionen

Gläubige stehen mit Fahnen und Tracht um die Marien-Statue am Marienplatz. (Foto: Peter Kneffel/dpa)
Tausende Gläubige wallfahren am Wochenende nach München, um die Schutzpatronin Bayerns zu feiern. Kardinal Reinhard Marx bittet um himmlischen Beistand: „Erleuchte die Regierenden!“

Von Thomas Anlauf | Süddeutsche.de

Maria hat sich fesch gemacht. Der silberne Dutt der älteren Dame glänzt in der Morgensonne, für das besondere Ereignis hat sich die Maria aus Regensburg ihr bestes Festtagsgewand angezogen – natürlich ein prachtvolles Dirndl. Mit ihrem Trachtenverein hat sie sich auf die Wallfahrt nach München begeben. „Damit i aufgfrischt werd'“, sagt Maria und lacht. Noch geht es hier am Rindermarkt beschaulich zu, ein paar Bläser stimmen besinnliche Melodien an. Nebenan, am Infostand der apostolischen Laienorganisation „Legion Mariens“, gibt es „Rosenkränze handgeknüpft“ und Bücher wie „33 Schritte. Mit Maria zu Jesus!“ Wenige Stunden später beherrschen leuchtend blaue Schals das Bild in der Münchner Altstadt. Viele Tausend Pilger sind es, die im Lauf des Samstag nach München strömen, um auf dem Marienplatz den Abschluss der größten Wallfahrt Bayerns zu feiern: das 100. Jubiläum, dass die Jungfrau Maria zur Schutzfrau Bayerns erhoben wurde.

weiterlesen

How AI Could Make Urban Bicycling a Whole Lot Easier

Image: MOTHERBOARD
With long curly locks, sandy moustache, and driving cap, Edward Zimmerman looks like the fiddler in a Scottish folk band. To say he looks out of place as a presenter at the GPU Technology Conference is even something of an understatement—Zimmerman would look out of place behind a computer in a public library.

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

His presentation is likewise out of place. For one thing, its focus is on public transportation infrastructure, a domain that’s not likely to get anyone rich and-or famous. Specifically, Zimmerman, as a cyclist, wants to fix urban bicycling—or at least make it better and perhaps safer. He wants to do this by optimizing traffic lights for bicycle traffic using deep learning.

Cyclists and drivers are aware of the phenomenon of the „green wave“ even if they don’t know it by name. It’s where you get the timing of traffic lights on a city street just perfect and are able ride a „wave“ of green traffic lights through the city. The wave sensation occurs because the lights are changing from red to green in front of you (and green to red behind you), and you’re able to watch the transition unfurl at a pace roughly matching your own. It’s wicked satisfying.

read more