Berliner Kirchengeschichte – Hostie und Wein


Als Brandenburg protestantisch wurde. Am 1. November 1537 empfing Kurfürst Joachim II. in der Spandauer Nikolaikirche das…Foto: Evangelische Kirchengemeinde St. Nikolai, Berlin-Spandau
Vor der Marienkirche in Mitte steht ein etwas verwitterter Martin Luther, mit entschiedenem Blick, die Bibel in der Hand. Er ist übrig geblieben von einer monumentalen Denkmalsanlage, die sich früher hier befand. Besser als vor der Marienkirche würde Luther aber vor dem Berliner Schloss stehen. Denn das Herrscherhaus der Hohenzollern war gleich mehrfach in die Reformation verwoben.

Von Claudia Keller | DER TAGESSPIEGEL

Es war ein Spross der Hohenzollern, Erzbischof und Kardinal Albrecht von Brandenburg, der den Ablasshandel besonders vehement vorantrieb und zu Luthers Hauptgegner wurde. Albrecht hatte viele kirchliche Ämter auf sich vereint, wofür weniger geistige Qualitäten ausschlaggebend waren als finanzielle Mittel. Mit dem Geld aus dem Ablass wollte er Schulden begleichen und setzte den ehrgeizigen Ablassprediger Johann Tetzel ein. Ein anderer wäre vielleicht gar nicht bis in die hintersten Winkel des Reichs vorgedrungen, Luther hätte das Ablasswesen nicht direkt erlebt und seine Thesen 1517 weniger schlagkräftig formuliert.

Unter Joachim II. wurde Brandenburg protestantisch

Es kam anders. In den zwanziger und dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts fanden seine revolutionären Gedanken auch in Berlin-Cölln Anhänger – später als in anderen Regionen und Städten der Mark, wie der Berliner Kirchenhistoriker Andreas Stegmann in der Spezialausgabe der Zeitschrift „Berliner Geschichte“ zur Reformation in Berlin schreibt. Erst 1539 tat Kurfürst Joachim II. den entscheidenden Schritt: Am 1. November, am Allerheiligentag, ließ er sich in der Spandauer Nikolaikirche das Abendmahl „in beiderlei Gestalt“ reichen, also nicht wie die Katholiken nur in Form einer Hostie, sondern lutherisch als Hostie und Wein. Am Tag darauf folgte der Berliner Magistrat seinem Beispiel. Damit stand fest, dass Berlin und die Mark evangelisch sind.

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