Bücherverbannung in der Türkei


Eine Gruppe armenischer Flüchtlinge aus dem Osmanischen Reich 1915 im heutigen Syrien. Bis heute ist Verleugnung in der Türkei auf allen Ebenen die gängige Strategie. (Foto: Library of Congress/dpa)
Der Istanbuler Belge-Verlag publiziert seit 40 Jahren Bücher über den Genozid an den Armeniern oder Gräueltaten des Militärs. Jetzt hat die türkische Polizei viele davon konfisziert.

Von Yavuz Baydar | Süddeutsche.de

Als ich davon erfuhr, rief ich ihn gleich morgens an. Am anderen Ende der Leitung war ein älterer Herr um die 70, der als einer der mutigsten Tabubrecher der Türkei gilt. „Guten Morgen“ sagte ich zu Ragıp Zarakolu, der mittlerweile in Schweden im Exil lebt. Sein Istanbuler Verlag, Belge, war am Abend zuvor einer Razzia unterzogen worden. „Ich befürchte, das sind keine guten Neuigkeiten, allerdings überrascht mich nichts mehr“, erzählte er.

Die Polizei hatte seinen Assistenten Mehmet Ali Varış am Sonntagabend angerufen, er solle schnell zum Verlagshaus kommen, sonst müssten sie die Tür aufbrechen.

Ragıp vermutet, dass die Razzia wegen des lächerlichen Verdachts durchgeführt wurde, dass Belge angeblich Verbindungen zur terroristischen Untergrundbewegung DHKP-C unterhalte, der Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front. Die Polizei hatte das Varış gegenüber angedeutet.

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