Nein, Frauen in Saudi Arabien haben jetzt nicht mehr Rechte


Foto: Walter Callens / CC BY 2.0
Das Königreich betreibt PR und die Medien sind zu Diensten. Sie melden, dass Vormundschaftsregeln für Frauen gelockert würden

Von Fabian Köhler | TELEPOLIS

Die Meldung von der Lockerung des Vormundschaftssystems zog kürzlich ihre Galerierunden, erst erschien sie auf einer saudischen Regierungswebsite und dann in Medien weltweit – nicht der einzige Fall, in dem Medien kritiklos die PR-Mitteilungen des saudischen Königshauses abschreiben.

Als Angela Merkel Ende April dem saudischen König Salman bin Abdulaziz einen Besuch abstattete, hätten Medien viel Anlass zu Kritik gehabt: die neusten Waffendeals mit dem Königreich, die tausenden Toten im Jemen, die Unterstützung von Islamisten weltweit, die Verfolgung von Regimekritikern im Land. Doch größere mediale Aufregung löste nur eine Sache aus, die Haare der Kanzlerin. Oder besser: die nicht zu sehenden Haare.

Eine arabische Satire-Zeitung hatte in Anspielung an den Schleier-Zwang im wahhabitischen Gottesstaat die Haare Angela Merkels verpixelt. Erst verbreitete sich das Foto tausendfach in sozialen Netzen, dann beeilten sich Medien weltweit richtigzustellen, dass es sich dabei um eine Fälschung handelte.

Eine andere Nachricht über die Rolle von Frauen in Saudi Arabien wurde dagegen nicht klargestellt oder korrigiert. Und das, obwohl ihr Ursprung nicht weniger fragwürdig ist als die verpixelten Haare der Kanzlerin: „Saudi Arabiens König lockert Vormundschaftsregeln für Frauen“, meldete die Washington Post. Der britische Independent schrieb: „Saudi Arabien lässt Frauen ohne männliche Zustimmung arbeiten und studieren.“ Newsweek-Leser erfuhren, dass der saudische König Salman „einen Schritt in Richtung Frauenemanzipation im Königreich gegangen“ sei.

In Deutschland informierte unter anderem der Spiegel Online-Ableger Bento darüber, dass „Saudi-Arabien überraschend seine Frauengesetze gelockert hat.“ Und selbst die Frauenzeitschrift Brigitte freute sich über einen „kleinen Schritt in die richtige Richtung!“. Dort wie in dutzenden anderen Artikeln erfährt der Leser dann Folgendes:

Frauen dürfen in Zukunft in Krankenhäuser gehen und staatliche Angebote wie Sozialleistungen nutzen, ohne die Vormundschaft zu fragen. Schon bald wird es saudi-arabischen Frauen möglich sein, Universitäten ohne Erlaubnis des Mannes zu besuchen. Eine weitere wichtige Errungenschaft: Frauen dürfen zukünftig arbeiten gehen – ebenfalls ohne Genehmigung des Mannes.

Brigitte

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