Gilbert & George: „Religion nimmt uns die Freiheit“


Die britischen Künstler Gilbert Prousch (l) und George Passmore vom Künstlerduos Gilbert & George stehen in Berlin in der St.-Matthäus-Kirche. ©dpa
Sie sind für ihre provokanten Aktionen bekannt. Jetzt stellen Gilbert & George, das britische Künstlerpaar, erstmals in einer Kirche aus. Es geht um Religion, Fundamentalismus und Terrorgefahr.

Sächsische Zeitung

„Luther und die Avantgarde“ – im Rahmen dieses ambitionierten Projekts stellt das britische Künstlerduo Gilbert & George (73 und 75) Bilder aus seiner „Sündenbock“-Serie in der Berliner Matthäus-Kirche aus. Das ist brisant. Denn die beiden sind für ihre harsche Kritik an Kirche und Religion bekannt. Nada Weigelt von der Deutschen Presse-Agentur erzählen sie, wie es dazu kam.

Pfarrer Neubert, der Hausherr der Kirche, der Sie mit eingeladen hat. Stimmt das?

Gilbert: Das denkt er!

George: Nein, das ist richtig. Wir sind moralische Künstler. Wir glauben an Gut und Böse. Wir glauben nur nicht an Gott. Alle Götter sind von Menschen erfunden, nichts weiter.

Sie greifen immer wieder die Kirche an …

George: … nur ihre kriminellen Seiten. Die Kirche war sehr, sehr langsam bei der Abschaffung der Sklaverei, sie war sehr langsam bei der Abschaffung der Todesstrafe. Und sie ist hintendran, was sexuelle Rechte, Homosexualität, Schwulenehe und Scheidung angeht. Die Kirche hält den Fortschritt auf.

Trotzdem bespielen Sie jetzt eine Kirche. Warum?

Gilbert: Wir wurden von der Stiftung für Kunst und Kultur in Bonn eingeladen. Wir sind bloß der Einladung gefolgt.

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