„Es gehört viel Mut dazu, Gesicht zu zeigen“


Iris Gleicke (SPD) ist Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer. Foto: Bernd von Jutrczenka (dpa)
Die Ostbeauftragte der Bundesregierung über die neue Rechtsextremismus-Studie, die sie in Auftrag gegeben hat.

Von Markus Decker | Frankfurter Rundschau

Frau Gleicke, das Göttinger Institut für Demokratieforschung kommt in seiner Studie zu dem Ergebnis, dass Ostdeutschland ein größeres Problem mit Rechtsextremisten habe als Westdeutschland, warnt aber vor einem Generalverdacht. Teilen Sie die Einschätzung?
Ich finde die Ergebnisse sehr interessant, weil sie deutlich machen, dass es den Rechtsextremismus in Ostdeutschland eben nicht gibt. Es geht im Übrigen auch nicht um Stigmatisierung, sondern darum, Prozessen in bestimmten Regionen ein Stück weit nachzuspüren. Es gibt vielfältige, ganz unterschiedliche Gründe. Damit kann man weiter arbeiten. Die Antworten müssen vor Ort gefunden werden.

Man hat zuweilen den Eindruck, die Autoren wollten dem Osten nicht allzu wehtun, damit Sie nicht so viel Ärger kriegen wie 2016, als Sie erklärten, der Rechtsextremismus schade der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung.
Ich gehe davon aus, dass das Echo wie im vergangenen Jahr sehr geteilt sein wird. Die Ministerpräsidenten egal welcher Couleur haben mich damals alle beschimpft, auch die „Berliner Zeitung“ hat einen angeblichen ‚neuen Osthass‘ entdeckt. Dabei habe ich schon im vergangenen Jahr gesagt, dass Rechtsextremismus kein alleiniges Ost-Problem sei. Aber das Problem ist im Osten größer; die Zahlen sind da eindeutig. Deshalb ist es wichtig, sich das anzugucken und Handlungsempfehlungen zu geben.

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