Kirchentag und Atheismus: Für mich bitte kein Kreuz


Bild: Leipziger Blatt
Messen sind oft große Shows, Gläubige engagieren sich, der Armenpapst wirkt bereichernd. Warum ich trotzdem nicht an Gott glaube: Bekenntnis eines Berliners zum Kirchentag.

Von Robert Ide | DER TAGESSPIEGEL

Heute werden sie wieder durch den Kiez klingen und in meinen Ohren, als Sinfonie unserer Großstadt, als schlagendes Herz meiner Nachbarschaft, als Unterbrechung des Alltags zumindest in Gedanken – die Kirchenglocken rufen wieder zum heiligen Sonntag. Ich werde sie gern hören und gleichzeitig überhören. Denn was ist Berlin schon heilig? Schon gar nicht die Kirche. Mir auch nicht.

Dies ist ein Bekenntnis zum Kirchentag, zu dem in der kommenden Woche Zehntausende nach Berlin pilgern werden, die an das Gute im Menschen und im Himmel glauben oder zumindest daran, dass selbst der Tod ein gutes Ende nehmen kann. Als neugieriger Mensch bedaure ich, dass mir diese Welt verschlossen ist und bleibt. Aber die Wahrheit, die ich mit vielen Berlinerinnen und Berlinern teile, ist schlicht und deshalb nicht schlecht: Ich kann mit der Kirche nichts anfangen, nicht an Gott glauben. Der Kirchentag wird trotz spannender Veranstaltungen an mir vorüberziehen wie einst die Loveparade. Verkleidete Menschen aus aller Herren und Frauen Bundesländer liegen sich zu mir unbekannten Liedern in den Armen. Wenigstens werden die Gotteskinder den Tiergarten nicht achtlos zumüllen.

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