Pfeiffer: Kirche muss Luthers Judenfeindlichkeit aufarbeiten


links: Bildnis von Gewalt gegen Juden entstanden 1250 ;rechts: „Von den Juden und ihren Lügen“: mit dieser Schrift begann Martin Luthers Serie judenfeindlicher Schriften von 1543. Bild: zu-Daily.de
Die Kirche habe es vor vier Jahren zum 75. Jahrestag der NS-Pogromnacht von 1938 versäumt, selbstkritisch Rückschau zu halten, schreibt Pfeiffer in einem Beitrag für die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (Samstag).

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Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat die evangelische Kirche aufgefordert, die Judenfeindlichkeit des Reformators Martin Luther (1483-1546) gründlich aufzuarbeiten. Die Kirche habe es vor vier Jahren zum 75. Jahrestag der NS-Pogromnacht von 1938 versäumt, selbstkritisch Rückschau zu halten, schreibt Pfeiffer in einem Beitrag für die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (Samstag). Evangelische Theologen hätten sich bis zur NS-Zeit immer wieder zustimmend mit Luthers judenfeindlichen Äußerungen auseinandergesetzt. Luthers Forderungen hätten bereits vorweggenommen, was knapp 400 Jahre später von den Nazis in der Pogromnacht verwirklicht worden sei.

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1 Comment

  1. Seit 2014 ein ähnlicher Titel im Cicero erschienen war, wiederholt sich Pfeiffer, es ist jedoch ein Indi-zienbeweis, wo die Indizien geklittert wurden. Der ev. Theologe Prof.Dr. Johannes Wallmann schrieb damals im Cicero: “Kriminologen sollten keine historischen Beweise führen.“
    Luthers Worte zu den Juden, als er 60 Jahre alt war, sind jedoch nicht mit dem Nationalsozialismus zu identifizieren, noch waren sie Grundlage dieser Verbrechen. Das begründe ich:
    Zu Luthers Zeiten wollten zwei Generalisten Universalität erreichen.
    Kaiser Karl V: wollte die weltliche Universalität aus Grundlage eines Staates mit katholischer Religion und Luther wollte eine universale christliche Religion (Heinz Schilling. „Luther“, „1517“).
    Luthers Ziel war, alle Gott.Gläubigen in einer Religion zu vereinen. Dazu zählte er auch die Mitmen-schen des jüdischen Glaubens. Als er sah, dass das nicht gelingt, schrieb er den Sermon „von den Juden und ihren Lügen“. Der Inhalt war ausschließlich theologischen Ursprungs und die angekündigten Strafmaßnahem war die übliche Rhetorik der damaligen Zeit, heute schlimm zu lesen.
    Aber gehen wir mal in ein befreundetes Land, in dem werden Menschen immer noch gehenkt, er-schossen, auf dem elektrischen Stuhl gebraten oder erleiden 45“Minuten einen Todeskampf nach einer Giftspritze.
    Der nationalsozialistische Judenhass entgegen des von Luther war ein rassistischer.
    Deutscher Nationalismus: Sehr wohl bedeutend für die „blutige Romantik“ waren indes Agitatoren wie Ernst Moritz Arndt, Friedrich Ludwig „Turnvater“ Jahn oder Johann Gottlieb Fichte – und das schon vor 1813. Mit fanatischen Tiraden gegen alles „Welsche“ (Arndt: „Ich will den Haß!“), sprach-philosophischer Deutschtümelei (Fichte: Die Deutschen als „Urvolk“, das Deutsche als „Ursprache“) und martialischen Gemeinschaftsfantasien (Jahn: „Mit dem blutigen Schwert der Rache zusammenlaufen“) heizten sie den Furor gegen die Besatzer an. Voltaire, Georg Christoph Lichtenberg, Immanuel Kant, Johann Gottfried Herder, Hegel, Johann Gottlieb Fichte, Clemens Brentano sprachen sich in nicht guter Form auch antijüdisch aus.
    Rassismus ist jedoch eine Ideologie, die „Rasse“ in der biologistischen Bedeutung als grundsätzlichen bestimmenden Faktor menschlicher Fähigkeiten und Eigenschaften zu sehen ist. Der Begriff Rassismus entstand in der kritischen Auseinandersetzung mit auf Rassentheorien basierenden politischen Konzepten. In anthropologischen Theorien über den Zusammenhang von Kultur und rassischer Be-schaffenheit wurde der Begriff der Rasse mit dem ethnisch-soziologischen Begriff „Volk“ vermengt, z. B. von der „völkischen Bewegung“ in Deutschland und Österreich.
    Joseph Arthur de Gobineau (* 14. Juli 1816 in Ville-d’Avray bei Paris; † 13. Oktober 1882 in Turin) war ein französischer Diplomat und Schriftsteller, der durch seine Postulate einer überlegenen „ari-sche“ Menschenrasse und der Schädlichkeit der Rassenmischung bekannt wurde.
    Diese völkischen, nicht religiösen Theorien waren dann Grundlage für Hitlers Rassentheorie, der Über-legenheit der sogenannten arischen und Unterlegenheit anderer und gipfelten dann in den Nürnber-ger Rassengesetzen.
    Auch Pfeiffers Indizien für entsprechende Haltungen der evangelischen Kirche wie Bischof Wurm und den *Deutschen Christen* sind nicht nachvollziehbar. Richtig, Wurm liebäugelte tw Anfang der 30-iger Jahre mit entsprechenden Gedanken. Letztendlich korrigierte er das war schon ab ca. ein Gegner der Rassentheorie und wurde 1945 erster deutscher Bischof der EKD.
    Das gleiche war mit den sogenannten *Deutschen Christen*. Diese Naziorganisation ist nicht mit der evangelischen Kirche des dritten Reiches gleichzusetzen. Eine sehr schwache Argumentation von Christian Pfeiffer.

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