Evangelisches Dekanat Wiesbaden wehrt sich gegen Unterstellung, Flüchtlinge ließen sich aus „asyltaktischen Gründen“ taufen

Das evangelische Dekanat Wiesbaden wehrt sich gegen Vorwürfe, Iraner würden aus „asyltaktischen Gründen“ zum Christentum übertreten und sich taufen lassen.

Von Christoph Cuntz | Gießener Anzeiger

In der evangelischen Auferstehungsgemeinde Wiesbaden-Schierstein gebe es bereits seit sechs Jahren einen persischsprachigen Gottesdienst. Mehr als 100 Frauen und Männer hätten seither zum christlichen Glauben gefunden. Der überwiegende Teil sei aus politischen und oder religiösen Gründen aus dem Iran oder Afghanistan geflohen. Die Annahme, diese Flüchtlinge ließen sich aus „asyltaktischen Gründen“ taufen, mache ihn fassungslos, so Farhad Mostaschari, der selbst Iraner und Mitglied im Vorstand der Auferstehungsgemeinde ist. „Ich bin schockiert. Diese Vorwürfe treffen in unserer Gemeinde absolut nicht zu“, sagt Mostaschari.

Entscheider haben Zweifel an Beweggründen

Wie berichtet, haben Entscheider des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Asylverfahren immer wieder Zweifel am Bekenntnis der vermeintlichen Neu-Christen.

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Philosoph Žižek: „Macron ist das Establishment in reinster Form“

foto: malensek Philosoph Slavoj Žižek: „Wer Marine Le Pen wählt, wählt Marine Le Pen jetzt. Wer Macron wählt, wählt Marine Le Pen in vier Jahren.
Slavoj Žižek über die politische Situation Frankreichs und der USA und die Notwendigkeit radikaler Änderungen

Von Anja Malenšek | derStandard.at

Wenn aus dem fast unüberschaubaren Spektrum an Themen in Slavoj Žižeks Rede ein roter Faden zu erkennen war, dann vielleicht dieser: ein leicht fatalistischer Aufruf zur Anerkennung der düsteren Lage, in der wir uns befinden. Nahende ökologische Katastrophen, terroristische Bedrohung, geopolitische Konflikte – all dies erfordere ein „Neudenken“, ein Ende vom „Traum einer Alternative“.

Žižeks im Rahmen der Wiener Festwochen am Wochenende gepredigten Mut muss man bei manchen seiner Aussagen tatsächlich bewundern. Der marxistische Philosoph, der schon allein mit seinen hektischen Gesten das Publikum fesseln kann, ließ auch allerjüngste politische Ereignisse nicht außer Acht.

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Wider die „staatsfromme Kirche“

Die Evangelischen Kirche am Hohenzollernplatz in Berlin – ein Hauptwerk des deutschen Expressionismus. (Deutschlandradio / Eric Pawlitzky)
Rainald Leistikow ist Berliner, evangelischer Christ und Hörer des Deutschlandfunks. Ihn stören die politischen Positionen seiner Kirche zur Flüchtlingspolitik, als Andersdenkender fühlt er sich ausgegrenzt. „Obrigkeit ist für mich keine Instanz, vor der ich einknicke“, sagt er. Er ist zum Widerspruch entschlossen, erst recht so kurz vor dem Kirchentag.

Von Claudia van Laak | Deutschlandfunk

Sie haben mich persönlich eingeladen, hierherzukommen, und das habe ich gerne gemacht.“

Reinald Leistikow, 73 Jahre alt. Fester Händedruck, klarer Blick, freundlich-zugewandtes Wesen. Der Berliner Jurist hat lange Jahre für Kirche und Diakonie gearbeitet – so als Verwaltungsleiter eines evangelischen Krankenhauses. In letzter Zeit allerdings hat sich Leistikow von seiner Kirche entfernt. Mehr noch – er ist empört. In einer langen E-Mail an den Deutschlandfunk hat er sich Luft gemacht, spricht von „Multi-Kulti-Schönfärberei“ und kritisiert, dass die Kirchenleitung in punkto Flüchtlingspolitik eine offizielle Meinungsvorgabe mache und Andersdenkende ausgrenze.

„Der Deutschlandfunk ist ja eine Instanz dafür, dass so etwas zur Sprache kommen kann. Die politisierte Kirche kommt überall durch und breitet sich wie ein Schirm über alles aus.“

Es ist Sonntag kurz vor 10, gleich beginnt der Gottesdienst in der  architektonisch spektakulären Evangelischen Kirche am Hohenzollernplatz – ein Hauptwerk des deutschen Expressionismus. Mehrere hundert  Gottesdienstbesucher fänden Platz in diesem imposanten dunklen Backsteinbau – doch nur etwa 30 sind gekommen, sie verlieren sich in den Kirchenbänken.

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Top Ten der neuentdecken Arten 2017

Dies sind nur sechs der zehn ungewöhnlichsten Arten des Jahres 2017 © Sumukha, Peter Kirk, Kevin Rowe, Georg Fischer, M. Kolanowska, Siriwut, Edgecombe and Panha
Eine Orchidee mit Teufelsgesicht, ein schwimmender Tausendfüßer und eine Spinne, die dem Hut des Zauberers Gryffindor aus Harry Potter ähnelt: Dies sind nur drei der rund 18.000 im letzten neuentdeckten Tier- und Pflanzenarten. Die zehn bizarrsten und spannendsten von ihnen stellen Biologen in ihrer Top Ten-Liste vor. Die Neuentdeckungen demonstrieren, dass wir bisher nur einen kleinen Teil der Natur überhaupt kennen.

scinexx

Obwohl wir Menschen und unsere Zivilisation die Erde mehr und mehr verändern und beeinträchtigen, kennen wir bisher nur einen Bruchteil unserer tierischen und pflanzlichen Mitbewohner auf diesem Planeten. Um darauf aufmerksam zu machen, haben Forscher des International Institute for Species Exploration (IISE) nun eine Liste der zehn ungewöhnlichsten, spannendsten und bedeutendsten Neuentdeckungen des letzten Jahres zusammengestellt.

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Trump im Heiligen Land – Israel zeigt gute Miene

Vorbereitungen für den Empfang Trumps am Flughafen von Tel Aviv. (Bild: Jim Hollander / EPA)
Unmittelbar vor dem Besuch des amerikanischen Präsidenten am Montag kommt die israelische Regierung den Palästinensern mit Reiseerleichterungen und Baubewilligungen entgegen. Der Beschluss sorgt allerdings für Streit im Kabinett.

Von Christian Weisflog | Neue Zürcher Zeitung

Kurz nach dem Mittag wird das Flugzeug des amerikanischen Präsidenten am Montag in Tel Aviv erwartet. Donald Trumps Besuch hätte eigentlich ein Heimspiel werden sollen, besonders bei den rechtsnationalen Teilen der israelischen Regierung und der Siedlerbewegung. Hatte er doch versprochen, an seinem ersten Amtstag die amerikanische Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Doch auch diese vollmundige Ankündigung aus Trumps Munde blieb bisher ohne Folgen. Ganz im Gegenteil: Anstatt eine Carte blanche zu erteilen, stellt die amerikanische Regierung nun auch Forderungen an Israel. Sie verlangt vertrauensfördernde Massnahmen, um direkte Friedensverhandlungen zu ermöglichen.

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Arbeitsgericht: Fristlose Kündigung wegen Abtreibungsfrage unwirksam

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Klinikdirektor Fröhling hatte öffentlich Abtreibungsweigerung des Gynäkologiechefarztes der Capio-Klinik Danneberg unterstützt, dafür durfte er nicht gefeuert werden – Ärztekammer kritisiert finanziellen Druck der Gesundheitsministerin auf die Klinik

kath.net

Klinikdirektor Markus Fröhling war im Februar 2017 von seiner Klinik in Dannenberg fristlos gekündigt worden, da er öffentlich den damaligen Gynäkologie-Chefarzt Thomas Börner unterstützt hatte, der Abtreibungen in seiner gynäkologischen Abteilung Abtreibungen abgelehnt hatte. Fröhling hatte gegen die Kündigung Klage eingereicht. Das Arbeitsgericht Lüneburg am 19. Mai diese fristlose Kündigung für unwirksam erklärt, der Capio-Konzern muss die Kündigung zurücknehmen und Fröhling zu den früheren Konditionen weiterbeschäftigen. Das berichtete die Evangelische Nachrichtenagentur „idea“. Unter Hinweis auf die „Elbe-Jeetzel-Zeitung“ berichtete „idea“ weiter, dass der Konzern aber wohl den Klinikdirektor nicht weiterbeschäftigen, sondern eher eine deutliche Abfindung bezahlen werde.

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Obama Amen

US-Drohne. Bild: DoD
10 Gründe, warum Friedensnobelpreisträger Barack Obama beim Evangelischen Kirchentag der richtige Redner ist

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

Beim Evangelischen Kirchentag hätten viele einen Auftritt des vormaligen US-Präsidenten George W. Bush vorgezogen, der als Angehöriger der Evangelisch-Methodistischen Kirche und wiedergeborener Christ ein famoser Redner gewesen wäre. Auch Amtsinhaber Donald J. Trump, der in Tradition Martin Luthers „dem Volk aufs Maul geschaut“ hatte und dann u.a. den 30-jährigen Krieg auslöste, wäre im Luther-Jahr ein perfekter Gast gewesen. Demgegenüber war Barack H. Obama nur dritte Wahl, da er 2008 aus der Trinity United Church of Christ in Chicago wegen dortiger Kritik an Hillary Clinton ausgetreten war und US-Kriege nicht mehr als Kreuzzüge bezeichnete.

Dennoch gibt es gute Gründe, den Friedensnobelpreisträger auf einer evangelischen Veranstaltung sprechen zu lassen:

  1. Der Kniefall von Saigon

Als Obama bei seinem Staatsbesuch in Saigon einen Kranz für die Millionen von US-Truppen im Vietnamkrieg getöteter Menschen niederlegte, sank der Präsident vor Scham und Ergriffenheit spontan auf die Knie. Mit dieser Geste versöhnte er das Volk, das zu keinem Zeitpunkt an eine Bedrohung der USA auch nur dachte und nicht einmal Kissinger einen Attentäter schickte.

  1. Lehren von Bagdad

Nachdem der damalige Private Bradley Manning Hunderte Kriegsverbrechen der Besatzungstruppen im Irak aufgedeckt hatte, entließ Obama sämtliche beteiligten Militärs unehrenhaft. Die heutige Brigadegeneralin Chelsea Manning wird in den USA für ihren Mut als Nationalheldin verehrt.

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Nach diesen Kriterien löscht Facebook

Facebooks Löschpraxis war bislang nur Insidern bekannt. (Foto: Sead Mujic)
  • Dutzende interne Dokumente zeigen erstmals detailliert die Vorgaben, nach denen Facebook-Mitarbeiter Inhalte prüfen und löschen sollen.
  • Es geht um Themen wie Kindesmissbrauch, Erpressung, Mobbing und Tierquälerei.
  • Die Schulungsunterlagen umfassen Tausende Seiten und verdeutlichen, wie komplex die Regeln sind.
  • Angestellte müssen die schwierigen Entscheidungen unter Zeitdruck treffen, fühlen sich oft überfordert und sind verunsichert.

Von Simon Hurtz, Hannes Munzinger | Süddeutsche.de

Während das soziale Netzwerk Facebook in Deutschland unter Druck steht, beleidigende oder anderweitig illegale Inhalte zu löschen, ist nun erstmals ein Einblick in die internen Lösch-Regeln des Unternehmens möglich. Die Süddeutsche Zeitung konnte 48 Dokumente einsehen, die dem britischen Guardian zugespielt wurden und zeigen, auf welcher Grundlage Facebook Inhalte löscht.

Es handelt sich um Schulungsunterlagen, Präsentationen und Diagramme mit Handlungsanweisungen. Auf Tausenden Seiten lernen die Mitarbeiter, wann sie Inhalte ignorieren, sperren oder an Strafverfolgungsbehörden weiterleiten sollen. Dabei geht es um Kindesmissbrauch, Erpressung, Mobbing, Gewaltdarstellungen und Tierquälerei.

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Hilfsapostel Schwaderlapp: ‚Ich möchte der Lehrerin meinen höchsten Respekt zollen‘

Schwaderlapp im Kölner „Domradio“ zum Fall der Lehrerin, die auf Anweisung ihrer Schulbehörde das Kreuz ablegen musste: „Das Zeichen des Fisches haben die Christen in Zeiten der Verfolgung gewählt… Gehen wir wieder dahin?“

kath.net

Dass eine evangelische Lehrerin an einer staatlichen Schule in Berlin auf Geheiß der Schulbehörde ihr Kreuz ablegen muss, dafür kann der Kölner Weihbischof Dominik Schwaderlapp „nur sehr wenig Verständnis“ aufbringen. Im Interview mit dem Kölner „Domradio“ stellte der Weihbischof fest: „Ich möchte auf diesem Weg, der Lehrerin, die ich nicht kenne, meinen höchsten Respekt zollen. Sie lässt sich ihr Bekenntnis nicht irgendwie abkaufen.“ Nun trage sie offenbar ja einen Fisch an ihrer Halskette, doch sei dies fast schon tragikkomisch: „Das Zeichen des Fisches haben die Christen in Zeiten der Verfolgung gewählt, als es ihnen verwehrt wurde sich öffentlich zu ihrem Glauben zu bekennen. Gehen wir wieder dahin? Ist das allen Ernstes der Weg, den wir in unserer Gesellschaft einschlagen wollen? Ich hoffe doch nicht.“

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Menschheit verändert das Weltraumwetter

Die atmosphärischen Kernwaffentests des Kalten Krieges erzeugten künstliche Strahlengürtel um die Erde. © NASA/GSFC, Genna Duberstein
Wirkung sogar aufs All: Der Einfluss der Menschheit reicht längst weit in den Weltraum hinaus, wie Daten der NASA belegen. So erzeugten die Atombombentests des Kalten Krieges kurzzeitig zusätzliche Strahlengürtel um die Erde und verursachten Polarlichter sogar in den Tropen. Die heute zur Kommunikation genutzten niederfrequenten Radiosignale dagegen haben die Innengrenze des Van-Allen-Gürtels messbar verändert und nach außen verschoben.

scinexx

Als Weltraumwetter werden typischerweise alle Phänomene bezeichnet, die sich im nahen Weltraum rund um unseren Planeten abspielen – in dem Bereich, der durch das Erdmagnetfeld und die Van-Allen-Strahlengürtel vor kosmischer Strahlung und Sonnenstürmen weitgehend abgeschirmt wird. Erst diese gestaffelten Schutzschilde ermöglichen es Satelliten und Astronauten, längere Zeit im Erdorbit ohne schwere Schäden zu überstehen.

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Dodo Gabriel: Wir müssen das Friedenspotenzial der Religionen fördern

Sigmar Gabriel 2017. Bild: wikimedia.org/Olaf Konsinsky, bearb.: bb
Wer Religion stets nur als konfliktverschärfend sieht, macht einen großen Fehler. Der interreligiöse Dialog muss Teil einer neuen Außenpolitik der Gesellschaften sein. Ein Kommentar.

Von Sigmar Gabriel | DER TAGESSPIEGEL

Palmyra liegt in Trümmern, weil der sogenannte Islamische Staat die Erinnerung der Menschen in Syrien an eine jahrtausendealte kulturelle Identität zerstören will. Boko Haram führt seit Jahren im Nordosten Nigerias einen blutigen Feldzug, um ein islamisches Kalifat zu errichten. In Myanmar wird die muslimische Minderheit der Rohingya verfolgt. Von Paris bis Berlin haben Attentäter im Namen der Religion schändliche Anschläge verübt.

All diese Beispiele zeigen, wie politische und wirtschaftliche Konflikte pseudoreligiös aufgeladen werden und wie Religion als reines Feigenblatt benutzt wird. Das droht zu überdecken, welche positive Kraft in Religionen steckt: die Überwindung der Angst, das Vertrauen auf die Barmherzigkeit und die Weitergabe dieser Barmherzigkeit an den Nächsten. Religionen bewahren ein tiefes Wissen um Schuld, Vergebung und Versöhnung. Religionsgemeinschaften können für Ausgleich und Gerechtigkeit in ihren Gesellschaften eintreten. Sie haben ein langes Zeitverständnis, das etwa in der Friedensarbeit notwendig ist. Und sie machen an den Grenzen der Nationalstaaten nicht halt.

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Das Vergnügen an der Verrohung ✠ Homonationalisten – ihre Ziele und Antriebe

Dresden am 15. Dezember 2014 Foto: Flickr-User Karl-Ludwig Poggemann – Eigenes Werk, CC BY 2.0
Unser Gastautor Wolfgang Brosche mit einer Bestandsaufnahme des Rechtsrucks und seiner Ursachen. Warum stehen manche schwule Männer auf Führertypen, warum neigen einige Homosexuelle zu Ausgrenzung und Hass. Welchen Einfluss hat dabei sexuelles Verlangen?

Von Wolfgang Brosche | blu.fm

Homonationalisten und der „Wille zur Macht“

Im Jahr 2007 prägte die Queer-Theoretikerin Jasbir Puar den Begriff Homonationalismus. Er bezeichnet die Akzeptanz und die Übernahme heteronormativer, rassistischer, und klassistischer Denkweisen in den queeren Diskurs. In der Tat kann man homonationalistische Phänomene und Personen beobachten, die Teil sind des allgemeinen Abgleitens in den rechten Sumpf der Entsolidarisierung, des brutalen Sozialdarwinismus und des faulig schimmernden Nationalismus. Die Tendenzen der Verrohung machen nicht vor homosexuellen Menschen halt, deren Erfahrung der Differenz zur Mehrheitsgesellschaft sie eben nicht zwangsläufig einsichtiger macht. Der Wunsch zur Mehrheit zu gehören, die Norm zu sein und die Norm zu bestimmen, entspringt dem „Willen zur Macht“ über andere, der das skrupellose Ausnutzen und Verbrauchen von Mensch und Umwelt rechtfertigen soll; in dieser traurigen Tatsache unterscheiden sich homosexuelle Menschen in Nichts von Heterosexuellen.

Die angeblich neue Rechte ist die alte. Der lärmende Aufwand, den sie betreibt, um ihre Ansprüche, Antriebe und Ziele zu rechtfertigen oder zu verschleiern mag andere Formen haben als vor 85 Jahren, seine Stoßrichtung führt jedoch genau wie damals ins Antizivilisatorische nach unten. Tatsächlich bietet die Rechte – auch wie damals – keine wirklich politischen Ziele, nichts Konstruktives, keine Bewältigungsversuche der sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Probleme der Gegenwart, sondern nur Destruktion: Zerstörung, Gewalt, gigantische Fresssucht und letztendlich todessehnsüchtige Vernichtung dessen, was die Rechten nicht verstehen, geschweige denn meistern können. Die neue wie die alte Rechte legen eine barbarische Dummheit und ein gewalttätiges Unvermögen an den Tag, dessen End-Ziel die Beseitigung der Gegner, der „Anderen“, die mörderische Lust, der Lust-Mord ist. Das Pauken-Getöse um angeblich alte Werte, Traditionen, Patriotismus und Nationalismus ist nur Tarnung. Es geht tatsächlich um das primitive „Wir oder sie“, eine Maxime, vor deren endgültiger Konsequenz ihre Vertreter immer weniger zurückschrecken.

Das werde ich an einigen Fallbeispielen von Homonationalisten zeigen.

Nöler, Opportunisten, Kleingeister

Fangen wir unten an: die meisten der Homonationalisten sind subalterne Nöler, Opportunisten, Mitläufer, egoistische Kleingeister und Kleinbürger; manche spült der Zufall für kurze Zeit an die Oberfläche. Dann steigt ihnen der kurzfristige Bekanntheitsgrad zu Kopf und sie präsentieren ihre Ressentiments mit entlarvender Plumpheit und Schambefreitheit. Immer wieder spie zum Beispiel Mirko Welsch, der sich Sprecher der Schwulengruppe in der AfD nannte, Beleidigungen und Frechheiten aus gegen Personen, die ihm nicht passten und über politische Gedanken, die er nicht zu begreifen in der Lage war. Mit einer Hand voll von Schlagwörtern (jawohl, „Schlag“wörtern, er benutzte sie wie derbe Knüppel um zuzuschlagen, zu verletzen) versuchte er den Gegner auszuschalten.

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Interview mit de Maizière: „Identität ist eines der aktuellen großen Themen“

Bundesinnenminister Thomas de Maizière © Henning Schacht / BMI
Am kommenden Mittwoch startet der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag. Mitglied des Präsidiums ist auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Im Interview erklärt er, warum er es richtig findet, dass dort auch die AfD zu Wort kommt und was Luther mit Leitkultur zu tun hat.

Von Corinna Buschow | MiGAZIN

Am kommenden Mittwoch startet der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag. Mitglied des Präsidiums ist auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Im Interview erklärt er, warum er es richtig findet, dass dort auch die AfD zu Wort kommt und was Luther mit Leitkultur zu tun hat.

Herr Minister, in der nächsten Woche startet der evangelische Kirchentag in Berlin, normalerweise ein fröhliches, unbeschwertes Treffen. Die Sicherheitsbestimmungen werden aber aufgrund der Terrorgefahr schärfer sein als in der Vergangenheit. Erwarten Sie einen Kirchentag mit einem anderen Charakter?

Thomas de Maizière: Nein. Ich hoffe, der Kirchentag wird den gleichen fröhlich-kritischen, heiter-konstruktiven Grundton behalten wie in der Vergangenheit. Zwar sind die Sicherheitsvorkehrungen in diesen Zeiten hoch. Ich glaube, dafür haben aber alle Verständnis. Die Teilnehmer sollten sich auf längere Schlangen und die Untersuchung von Taschen und Rucksäcken einstellen und etwas mehr Geduld mitbringen.

Das gilt sicher auch für die Veranstaltung mit Barack Obama. Verstehen Sie den Vorwurf, der Besuch des früheren US-Präsidenten sei Wahlkampfhilfe für Bundeskanzlerin Angela Merkel?

de Maizière: Dass dem Kirchentag vorgeworfen wird, er mache für eine CDU-Politikerin Wahlkampf, habe ich die vergangenen 20 Jahre nicht gehört. Außerdem sagt meine Erfahrung, dass alle Politiker, die glauben, den Kirchentag zur Bühne für einen platten Wahlkampf zu machen, nicht gut beraten sind. Es bekommt ihnen weder beim Kirchentag noch in der Öffentlichkeit. Der Kirchentag ist ein für Deutschland einmaliges Gesprächsforum mit dem Bemühen, Debatten zu gesellschaftspolitisch relevanten Themen voranzutreiben. Themenübergreifend wird dort über Gegenwarts- und Zukunftsfragen diskutiert, wie es das sonst in dieser Größenordnung nicht gibt. Dass dabei nicht nur der Kopf angesprochen wird, sondern auch die Seele – diese Kombination ist wunderbar.

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Soldaten-Wallfahrt: Der Marsch durchs Disneyland des Glaubens

Bundeswehrsoldaten bei der Lichterprozession: Sie sehen aus, als könnte sich niemand der besonderen Stimmung der Wallfahrtsstätte entziehen Quelle: Holger Kreitling
Rund 12.000 Soldaten aus der ganzen Welt pilgern jedes Jahr nach Lourdes. Bilge Yüce war zum ersten Mal dabei. Warum der Obergefreite der Bundeswehr mit türkischen Wurzeln eine Gänsehaut bekommen hat.

Von Holger Kreitling | DIE WELT

Mitten in der Nacht im Wallfahrtsort Lourdes: Im Café „Little Flower“, gleich neben der Hall Catholique, treffen sich die irischen Soldaten. Die Biergläser und die Herzen sind voll, natürlich singen sie lauthals Lieder. Ein junger Soldat steht auf und beginnt mit der ersten Strophe. Alle rücken ihre schwarzen Barette auf dem Kopf fest. Nach jeder Strophe stimmt die Gruppe ein, die Lautstärke schwillt an wie ein Fluss nach dem Regen. Das Lied hat sehr viele Strophen, es geht um ein einsames Mädchen, das entweder wartet oder sehnsüchtig erwartet wird, jedenfalls traurig und sehr irisch.

Eine Straße weiter ist das Café „Royal“, gleich neben der Alliance Catholique, fest in deutscher Hand. Die Biergläser und die Herzen sind voll, das Heeresmusikkorps aus Kassel spielt auf. Das Lied erzählt von einer glücklichen Liebe zum Alkohol. Der Text ist ein Karnevalsklassiker. „Wenn das Wasser im Rhein gold’ner Wein wär,/ ja dann möcht’ ich so gern ein Fischlein sein./ Ei, wie könnte ich dann saufen,/ brauchte keinen Wein zu kaufen,/ denn das Fass vom Vater Rhein würd’ niemals leer.“

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Schweizer stimmen gegen neue Kernkraftwerke

Bild: heise.de/tp
Alte Meiler dürfen am Netz bleiben, solange sie die Sicherheitsanforderungen erfüllen

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Heute hatten 5,3 Millionen Schweizer bis zwölf Uhr Mittag Zeit, ihre Stimme für oder gegen ein Energiewendegesetz abzugeben, das das Parlament der Eidgenossenschaft im September verabschiedet hat. Der aktuellen SRG-Hochrechnung nach wurde dieses Gesetz bei 43 Prozent Stimmbeteiligung mit 58,2 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Umfragen waren zuvor von einer geringeren Zustimmung ausgegangen.

Anders als die im letzten Jahr vom Volk abgelehnte Initiative der Grünen verbietet das jetzt angenommene Gesetz zwar den Bau neuer Atommeiler, setzt aber keinen festen Termin für die Abschaffung der bereits gebauten, die die Ökopartei bis spätestens 2029 schließen lassen wollte (vgl. Nein zur Schweizer Atomausstiegs-Initiative). Diese fünf Atomkraftwerke sollen so lange am Netz bleiben dürfen, so lange sie die Sicherheitsanforderungen erfüllen. Derzeit liefern sie etwa ein Drittel des in der Eidgenossenschaft verbrauchten Stroms.

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Proteste in Italien nach Einführung der Impfpflicht für Kinder

Bild: 4ever.eu
Die von der italienischen Regierung am Freitag eingeführte Impfpflicht für Kinder sorgt für heftige Proteste. Umstritten ist vor allem, dass Eltern nicht geimpfter Kinder beim Jugendamt gemeldet werden und auch das Fürsorgerecht verlieren können. Auf sie kommen auch hohe Bußgelder zu.

derStandard.at

Die Impfpflicht gilt für insgesamt zwölf Krankheiten, darunter Masern, Hirnhautentzündung, Tetanus, Kinderlähmung, Mumps, Keuchhusten und Windpocken. Nicht geimpfte Kinder im Alter bis zu sechs Jahren werden künftig nicht in Krippen, Kindergärten oder Vorschulklassen aufgenommen. Die Impfpflicht gilt ab dem kommenden Schuljahr, das im September beginnt. Anti-Impfungsverbände riefen zu einer nationalen Protestkundgebung am 8. Juli in der Stadt Pesaro auf.

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Bedford-Strohm verteidigt Dialog mit AfD-Vertretern auf Kirchentag

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Presseabteilung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. bearb. bb
Zugleich betonte der Repräsentant von über 22 Millionen Protestanten in Deutschland: „Wir wollen nicht Menschen, die sich von populistischen Aussagen angezogen fühlen, weiter in diese Richtung drängen, indem wir das Gespräch verweigern.“

evangelisch.de

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, verteidigt Diskussionen beim Evangelischen Kirchentag mit AfD-Vertretern ebenso wie einen Dialog mit Atheisten. „Es ist richtig, dass man Dialoge führt“, sagte der Theologe dem Evangelischen Pressedienst. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) rechtfertigte die Entscheidung der Veranstalter, beim Kirchentag in der kommenden Woche eine AfD-Vertreterin auf der Bühne zu Wort kommen zu lassen.

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„Die AKP ist die Partei der Nation“

Bild: wikileaks/Twitter
  • Recep Tayyip Erdoğan ist als Parteivorsitzender der türkischen Regierungspartei wiedergewählt worden.
  • Er musste die Partei verlassen, als er Präsident wurde. Die türkische Verfassung erlaubte es nicht, dass der Präsident Mitglied einer Partei sein durfte.
  • Durch das Verfassungsreferendum im April ist diese Regel aufgehoben. Auch das Amt des Ministerpräsidenten wurde damit abgeschafft.

Von Mike Szymanski | Süddeutsche.de

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat am Sonntag nach drei Jahren wieder den Vorsitz der von ihm gegründeten Regierungspartei AKP übernommen. Bei einem Sonderparteitag in Ankara ließ sich der 63-jährige Politiker an die Spitze der AKP wählen; als einziger Kandidat erzielte er den Angaben zufolge mehr als 96 Prozent der Stimmen. Er löst damit Binali Yıldırım ab, der zugleich Regierungschef ist und nun als Stellvertreter von Erdoğan weitermacht.

Erdoğan hatte die Verbindung zu seiner Partei 2014 formal abbrechen müssen, nachdem er zum Staatspräsidenten gewählt worden war. Dies war in der Verfassung so festgelegt, die vom Präsidenten Überparteilichkeit verlangte.

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Trumps Islam-Rede ist eine Kriegserklärung

Image: NBCNews/YouTube
In Riad hat US-Präsident Trump zu einem stärkeren Kampf gegen den islamistischen Terrorismus aufgerufen.

DIE WELT

  • Trump bot eine Partnerschaft an, forderte zugleich aber mehr Engagement.
  • Trump stellte klar: „Dies ist kein Kampf zwischen verschiedenen Religionen.“

Keine Gnade für Extremisten: In seiner Grundsatzrede zum Islam hat US-Präsident Donald Trump seine Strategie klar formuliert. Bei seinem Auftritt während eines Gipfels am Sonntagnachmittag in Riad rief Trump zu einem stärkeren Kampf gegen den islamistischen Terrorismus auf. Saudi-Arabien zufolge nehmen an dem Gipfeltreffen Vertreter von mehr als 50 islamischen Staaten teil.

„Unser Ziel ist eine Koalition von Nationen, die das Ziel teilen, den Extremismus auszumerzen“, sagte Trump und bot eine Partnerschaft an. Forderte zugleich aber mehr Engagement: „Die Staaten des Nahen Ostens können nicht darauf warten, dass die Macht Amerikas diesen Feind für sie zermalmt.“ Das Übel könne nur überwunden werden, wenn die „Kräfte des Guten vereinigt und stark sind – und wenn jeder in diesem Raum seien fairen Teil dazu beiträgt und seinen Teil der Last trägt“.

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These Bicycles Eat Smog and Spit Out Clean Air

Image: Studio Roosegaarde
The Smog Free Project was inspired by air pollution problems in Beijing.

By Lisa Cumming | MOTHERBOARD

Bike sharing programs in China are big right now. There are over 30 Chinese start-ups and one of the largest of them all, Ofo, has about 2.2 million bikes in 43 cities. Daan Roosegaarde, an inventor from the Netherlands and the designer behind China’s smog-sucking tower, wants to get in on the action with a bike that sucks up smog and releases clean air.

About three years ago his design and technology company, Studio Roosegaarde, launched the Smog Free Project, which started after he visited Beijing and saw the impacts of pollution. „Some days I couldn’t see the other side of the street,“ he told me over the phone.

„The project is about the dream of clean air, clean water and clean energy,“ he said.

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