Das Vergnügen an der Verrohung ✠ Homonationalisten – ihre Ziele und Antriebe


Dresden am 15. Dezember 2014 Foto: Flickr-User Karl-Ludwig Poggemann – Eigenes Werk, CC BY 2.0
Unser Gastautor Wolfgang Brosche mit einer Bestandsaufnahme des Rechtsrucks und seiner Ursachen. Warum stehen manche schwule Männer auf Führertypen, warum neigen einige Homosexuelle zu Ausgrenzung und Hass. Welchen Einfluss hat dabei sexuelles Verlangen?

Von Wolfgang Brosche | blu.fm

Homonationalisten und der „Wille zur Macht“

Im Jahr 2007 prägte die Queer-Theoretikerin Jasbir Puar den Begriff Homonationalismus. Er bezeichnet die Akzeptanz und die Übernahme heteronormativer, rassistischer, und klassistischer Denkweisen in den queeren Diskurs. In der Tat kann man homonationalistische Phänomene und Personen beobachten, die Teil sind des allgemeinen Abgleitens in den rechten Sumpf der Entsolidarisierung, des brutalen Sozialdarwinismus und des faulig schimmernden Nationalismus. Die Tendenzen der Verrohung machen nicht vor homosexuellen Menschen halt, deren Erfahrung der Differenz zur Mehrheitsgesellschaft sie eben nicht zwangsläufig einsichtiger macht. Der Wunsch zur Mehrheit zu gehören, die Norm zu sein und die Norm zu bestimmen, entspringt dem „Willen zur Macht“ über andere, der das skrupellose Ausnutzen und Verbrauchen von Mensch und Umwelt rechtfertigen soll; in dieser traurigen Tatsache unterscheiden sich homosexuelle Menschen in Nichts von Heterosexuellen.

Die angeblich neue Rechte ist die alte. Der lärmende Aufwand, den sie betreibt, um ihre Ansprüche, Antriebe und Ziele zu rechtfertigen oder zu verschleiern mag andere Formen haben als vor 85 Jahren, seine Stoßrichtung führt jedoch genau wie damals ins Antizivilisatorische nach unten. Tatsächlich bietet die Rechte – auch wie damals – keine wirklich politischen Ziele, nichts Konstruktives, keine Bewältigungsversuche der sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Probleme der Gegenwart, sondern nur Destruktion: Zerstörung, Gewalt, gigantische Fresssucht und letztendlich todessehnsüchtige Vernichtung dessen, was die Rechten nicht verstehen, geschweige denn meistern können. Die neue wie die alte Rechte legen eine barbarische Dummheit und ein gewalttätiges Unvermögen an den Tag, dessen End-Ziel die Beseitigung der Gegner, der „Anderen“, die mörderische Lust, der Lust-Mord ist. Das Pauken-Getöse um angeblich alte Werte, Traditionen, Patriotismus und Nationalismus ist nur Tarnung. Es geht tatsächlich um das primitive „Wir oder sie“, eine Maxime, vor deren endgültiger Konsequenz ihre Vertreter immer weniger zurückschrecken.

Das werde ich an einigen Fallbeispielen von Homonationalisten zeigen.

Nöler, Opportunisten, Kleingeister

Fangen wir unten an: die meisten der Homonationalisten sind subalterne Nöler, Opportunisten, Mitläufer, egoistische Kleingeister und Kleinbürger; manche spült der Zufall für kurze Zeit an die Oberfläche. Dann steigt ihnen der kurzfristige Bekanntheitsgrad zu Kopf und sie präsentieren ihre Ressentiments mit entlarvender Plumpheit und Schambefreitheit. Immer wieder spie zum Beispiel Mirko Welsch, der sich Sprecher der Schwulengruppe in der AfD nannte, Beleidigungen und Frechheiten aus gegen Personen, die ihm nicht passten und über politische Gedanken, die er nicht zu begreifen in der Lage war. Mit einer Hand voll von Schlagwörtern (jawohl, „Schlag“wörtern, er benutzte sie wie derbe Knüppel um zuzuschlagen, zu verletzen) versuchte er den Gegner auszuschalten.

weiterlesen