Soldaten-Wallfahrt: Der Marsch durchs Disneyland des Glaubens


Bundeswehrsoldaten bei der Lichterprozession: Sie sehen aus, als könnte sich niemand der besonderen Stimmung der Wallfahrtsstätte entziehen Quelle: Holger Kreitling
Rund 12.000 Soldaten aus der ganzen Welt pilgern jedes Jahr nach Lourdes. Bilge Yüce war zum ersten Mal dabei. Warum der Obergefreite der Bundeswehr mit türkischen Wurzeln eine Gänsehaut bekommen hat.

Von Holger Kreitling | DIE WELT

Mitten in der Nacht im Wallfahrtsort Lourdes: Im Café „Little Flower“, gleich neben der Hall Catholique, treffen sich die irischen Soldaten. Die Biergläser und die Herzen sind voll, natürlich singen sie lauthals Lieder. Ein junger Soldat steht auf und beginnt mit der ersten Strophe. Alle rücken ihre schwarzen Barette auf dem Kopf fest. Nach jeder Strophe stimmt die Gruppe ein, die Lautstärke schwillt an wie ein Fluss nach dem Regen. Das Lied hat sehr viele Strophen, es geht um ein einsames Mädchen, das entweder wartet oder sehnsüchtig erwartet wird, jedenfalls traurig und sehr irisch.

Eine Straße weiter ist das Café „Royal“, gleich neben der Alliance Catholique, fest in deutscher Hand. Die Biergläser und die Herzen sind voll, das Heeresmusikkorps aus Kassel spielt auf. Das Lied erzählt von einer glücklichen Liebe zum Alkohol. Der Text ist ein Karnevalsklassiker. „Wenn das Wasser im Rhein gold’ner Wein wär,/ ja dann möcht’ ich so gern ein Fischlein sein./ Ei, wie könnte ich dann saufen,/ brauchte keinen Wein zu kaufen,/ denn das Fass vom Vater Rhein würd’ niemals leer.“

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