Wider die „staatsfromme Kirche“


Die Evangelischen Kirche am Hohenzollernplatz in Berlin – ein Hauptwerk des deutschen Expressionismus. (Deutschlandradio / Eric Pawlitzky)
Rainald Leistikow ist Berliner, evangelischer Christ und Hörer des Deutschlandfunks. Ihn stören die politischen Positionen seiner Kirche zur Flüchtlingspolitik, als Andersdenkender fühlt er sich ausgegrenzt. „Obrigkeit ist für mich keine Instanz, vor der ich einknicke“, sagt er. Er ist zum Widerspruch entschlossen, erst recht so kurz vor dem Kirchentag.

Von Claudia van Laak | Deutschlandfunk

Sie haben mich persönlich eingeladen, hierherzukommen, und das habe ich gerne gemacht.“

Reinald Leistikow, 73 Jahre alt. Fester Händedruck, klarer Blick, freundlich-zugewandtes Wesen. Der Berliner Jurist hat lange Jahre für Kirche und Diakonie gearbeitet – so als Verwaltungsleiter eines evangelischen Krankenhauses. In letzter Zeit allerdings hat sich Leistikow von seiner Kirche entfernt. Mehr noch – er ist empört. In einer langen E-Mail an den Deutschlandfunk hat er sich Luft gemacht, spricht von „Multi-Kulti-Schönfärberei“ und kritisiert, dass die Kirchenleitung in punkto Flüchtlingspolitik eine offizielle Meinungsvorgabe mache und Andersdenkende ausgrenze.

„Der Deutschlandfunk ist ja eine Instanz dafür, dass so etwas zur Sprache kommen kann. Die politisierte Kirche kommt überall durch und breitet sich wie ein Schirm über alles aus.“

Es ist Sonntag kurz vor 10, gleich beginnt der Gottesdienst in der  architektonisch spektakulären Evangelischen Kirche am Hohenzollernplatz – ein Hauptwerk des deutschen Expressionismus. Mehrere hundert  Gottesdienstbesucher fänden Platz in diesem imposanten dunklen Backsteinbau – doch nur etwa 30 sind gekommen, sie verlieren sich in den Kirchenbänken.

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