Evangelischer Kirchentag – Die falsch verstandene Politisierung


Mit dem Engagement für die richtige Gesinnung stößt die Kirche viele Mitglieder vor den Kopf / picture alliance
Heute beginnt in Berlin und Wittenberg der Deutsche Evangelische Kirchentag. Das Programm spricht eine Vielzahl politischer Themen an. Fällt die evangelische Kirche hinter Martin Luthers Trennung von Staat und Kirche zurück?

Von Klaus-Rüdiger Mai | Cicero

Wenn sich die Tore zum Kirchentag öffnen, wird der belehrungswillige Christ zahlreiche Foren besuchen können. Die Vielzahl der Podien bildet leider nicht die Vielfalt evangelischen Glaubens ab, lässt aber in der Summe parteipolitische Präferenzen durchscheinen. Die Politisierung der Evangelischen Kirche hat zu anhaltenden Diskussionen innerhalb der Kirche geführt, die nun auch den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zu einer Stellungnahme in der FAZ bewogen haben.

Einmischung der Kirche bringt nichts Gutes

Von Anfang an widerspricht er darin der eigenen Forderung, dass prophetisches Reden den Diskurs nicht verschließen, sondern öffnen soll. Denn immer wieder setzt er differierende Standpunkte in assoziative Nähe zum Rassismus, Nationalsozialismus oder Militarismus. Das Recht, politisch Stellung zu beziehen, wird von Martin Luther Kings Kampf gegen die Rassendiskriminierung und von Dietrich Bonhoeffers Widerstand gegen den Nationalsozialismus hergeleitet. Doch die Beweisführung überzeugt weder methodisch noch historisch, denn es ließen sich in der Geschichte weitaus mehr Beispiele finden, wo es eben nicht zum Guten, sondern zum Schlechten führte, wenn sich die Kirche politisch einmischte.

weiterlesen