Monotheismus: Ein Gott ist selten allein


Der Jerusalemer Tempel, wie er um 60 n. Chr. ausgesehen haben mag –Rekonstruktion des Tower of David Museums. (Bild: Leo G. Linder / AKG)
Im Himmel der jüdischen Antike war Jahwe nicht allein. Wer leistete ihm Gesellschaft? Peter Schäfer weiss es – und zeigt es in seinem Buch «Zwei Götter im Himmel».

Von Friedrich Wilhelm Graf | Neue Zürcher Zeitung

Kein Geringerer als Immanuel Kant hat die steile These vertreten, dass «der Begriff von Gott» ein «conceptus singularis» sei, ein Einzelbegriff. Die «Lehre von Einem Gotte» sei keineswegs nur «auf eine weit vorgerückte Einsicht des Menschen zu bauen», sondern vielmehr schon «Bedürfnis der gemeinsten Vernunft». Wie andere Exponenten der klassischen deutschen, stark protestantisch geprägten Philosophie ging Kant zwar davon aus, dass es in der Religionsgeschichte der Menschheit eine Entwicklung vom Glauben an viele Götter hin zum Monotheismus gegeben habe.

Auch konnte er bisweilen eingestehen, dass eine Religion mit vielen Göttern moralisch keineswegs schlechter sei als ein Monotheismus mit dem fatalen Grundsatz, «dass die Gottheit durch Glaubensbekenntnisse und Observanzen könne gewonnen» werden. Kam er auf die rationale Theologie zu sprechen, betonte der Königsberger Philosoph jedoch mit grosser gedanklicher Konsequenz die «Einzigkeit» und «Einheit» Gottes.

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