Tschetschenien: Schwulsein gilt als Schande


Tschetschenboss Ramsan Kadyrow (braunes Kostüm) und andere echte Mannsbilder. Foto: afp
In Tschetschenien werden Homosexuelle seit Februar systematisch verfolgt und gefoltert. Offizielle leugnen weiterhin die Existenz schwuler Tschetschenen.

Von Stefan Scholl | Frankfurter Rundschau

Folter per Elektroschock war üblich. „Der Schmerz ist brutal, du schreist, hörst auf zu verstehen, wer du bist, was du bist“, sagt eines der Opfer in einem Bericht der Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch (HRW). „Wenn du wieder zu dir kommst, geht es von vorn los. Wenn sie mit dir fertig sind, versuchst du, klare Gedanken zu fassen. Aber du hörst, wie andere schreien, den ganzen Tag, irgendwann drehst du durch.“

Vor über einem Monat erschienen in Moskau die ersten Zeitungsberichte über die Jagd auf Schwule in Tschetschenien. Seitdem erhielt das Petersburger Aktivistenportal LGBT-Set über 100 Hilferufe von Homosexuellen aus der Kaukasusrepublik, es gelang, etwa 50 Betroffene in zentralrussische Städte zu bringen. Menschen- und Schwulenrechtler vermuten, ähnlich viele Gefährdete seien auf eigene Faust geflohen. Aber auch in Moskau oder Sankt Petersburg sind sie nicht in Sicherheit. Und die Bemühungen der russischen Staatsmacht, die blutige Affäre aufzuklären, halten sich in Grenzen.

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