Uni Siegen und ein Gebetsraum


Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund/Themenbild
Zum Ruhe finden, Innehalten, Meditieren und Beten sind sie gedacht: Räume der Stille an Hochschulen. Doch immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen verschiedenen Religionsgemeinschaften, die sie nutzen wollen. An der Uni Siegen will man das anders machen. Aber wie?

Von Raimund Hellwig | evangelisch.de

Niemand weiß mehr so ganz genau, wo die Geschichte des Raums der Stille an der Universität Siegen beginnt: Vielleicht im Kopf von muslimischen Studierenden, die es leid waren, in einem abgelegenen Teil der Universitätsbibliothek zu beten, vielleicht auch im Kopf von Studierendenpfarrer Dietrich Hoof-Greve.  Man weiß aber ziemlich genau, wann die Diskussion um diesen Raum einen Knick bekam: Das war der Tag, an dem die Kollegen von der Universität in Dortmund unter reger Begleitung der nationalen Medien ihren Raum der Stille schlossen, weil „Nutzer den Raum wiederholt umgestaltet hatten, um eine Geschlechtertrennung vorzunehmen, was die TU Dortmund als staatliche, dem Grundgesetz verpflichtete Einrichtung nicht dulden darf.“ So stand es in einer kurzen Mitteilung auf der Homepage der TU Dortmund, verlinkt war an der Meldung ein offener Brief der Uni-Leitung. Tatsächlich hatten Muslime den Raum der Stille zu einem Gebetsraum mit Geschlechtertrennung umfunktioniert. Weibliche Besucherinnen des Raumes wurden am Eingang von männlichen Muslimen abgefangen und darauf hingewiesen, dass sie nur Zugang zu einem kleineren, abgegrenzten Raumteil hätten – der größere wiederum sei nur Männern vorbehalten. Daraufhin begann man in Siegen, über angebliche oder tatsächliche Raumbesetzungsstrategien der Muslime oder auch „Islamisten“ zu diskutieren.

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