Kann Religion nur Privatsache sein?


Alexia Weiss, ©Paul Divjak
Heute ist Schawuot, das Wochenfest. 50 Tage nach Pessach erinnern sich Jüdinnen und Juden an den zweiten Empfang der Zehn Gebote. Viele haben die vergangene Nacht mit Tora-Lernen verbracht. Am Speiseplan steht seit gestern Abend traditionell Milchiges: auf vielen Festtagstischen zu finden ist dann die Topfentorte, in verschiedenen Variationen, mit und ohne Obst.

Von Alexia Weiss | Wiener Zeitung

„Religion ist Privatsache“: das meint in Schule, Uni, Beruf hat Religion nichts verloren. Und wenn du beten willst oder religiöse Feste feiern, dann mach das bitte zu Hause, in deiner Freizeit. Der Jahreskreislauf einer Religion hält sich allerdings nicht an Normalarbeitszeiten und staatliche Feiertage. Mit einer Ausnahme: wer als Christ – vor allem als Katholik – in Österreich lebt, der kann derzeit seine Feiertage begehen, da diese ebenfalls staatliche Feiertage sind. Außer er oder sie ist Spitalsarzt, Rettungsfahrer, Pflegekraft, lenkt ein öffentliches Verkehrsmittel, kurz, muss auch an Sonn- und Feiertagen fallweise arbeiten.

Würde der Ansatz „Religion ist Privatsache“ allerdings konsequent umgesetzt, hieße das, dass auch die christlichen Feiertage entfallen. Und dann könnten Katholiken genauso wenig zu Fronleichnam in die Kirche gehen wie zu Mariä Himmelfahrt. Dann ginge es ihnen wie Juden, die zum Beispiel zum heutigen Wochenfest zu Hause bleiben wollen und dafür einen Urlaubstag nehmen müssen. Grundsätzlich spricht auch nichts dagegen, dass jeder sich die Urlaubstage nehmen kann, die er braucht, um seine Feste zu feiern. Die Frage ist allerdings: werden sie ihm auch gewährt? Oder sagt der oder die Vorgesetzte: tut mir leid, ich kann an diesem Tag nicht auf Sie verzichten?

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