„Die israelische Zivilgesellschaft ist klinisch tot“


The Temple Mount in Jerusalem (photo credit: Miriam Alster/Flash90)
Selbstmordattentate, Raketen und Militärschläge – der arabisch-israelische Konflikt im Nahen Osten begleitet die Menschen seit vielen Jahrzehnten. Heute vor 50 Jahren begann jener Krieg zwischen Israel auf der einen und Ägypten, Jordanien und Syrien auf der anderen Seite, der die Landkarte des Nahen Ostens entschieden verändern sollte. Nach vielen Jahren blutiger Feindschaft zwischen den Völkern des Heiligen Landes ist die Frage nach dem Frieden immer noch ungelöst.

Von Lena Ohm | evangelisch.de

„Montagmorgen um 11 Uhr begann der Krieg“, erinnert sich der evangelisch-lutherische Bischof in Jordanien und im Heilige Land, Munib A. Younan, an jenen 5. Juni 1967, der für die Israelis als Sechstagekrieg und für die arabische Welt als Juni-Krieg in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Nach dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg (1948) und der Sueskrise (1956) war die Konfrontation 1967 der dritte Arabisch-Israelische Krieg. Younan, ein palästinensischer Christ, lebte zu dieser Zeit mit seinen Eltern im Christlichen Viertel der damals seit 1948 von Jordanien besetzten Jerusalemer Altstadt. „Wir haben aus dem Radio erfahren, dass die Israelis Jerusalem erobert haben. Meine Mutter hat mich gerade noch rechtzeitig versteckt, da kamen schon die Soldaten in unser Haus“, erzählt Younan. Die Israelis seien davon ausgegangen, dass jeder Palästinenser eines gewissen Alters bewaffnet sei und so eine Gefahr darstelle. Viele Palästinenser flohen damals, Younans Familie entschied sich zu bleiben. „Mein Vater dachte, dass die Besatzung vielleicht zwei Wochen dauern wird. Aber die Besatzung endete nie“, so Younan. Der Bischof blickt traurig ins Publikum, das sich im Palais am Funkturm versammelt hat. Kein Platz ist unbesetzt bei einer der letzten Veranstaltungen auf dem Kirchentag in Berlin. Der Nahost-Konflikt beschäftigt die Menschen – gerade in diesem Jahr, das geprägt ist von historischen Jahrestagen der Auseinandersetzung: 100 Jahre Balfour-Erklärung (Erklärung der Briten, in Palästina eine „nationale Heimstätte“ des jüdischen Volkes zu errichten), 70 Jahre UN-Teilungsplan (Palästina in einen Staat für Juden und einen für Araber aufzuteilen, wobei Jerusalem (einschließlich Bethlehems) unter internationale Kontrolle gestellt werden sollte) und 50 Jahre Besatzung.

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