Kirche stellt sich ihrer Geschichte


1933, Bischof Friedrich Coch, Vereinsgeistlicher d. Inneren Mission, Luth. Kirche Sachsen. Themenbild: fundamentalismus debatte .de
Im Jubiläumsjahr der Reformation gibt es sicherlich angenehmere Themen, über die die Kirche sprechen könnte. Doch mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und damit der NS-Herrschaft widmet sich die Nordkirche der Aufarbeitung ihrer jüngeren Geschichte.

Von Alexander Steenbeck | Ostholsteiner Anzeiger

Vom 20. Juni bis 18. Juli wird in der St.-Michaelis-Kirche (Schloßstraße 2) die Ausstellung „Neue Anfänge nach 1945? Wie die Landeskirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen“ gezeigt. Es handelt sich um eine Wanderausstellung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. In ihr wird der Frage nachgegangen, wie der Neuanfang nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Bereich der Kirche verstanden und in die Wege geleitet wurde. „Wir distanzieren uns nicht, sondern stellen uns unserer Geschichte“, sagte Propst Peter Barz gestern bei der Vorstellung der Ausstellung.

In einem sogenannten lokalen Fenster wird auch die Situation in der ehemaligen Eutiner Landeskirche beleuchtet. Und gerade deren Verhältnis zur NS-Zeit hat es in sich, wie bereits die Diskussion um Bischof Wilhelm Kieckbusch (1891-1987) in Eutin zeigte (wir berichteten).

Kieckbusch war von 1937 bis 1977 Vorsitzender der Eutiner Landeskirche. „Er war ein Mann mit zwei Gesichtern“, sagte Lutz Tamchina, früherer Gemeindepastor. Auf der einen Seite sei Kieckbusch „überzeugter Christ“ gewesen. Auf der anderen aber auch „im Denken vom Deutschnationalismus geprägt“. Kieckbusch habe den Nationalsozialisten „wie viele andere zu dieser Zeit keinen Widerstand geleistet“.

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