„Die Tibeter müssen sich von den alten Klischees lösen“


Der Dalai Lama im Mittelpunkt, rechts von ihm die US-Demokratin Nancy Pelosi zu Besuch in Dharamsala (AFP / Lobsang Wangyal)
Die „Tibet-Lüge“ hat der Journalist Oliver Schulz sein Buch genannt. „Der Zugang zu Tibet ist von vornerein von Missverständnissen geprägt gewesen“, sagte er im Dlf. Das halte bis heute an. Der Westen, aber auch der Dalai Lama seien gefangen in der großen Erzählung von Gewaltlosigkeit und Sanftmut.

Oliver Schulz im Gespräch mit Susanne Fritz | Deutschlandfunk

Susanne Fritz: Herr Schulz, Sie haben ein Buch über Tibet geschrieben mit dem Titel „Die Tibet-Lüge“, darin räumen Sie tüchtig auf mit dem Bild, das viele Menschen über Tibet haben. Worin bestehen die gängigen Klischees im Westen?

Schulz: Die gängigsten Klischees, was Tibet angeht, sind, dass es im alten Tibet soziale Gerechtigkeit gegeben hätte. Pazifismus ist ein gängiges Klischee, es wird davon ausgegangen, dass es eine nach außen hin friedliche Staatsform gewesen ist. Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein Standard-Klischee, was Tibet betrifft und ebenso wird im Westen davon ausgegangen, es hätte eine ökologisch gesinnte Gesellschaft gegeben.

Fritz: Woher stammen all diese Klischees, die wir im Westen von Tibet haben?

Schulz: Der Zugang zu Tibet ist von vornerein von Missverständnissen geprägt gewesen, wenn man so will. Die ersten, die nach Tibet kamen, waren die Jesuiten im 16. Jahrhundert. Sie sind damals davon ausgegangen, dass sie verstreute Christengemeinden dort finden würden. Auf diese folgten dann – vor allem wichtig, was die Verklärung angeht – die Literaten des 20. Jahrhunderts, die dort so etwas wie ein Paradies auf Erden verorteten. Der Begriff des Shangri-La ist in dieser Zeit entstanden. Es gab die Theosophen, das ist eine neo-religiöse Organisation gewesen, die ebenfalls im 20. Jahrhundert Tibet für sich entdeckte und das Land sozusagen als ein Hort universeller Weisheit darstellte. Dann folgten weitere: die Vertreter des New Age, Philosophen wie C.G. Jung und so weiter. Das setzt sich bis in die Gegenwart fort.

weiterlesen

Advertisements

Ein Gedanke zu “„Die Tibeter müssen sich von den alten Klischees lösen“

  1. Pingback: [Brights] „Die Tibeter müssen sich von den alten Klischees lösen“ – #Tibet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s